DVD-Edition "Große Kinomomente" Der mit den schwulen Cowboys

Auf ein paar Schlagworte reduziert zu werden, kann für einen Film Fluch und Segen sein. Ang Lees grandiosem Drama "Brokeback Mountain" hat es jedoch nicht geschadet, der Film "mit den schwulen Cowboys" zu sein. Teil zwei der KulturSPIEGEL-Edition "Große Kinomomente".

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Darsteller Ledger, Gyllenhaal in "Brokeback Mountain": Verbotenes Glück
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Darsteller Ledger, Gyllenhaal in "Brokeback Mountain": Verbotenes Glück

Wenn ein Film zur Ikone der Kinogeschichte wird, dann reichen oft ein oder zwei Schlagworte und jeder weiß, was gemeint ist. Der mit den Dinosauriern? "Jurassic Park". Das Südstaaten-Epos? "Vom Winde verweht". Der mit den schwulen Cowboys? "Brokeback Mountain". Schwer zu sagen, ob das ein Segen ist für diese große Liebesgeschichte zweier Männer, denen ein flüchtiger Sommer gemeinsamen, verbotenen Glücks ein Leben lang die Welt bedeuten wird - weil es doch zeigt, was für eine kulturelle Bedeutung Ang Lees mit Preisen nur so überhäufter Film binnen kürzester Zeit erreicht hat. Oder ein Fluch, weil "Brokeback Mountain" eben so viel mehr ist als nur der schwule Cowboyfilm.

134 Minuten nimmt sich Ang Lee, um die 1997 zuerst im "New Yorker" erschienene Kurzgeschichte von Annie Proulx auf die Leinwand zu bannen; das scheint zu viel für eine Geschichte, die man in weniger als einer halben Stunde lesen kann. Doch Lee ist kein Mann der Hektik, er kostet jeden Augenblick aus, nutzt jede Einstellung, um die Welt von Jack Twist und Ennis Del Mar bis ins letzte Detail zu erschaffen, diesen einfachen Jungs vom Land - für die Ewigkeit verkörpert von Jake Gyllenhaal und Heath Ledger - denen die Kamera über Jahrzehnte bis zum niederschmetternden Ende folgen wird. Man möchte keine Minute missen. Dieser Film erzählt mit so viel Kraft und Leidenschaft von der Tragik unerfüllter Liebe, dass auch die härtesten Kerle in den Kinosesseln ihre Tränen nicht so leicht wegblinzeln konnten.

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Drei Oscars hat "Brokeback Mountain" bei der Verleihung 2006 gewonnen, für das beste adaptierte Drehbuch, für die beste Filmmusik und die beste Regie. Dass es zum Entsetzen der meisten Beobachter nicht den Preis für den besten Film gab, und stattdessen "L. A. Crash" von Paul Haggis gewann, darf bis heute als Skandal gelten und womöglich als Beleg dafür, dass die alten, grauen Herren der Academy sich damals lieber noch nicht zu sehr mit einem Film über zwei sich liebende Männer auseinandersetzen mochten.

Tröstlich vielleicht, dass gerade "Brokeback Mountain" den Grundstein gelegt haben könnte, für die Zeit, in der das mal anders sein sollte. Doch auch ohne den Haupt-Oscar hat dieser Film weltweit Millionen Besucher in den Kinos zum Weinen gebracht und knapp 180 Millionen Dollar eingespielt, bis eben jeder wusste, ja genau, das ist eben der Film mit den schwulen Cowboys.

Dass Jack und Ennis eigentlich Schafe und keine Kühe hüten - was soll's.



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