Digitales Hollywood Angst vor animierten Superstars

Verunsicherung in Hollywood: Der komplett am Computer erzeugte Science-Fiction-Film "Final Fantasy" entfacht bereits vor seinem Kinostart heftige Diskussionen. Sind Schauspieler aus Fleisch und Blut in der Filmindustrie bald überflüssig?


Szene aus "Final Fantasy": "Das kommt auf uns zu"
Columbia TriStar

Szene aus "Final Fantasy": "Das kommt auf uns zu"

Der weltweit erste "fotorealistische" Digital-Spielfilm mit vollständig am Computer erzeugten, lebensecht wirkenden "Schauspielern" hat an diesem Mittwoch in den USA Premiere. Bereits vor dem Start von "Final Fantasy" hat der Science-Fiction-Streifen heftige Debatten über die Zukunft des Kinos und des Schauspielerberufes ausgelöst. In Deutschland läuft der nach einem beliebten Videospiel entstandene Film, in dessen Mittelpunkt die schöne, ein bisschen an Sandra Bullock erinnernde Wissenschaftlerin Aki Ross steht, Ende August an.

Die virtuelle Heldin wirkt wie ein Mensch aus Fleisch und Blut - nicht nur wenn sie läuft, kämpft oder sich durch die Haare streicht. Geradezu "unheimlich" fanden US-Kritiker die Blickkontakte mit ihr und den anderen "Darstellern", die im Gegensatz zu bisher gewohnten Trickfiguren den Eindruck einer tatsächlich vorhandenen Intelligenz vermittelten. "Die Augen sind das Wichtigste", sagt Regisseur Andy Jones. "Wir haben darauf geachtet, dass sie sich so bewegen, als würden die Charaktere selbst denken und eigene Gefühle haben."

Computer-Charakter Aki Ross: "Die Augen sind das Wichtigste"
Columbia TriStar

Computer-Charakter Aki Ross: "Die Augen sind das Wichtigste"

Ein Witzbold unter den Hollywood-Reportern forderte die Schauspielergewerkschaft SAG unterdessen auf, sich schon einmal Gedanken über die Eintreibung von Beiträgen unter den digitalen Kollegen zu machen. Er schlug "1000 Megabit pro Monat" vor. Ansonsten aber wird das Thema erstaunlich ernsthaft diskutiert. "Ich bin sehr beunruhigt", sagte beispielsweise der zweifache Oscar-Preisträger Tom Hanks.

Computerexperten weisen zwar darauf hin, dass es noch viele Jahrzehnte dauern werde, bis Produzenten auf Superstars weitgehend verzichten könnten. Doch so manchem treibt allein die Vorstellung den Angstschweiß auf die Stirn: Nachdem das Gesicht, der Körper und charakteristische Bewegungen eines Menschen dreidimensional eingescannt sind, können Hochleistungscomputer ihn auf der Leinwand lebensecht agieren lassen - egal ob bei einem Banküberfall oder im Bett. "Das kommt auf uns zu", warnte Hanks. "Und ich weiß nicht, was wir dagegen unternehmen können." Die ansonsten keineswegs zur Panikmache neigende "New York Times" titelte: "Filmstars fürchten Angriff der Digital-Schauspieler."

Die Vorreiter einer Welt, in der die Oscars möglicherweise an menschenähnliche Star-Roboter verliehen werden, haben sich gar nicht erst in Hollywood niedergelassen. Am Harbor Place, mitten in der gemütlichen Innenstadt von Honolulu, tüfteln hoch bezahlte Informatiker in der Filmabteilung der Videospiel-Firma Square Productions am neuen cineastischen Menschenbild.

Neues cineastisches Menschenbild: "Angriff der Digital-Schauspieler"
Columbia TriStar

Neues cineastisches Menschenbild: "Angriff der Digital-Schauspieler"

Dort entstand unter strenger Kontrolle des Spiele-Erfinders Hironobu Sakaguchi die Kino-Version von "Final Fantasy". Das Chip-Genie hat sich nach eigenem Bekunden von einer alten Weisheit japanischer Marionettenkünstler leiten lassen: "Das Gesicht ist das Leben jeder Puppe."

Steven Spielberg, immer begeisterungsfähig für Zukunftsphantasien, hält die ganze Diskussion für ein "Nullthema". Doch mit seinem neuem Film "A.I.", in dem künstlich erzeugte Intelligenz über die menschliche triumphiert, verbreitet er nicht gerade zuversichtliche Botschaften.

Für so manchen Produzenten im letztlich profitgesteuerten Hollywood muss die Vorstellung vom Schauspieler als Cybersklaven verlockend sein: Stars aus Pixeln, die keine Gagen verlangen, nicht zickig sind und bei jeder noch so doofen Werbekampagne mitmachen. Aber natürlich ist Hollywood schon dabei, auch dies zu thematisieren. Unter der Regie von Andrew Niccol ("Gattaca", Drehbuch zu "The Truman Show") entsteht gerade der Film "Simone". Al Pacino spielt darin einen Produzenten, dessen bislang kaum bekannte Hauptdarstellerin alles hinschmeißt. Pacino lässt sie kurzerhand am Computer nach- und in den Film einbauen. Simone wird zum gefeierten Star, doch nun haben die Produzenten ein Problem: Wer soll nun die Autogramme geben und in den Talkshows auftreten?



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