Deutsche Kultserie Raumpatrouille Orion auf Kino-Mission

Die kultisch verehrte TV-Serie "Raumpatrouille Orion" erlebt ein Revival auf der Kinoleinwand. In dem aufgemöbelten Serien-Zusammenschnitt wird Elke Heidenreich als Nachrichtenoffizier Helma Krap mit Bienenstock-Frisur und kniehohen Stiefeln über die Abenteuer des deutschen Enterprise-Vorläufers berichten.
Von Michaela Wailzer

Berlin - "Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein", mit diesem Satz begannen 1966 die phantastischen Abenteuer der "Raumpatrouille Orion". Kurz vor dem amerikanischen "Raumschiff Enterprise" wagte sich Commander Cliff Allistair McLane, gespielt von Dietmar Schönherr, mit seiner Crew in die Tiefen des Weltalls um dort für Recht und Ordnung zu sorgen. In sieben Episoden der deutschen Schwarz-Weiß-Fernsehserie nahm er dabei den chaotischen Kampf gegen "Frogs" (Feindliche Raumschiffe Ohne Galaktische Seriennummer), Roboter und andere feindliche Wesen auf.

Inspiriert von Hightech-Spektakeln wie "The Matrix Reloaded" kamen Bavaria-Film-Geschäftsführer Thilo Kleine und Schwanstein-Entertainment-Chef Stephan Reichenberger auf die Idee, die Kultserie aus den Sechzigern zu reanimieren. "Zeigen wir einmal, wie es angefangen hat", sagt Reichenberger. Die Anfänge der deutschen Science Fiction sollten in die Kinos kommen.

Allerdings startet im Juli nicht ein Remake, sondern ein "Producer's Cut" - aus dem Material der sieben Fernsehfolgen wurde eine neue, gestraffte Geschichte gebastelt. "Wir haben Szenen gekürzt, teilweise aus dem Zusammenhang genommen und montiert. Die Backstory der sieben Episoden bleibt jedoch erhalten", so Reichenberger gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Damit die Abenteuer der Raumpatrouille trotz Zusammenschnitt eine einheitliche Handlung ergeben, wurden an den Schnittstellen so genannte Newsflashs eingebaut. Solche erzählerischen Elemente waren in den Sechzigern nötig, um Ereignisse, deren Dreh zu teuer war, dennoch in die Handlung einzubauen. In der Kinoversion der Kultserie übernimmt diese Aufgabe die "Sternenschau", in der die Ereignisse der Orion kommentiert werden.

Für die Rolle des Nachrichtenoffiziers Helma Krap, Moderatorin dieser "intergalaktischen Wochenschau", konnte Reichenberger die Autorin und Moderatorin Elke Heidenreich, 60, gewinnen. "Sie ist gelernte Moderatorin, besitzt genau die richtige Mischung von Respekt vor dem Originalwerk und ironisch-selbstironischer Distanz. Außerdem stand sie bereits mehrmals mit Dietmar Schönherr vor der Kamera - allerdings nicht als Schauspielerin, sondern als Fernsehtalkerin", begründet der Münchner Produzent seine Wahl.

Heidenreich zeigte sich sofort begeistert und nahm das Angebot sofort an: "Der Film ist zum Schreien. Das Bügeleisen, die Wasserhähne, die Frisuren! Am allerschönsten sind die Dialoge." Als Nachrichtenoffizier Krap spricht sie selbst Texte wie "Alles wird galaktisch gut" oder "MZ Vier hat überlebt". Heidenreich erweitert dabei die Stammbesetzung mit Dietmar Schönherr (Commander Cliff McLane), Wolfgang Völz (Mario Monti) und Eva Pflug (Tamara Jagellovsk) in den Hauptrollen.

Auch bei "Raumpatrouille Orion - Rücksturz ins Kino", wie der "Producer's Cut" selbstironisch benannt wurde, werden trotz neuer Mischung wieder lackierte Joghurtbecher, zweckentfremdete Bügeleisen und Bleistiftspitzer als Requisiten zum Einsatz kommen. Auch der Meereswirbel, in dem das Raumschiff beim Start verschwindet, bleibt der Spülstrudel einer Badewanne. Der Film ist immer noch Schwarz-Weiß, ebenso wie die eingefügten Newsflashs der "Sternenschau", die derzeit in Berlin gedreht werden.

"Ich finde das Gesamtkunstwerk köstlich", schwärmt Elke Heidenreich von der unfreiwillig komisch wirkenden Science-Fiction-Serie. Millionen Deutsche teilten diese Meinung in den sechziger Jahren und verliehen der Fernsehserie wahren Kultstatus. Großen Anteil daran hatte Filmkomponist Peter Thomas. Der 78-Jährige komponierte 1966 innerhalb einer Woche die Musik zur "Raumpatrouille". Mit seinem eigens entwickelten "Thowiephon", einem Synthesizer mit zwölf Generatoren, erschuf er wahrhaft galaktische Klänge.

Dieser Sound, zu dem die Orion-Crew im "Starlight Casino" den "Galyxo" tanzte, erlebte vor wenigen Jahren ein Revival. Die Britpop-Band Pulp verwendete eine Melodie aus der "Raumpatrouille" für ihr Album "This Is Hardcore" und 1996 brachte das Berliner Independent-Label Bungalow den Original-Soundtrack der Serie in einer neuen Edition heraus. Der Hype um die futuristischen Easy-Listening-Klänge ist indes noch nicht passé: Im Juni soll die CD "Orion 2" erscheinen, auf der internationale DJs Remixe der Original-Musik präsentieren.

Das neue Sound-Design können Münchner Kinogänger bereits ab 1. Juli in Dolby Surround genießen. Nach der Berlin-Premiere am 17. Juli startet "Raumpatrouille Orion - Rücksturz ins Kino" auch bundesweit. Komponist Peter Thomas freut sich schon: "Jetzt hoffe ich nur, dass Omas und Opas ihre Enkel ins Kino schleppen, um ihnen zu zeigen: Guck mal, unser Commander McLane war schon vor Captain Kirk im Weltall".

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