Kriegsdrama mit Colin Firth Liebesgrüße von der Todesbahn

Eine wahre Geschichte über Folter und Vergebung, große Stars - "Die Liebe seines Lebens" hat alles, was packendes Kino braucht. Leider aber konnte sich Regisseur Jonathan Teplitzky nicht zwischen Schmonzette und Kriegsschocker entscheiden.
Kriegsdrama mit Colin Firth: Liebesgrüße von der Todesbahn

Kriegsdrama mit Colin Firth: Liebesgrüße von der Todesbahn

Foto: Koch Media

2013, beim Filmfestival in Toronto, war noch alles prima: "The Railway Man", prominent mit Colin Firth, Nicole Kidman und dem ewig großartigen Stellan Skarsgård besetzt, wurde, mit Tränen und Standing Ovations, sogar für Oscar-Chancen in Stellung gebracht; Filmfestivals entwickeln manchmal so eine Dynamik, vor allem, wenn es um Krieg und Folter, Liebe und Katharsis geht.

Gut zwei Jahre später findet "The Railway Man" nun endlich seinen Weg in deutsche Kinos. Mit großen Preisen, vom Oscar ganz zu schweigen, hat es nicht geklappt, und auch die internationale Presse gab sich im Nachhinein dann doch etwas weniger euphorisch, um nicht zu sagen: verhalten.

Vielleicht ist das eine Erklärung dafür, dass Jonathan Teplitzkys Film nun unter dem irreführenden Titel "Die Liebe seines Lebens" anläuft und Firth und Kidman auf dem Plakat großformatig turteln dürfen. Vielleicht, so das mögliche Kalkül, funktioniert's ja, wenn man es als starbesetzte Schnulze verkauft.

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"Die Liebe seines Lebens": Zu viele Dramen für einen Film

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Der Zuschauer, der hier nun die große Liebesgeschichte erwartet, muss enttäuscht werden, denn Nicole Kidmans Part ist zwar wichtig, aber klein: Sie spielt die späte Ehefrau des britischen Weltkriegsveteranen Eric Lomax, auf dessen Memoiren der Film beruht. Die vom Leben verratene Patti aus London und der im Bürodienst ergraute Kämpe begegnen sich um 1980 durch Zufall auf einer Zugreise, und Lomax, mit hinreichender Brüchigkeit von Firth verkörpert, charmiert Patti mit seinem sympathischen Nerd-Wissen über Englands Zugverbindungen.

Schnell stellt sich heraus, dass die Obsession mit Zügen nicht von ungefähr kommt, sondern Teil einer posttraumatischen Belastungsstörung ist. Von hier an spielt der Film hauptsächlich in Rückblenden: Im Zweiten Weltkrieg geriet Lomax als junger Soldat in japanische Gefangenschaft und wurde gezwungen, am Bau der Eisenbahn zwischen Burma und Thailand mitzuwirken, eine unwegsame Unternehmung unter unmenschlichsten Bedingungen für die Arbeiter, die der Bahn den Spitznamen "Death Railway" einbrachte.

Im Schatten der Brücke über den Kwai

Damit nicht genug: Weil der junge Funkoffizier heimlich ein Radio baut, wird er als Spion verdächtigt und mit Stockhieben und Waterboarding gefoltert. Immer dabei: Ein junger japanischer Übersetzer, der sich bald als der eigentliche Folterknecht entpuppt. Patti, berührt vom Schicksal ihres Mannes, findet heraus, dass jener Takashi Nagase (Hiroyuki Sanada) noch lebt und als Touristenführer in Thailand die alte Todesbahn vorführt. Von Rachsucht gepackt, macht sich Lomax auf, seinen Dämon zu stellen.

Berühmter noch als Lomax' Erinnerungen an die Tortur im Urwald sind Ernest Gordons Memoiren, die unter anderem als "Die Brücke am Kwai" (1957) verfilmt wurden. Doch gegen David Leans monumentales Drama über den Erhalt der Würde im Krieg kann das von Andy Paterson und Frank Cottrell Boyce verfasste Drehbuch kaum bestehen: Zu keinem Zeitpunkt findet die Geschichte eine atmosphärische Balance zwischen den Flashbacks in die Gefangenschaft und den Albträumen des älteren Lomax.

Auch Regisseur Teplitzky ("Better than Sex", "Burning Man") kann sich offenkundig nicht entscheiden, ob er nun die katalysierende Liebesgeschichte oder die traumatisierenden Foltererlebnisse eindrücklicher schildern will. Letztlich bleiben beide Teile der Erzählung blass, auch wenn es am Ende zu einem durchaus berührenden Finale kommt.

Schmonzette oder Schocker? In diesem Dilemma versickert letztlich nicht nur viel Dramatik, sondern vor allem auch Schauspieltalent. Die Chemie zwischen Kidman und Firth gibt zwar den in England spielenden Szenen viel Intensität, die fehlt dann aber wiederum in den zu zaghaft inszenierten Rückblenden, wo sich Nachwuchstalent Jeremy Irvine ("War Horse") redlich Mühe gibt, dem jüngeren Eric Tiefe zu verleihen.

Völlig verschenkt ist Stellan Skarsgård als Lomax' alter, von der Folter verschont gebliebener Kampfgefährte Finlay. Er wird nach wenigen Szenen, in denen er Patti eine Ahnung vom Trauma ihres Mannes vermittelt, einfach aus dem Weg geräumt. Auch den Konflikt der beiden Männer hätte man spannend erzählen können, aber vielleicht ist genau das die besondere Tragik an der wahren Geschichte des "Railway Man" Eric Lomax: Sie beinhaltet zu viele Dramen für einen einzigen Film.

Sehen Sie hier den Trailer zu "Die Liebe seines Lebens":

"Die Liebe seines Lebens"

Originaltitel: The Railway Man

Australien, Großbritannien, Schweiz 2013

Regie: Jonathan Teplitzky

Drehbuch: Frank Cottrell Boyce, Andy Paterson

Darsteller: Colin Firth, Nicole Kidman, Jeremy Irvine, Stellan Skarsgard, Hiroyuki Sanada, Sam Reid, Tanroh Ishida, Tom Stokes

Produktion: Archer Street Productions, Latitude Media, Lionsgate

Verleih: Koch Media

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Start: 25. Juni 2015

"Die Liebe seines Lebens" - Offizielle Website 
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