Drehstart für Stauffenberg-Drama "Ist gut fürs Geschäft"

Einen Tag vor dem Jahrestag des Hitler-Attentats haben im brandenburgischen Klein-Köris die Dreharbeiten für den Hollywood-Film über Klaus Schenk Graf von Stauffenberg begonnen. Über den Hauptdarsteller und Scientologen Tom Cruise erregt man sich nur noch in Berlin.


Klein Köris - Vormittags in Löpten. Hier in den Kiefernwäldern eine gute Autostunde südlich von Berlin haben heute, einen Tag vor dem 20. Juli, offiziell die Dreharbeiten zu dem Film "Valkyrie" über das gescheiterte Hitler-Attentat begonnen. Hier, irgendwo in den Kiefernwäldern rund um den ehemaligen Armeeflugplatz, soll auch Tom Cruise stecken, Hollywoodstar und in seiner Eigenschaft als prominentes Scietology-Mitglied hoch umstrittener Darsteller des Widerständlers Klaus Schenk Graf von Stauffenberg.

US-Schauspieler Cruise als Stauffenberg: "Packender Thriller"
REUTERS

US-Schauspieler Cruise als Stauffenberg: "Packender Thriller"

Der offizielle Drehort, das brandenburgische Klein Köris, war weiträumig abgesperrt. Im Restaurant Café Erika gibt es trotzdem Kaffee und Kuchen, Bockwurst mit Salat und Taschenbuchromane. Auf einem Hänger fährt ein Wehrmachtsfahrzeug vorbei. Bei Molle und Korn studiert ein Gast die Tageszeitung mit Fotos der Filmflugzeuge aus dem Wald hinter dem Ort: "Na, ist doch wenigstens mal was los hier!" Auch Matthias Wurm, der im Café serviert, kann den Dreharbeiten etwas abgewinnen. "Ist gut für's Geschäft", sagt er.

Nicht nur Journalisten auf der Suche nach Spuren der Dreharbeiten kehren hier ein, auch die Arbeiter, die im Kiefernwald Hitlers "Wolfsschanze" nachbauten, haben hier gegessen. Auch gegen den Film über die Operation Walküre, wie der Deckname für das Attentat lautete, hat er nichts. Zwar gebe es zu dem Thema schon gute Fernsehproduktionen. Aber so ein Kinofilm mit einem Star könnte doch auch jenen etwas über Geschichte beibringen, die sonst wenig damit am Hut haben: "Vielleicht gucken sich die Jugendlichen das eher im Kino an."

Auch die Produzenten des Hollywoodstudios United Artists Entertainment und des Studios Babelsberg betonten den Unterhaltungsfaktor des Films. "Valkyrie ist ein packender Thriller, der die Zuschauer an ihre Sitze fesseln wird", erklärte Paula Wagner, die United Artists zusammen mit Tom Cruise leitet. Gleichzeitig werde die Welt daran erinnert, dass auch hohe deutsche Militärs Widerstand gegen das Nazi-Regime geleistet hätten. Dies sei außerhalb Deutschlands kaum bekannt.

Regisseur Bryan Singer ("X-Men", Die üblichen Verdächtigen") bekannte sich ausdrücklich zu Tom Cruise und zum Drehort in Deutschland. Er könne sich nicht vorstellen, "diesen Film irgendwo anders als in Deutschland zu drehen und finde es großartig, dass wir Tom Cruise für die Rolle des Oberst Stauffenberg gewinnen konnten."

Die Bundesregierung verteidigte unterdessen noch einmal die Entscheidung, Cruise nicht im Berliner Bendlerblock filmen zu lassen. Dort war der Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg nach seinem gescheiterten Hitler-Attentat am 20. Juli 1944 von den Nazis hingerichtet worden. In die Kritik geraten war das Projekt, weil Hauptdarsteller Cruise bekennender Scientologe ist. Dies hatte die Antje Blumenthal, die Sektenbeauftragte der Bundesregierung, aber auch der Sohn Graf von Stauffenbergs beklagt.

Der Sprecher des für das Gebäude zuständigen Bundesfinanzministeriums, Torsten Albig, erklärte allerdings heute noch einmal, dass bei der Entscheidung für das Drehverbot im Bendlerblock die Glaubensausrichtung der Schauspieler keine Rolle gespielt habe. Die Drehgenehmigung sei mit Blick auf die Würde des Ortes, der in eine Kulisse und dann wieder zur Gedenkstätte umgewandelt werden müsste, abgelehnt worden. Alle anderen Drehorte seien jedoch genehmigt worden. Das Filmstudio Babelsberg sei zufrieden, dass die Bundesregierung alles tue, um das Projekt zu unterstützen.

Von der Debatte um Tom Cruise als Stauffenberg-Darsteller profitiere vor allem die Scientology-Kirche. Diese habe es "sehr geschickt verstanden, sich wieder in die Öffentlichkeit zu spielen", sagte Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen am Donnerstag dem Nachrichtensender N24. Utsch äußerte Verständnis für die Aufregung: Cruise sei "nicht irgendein Mitglied von Scientology", sondern offizieller Botschafter der Organisation. "Dass das eine ganz private Sache ist, das stimmt nicht." Er verwies darauf, dass Cruise in der Vergangenheit bei Dreharbeiten mit einem Scientology-Informationszelt angerückt sei.

Regisseur Jo Baier, der 2004 einen "Stauffenberg"-Film mit Sebastian Koch gedreht hat und dafür auch im Bendlerblock filmen durfte, stellte sich erneut hinter Cruise. Dass dieser nicht im Bendlerblock drehen durfte, sei "eine Form von Intoleranz, die ich nicht nachvollziehen kann", sagte Baier auf N24. Schon aufgrund des Grundgesetzes dürfe niemand wegen seines Glaubens geächtet oder boykottiert werden.

bor/AP/ddp



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