DVD-Edition "Große Kinomomente" Die Hölle, das sind die Frauen

Ein Mann ist ermordet worden, "8 Frauen" sind verdächtig - welche war's? Mit viel Lust am Kitsch verbeugt sich Regisseur François Ozon mit seinem Krimimusical vor den Musikkomödien und Melodramen der Fünfziger - und vor deren Leinwandgöttinnen.

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Die Konstellation ist klassisch: In einem einsamen Landhaus sind acht Frauen und ein Mann eingeschneit - und plötzlich ist der Mann tot, ermordet. Wer ist es gewesen? Eine der acht, so viel scheint klar, also sind alle acht verdächtig, aber nicht nur das: Alle acht haben tatsächlich ein Geheimnis und ein Motiv, und so belauern sie sich gegenseitig. Die Hölle, das sind die Frauen, in dieser geschlossenen Gesellschaft. Ein Club der Teufelinnen.

Szene aus "8 Frauen": Feuerwerk der Filmzitate
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Szene aus "8 Frauen": Feuerwerk der Filmzitate

François Ozon hat das Krimimusical "8 Frauen" einem französischen Boulevardstück entlehnt, aber ebenso gut könnte es eine Geschichte von Agatha Christie sein. Käme als neunte Frau Miss Marple zur Tür herein, würde sich wohl keiner wundern. So aber müssen die Verdächtigen den Fall alleine lösen, ohne ein neutrales Kombinationsgenie. Am Ende findet man den Film dennoch intelligent, und zwar, weil er einen so intelligent gelinkt hat. Versprochen.

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Dabei ist die Kriminalgeschichte kaum mehr als ein Vorwand für einen brillanten Film über die Filmgeschichte: Ozon lässt "8 Frauen" in den Fünfzigern spielen, und zwar so, wie Regiekollegen in den Fünfzigern es getan hätten. Mit viel Lust am Kitsch nämlich, mit bonbonbunten Bildern in kulissenhaften Kulissen. Die artifizielle Ästhetik erinnert an ein anderes Kammerspiel Ozons: "Tropfen auf heiße Steine" inszenierte er ebenfalls in einem bühnenartigen Dekor, jedoch in einem der späten Sechziger. Mit der Fassbinder-Adaption verneigte Ozon sich vor einem Filmemacher, mit "8 Frauen" verneigt er sich vor einer Filmepoche: vor den Musikkomödien und Melodramen der Fünfziger, vor allem vor deren Leinwandgöttinnen. Die heutigen Stars des französischen Kinos zitieren die früheren Stars und obendrein zitieren sie sich selbst.

Es ist eine unglaublich prominente Phalanx, die Ozon rund um die riesige Treppe der Eingangshalle, eine Art Showtreppe, aufmarschieren lässt: Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart, Fanny Ardant, Danielle Darrieux, Firmine Richard, Virginie Ledoyen und natürlich seine Muse Ludivine Sagnier, hier einmal burschikos statt lasziv. Wie es ihnen gebührt, bekommt jede der acht einen Soloauftritt, allerdings als Musical-Sängerin, was natürlich völlig absurd ist während einer mordsspannenden Ermittlung - und eben deshalb die Parodie perfekt macht. Die deutsche Synchronisation fügt dem eine weitere Facette hinzu, indem sie auf prominente Schauspielerinnen wie Senta Berger, Hannelore Elsner und Katja Riemann setzt - ein noch größeres Feuerwerk der Filmzitate. Bei der Berlinale gab es dafür einen Silbernen Bären.



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