"Rocketman" Film über Elton John in Russland zensiert

Wegen Szenen mit homosexuellen Handlungen ist der Film "Rocketman" über Elton John in Russland zensiert worden. Filmkritiker zeigen sich entsetzt. Auch der Musiker selbst meldet sich zu Wort.

Elton John bei der Filmpremiere in London: Der Rockstar äußerte immer wieder Kritik an den schwulenfeindlichen Gesetzen in Russland
Frank Augstein/AP

Elton John bei der Filmpremiere in London: Der Rockstar äußerte immer wieder Kritik an den schwulenfeindlichen Gesetzen in Russland


"Rocketman" ist dem Kinopublikum in Russland angeblich nicht zuzumuten: Wie Journalisten in Russland nach einer Vorpremiere am Freitag berichten, wurde die russische Version des Films über Elton John zensiert.

"Alle Szenen mit Küssen, Sex und Oralsex zwischen Männern wurden herausgeschnitten", schrieb Filmkritiker Anton Dolin auf Facebook. Laut seinem Kollegen Mischa Kosyrew fielen auch Szenen, in denen Drogen vorkommen, der Zensur zum Opfer.

"Rocketman" zeigt den Kampf des britischen Popstars mit seiner Drogen- und Alkoholabhängigkeit, auch seine Homosexualität ist selbstverständlich Thema. Der Film feierte am 16. Mai beim Filmfestival von Cannes Premiere und soll kommende Woche in die russischen Kinos kommen.

David Appleby / Paramount

Kulturminister Wladimir Medinski sagte der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti, sein Ministerium habe mit den Änderungen nicht zu tun. "Das alles liegt in der Entscheidung des Vertreibers."

Die Vertriebsfirma Central Partnership teilte der russischen Nachrichtenagentur TASS lediglich mit, der Film sei entsprechend der russischen Gesetze "angepasst" worden.

Ein umstrittenes Gesetz in Russland stellt seit 2013 die "Propagierung" homosexueller Beziehungen gegenüber Minderjährigen unter Strafe. Für "Rocketman" gilt allerdings ohnehin ein Mindestalter von 18 Jahren in Russland. Andere Filme mit homosexuellen Inhalten wie etwa "Bohemian Rhapsody" über Rockstar Freddie Mercury liefen in russischen Kinos unzensiert. Allerdings wurde dieser Film wegen seiner Szenen mit homosexuellen Handlungen in China zensiert.

In Russland wurde laut Kritiker Dolin auch der Text im Abspann von "Rocketman" geändert. Im Original erfahren die Zuschauer, dass Elton John schließlich doch noch seine große Liebe findet und mit seinem Partner zwei Kinder großzieht. In der russischen Version heiße es nun lediglich, er habe eine Organisation für den Kampf gegen Aids gegründet.

Dolin schloss seinen Post auf Facebook über die Zensur mit den Worten: "Entschuldigung, Sir Elton."

Elton John ist in Russland sehr populär. Erstmals trat der heute 72-jährige Musiker 1979 und damit noch zu Sowjetzeiten dort auf. Die schwulenfeindlichen Gesetze in dem Land hat er immer wieder öffentlich kritisiert. Auch jetzt äußerte er sich in einem gemeinsamen Statement mit Paramount, der Produktionsgesellschaft des Films, kritisch über die Entscheidung in Russland: "Dass die lokale Vertriebsfirma dem Publikum die Möglichkeit verweigert, den Film in der beabsichtigten Form zu sehen, ist ein trauriges Spiegelbild der gespaltenen Welt, in der wir noch immer leben." Es sei grausam, die Liebe zwischen zwei Menschen nicht zu akzeptieren, teilten sie mit.

mal/AFP/AP



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steppenwolf81 31.05.2019
1. Konsequenz
Konsequent wäre gewesen, wenn Produktion (darunter Sir Elton John himself) und Regisseur dem örtlichen Verleih eine Änderung des Filmes in relevanten Aussagen, wie die im Abspann, untersagt hätten - oder schlichtweg Selbstboykott durchgeführt. Doch anscheinend muss der Rubel sprichwörtlich dennoch rollen. Und ganz so wichtig muss man Kunst oder dieses Gleichstellungsgedöns dann wohl nicht nehmen. Das Rückgrat ist bekanntlich flexibel. Nein, die überhöhte Diva kann und wird nicht mein Vorbild. Schlimm ist die Misshandlung Homosexueller, deren Ausgrenzung aus Gesellschaft, körperliche Verfolgung und Ermordung allerdings nicht nur in Russland. Diese Dinge sind weltweit betrachtet immer noch Norm, und daran wird der Hochglanzschinken nichts ändern, wenn er sich breitbeinig kastrieren lässt.
m.klagge 31.05.2019
2. Echt jetzt? Filmkritiker zeigen sich entsetzt?
Das ist natürlich ein Beben in der Szene der professionellen und kulturell beleckten Egomanen. Angebracht wäre wohl eher eine Reaktion der Demokraten und aufgeklärten Humanisten. Aber die existieren nur noch in einem theoretischen Parallel-Universum. Die real existierenden Anhänger Mammons dagegen üben sich brav in Selbstkontrolle und spekulieren auf weitere Einnahmen. Merke: Wer keine Werte hat, kann ganz ungeniert kassieren. Vulgo auch Maxime Trump genannt.
willi1900 31.05.2019
3. Elton John Schwul? Na und
Aber das man Sexuelle Handlungen im Film zeigen muss, halte ich für unnötig. Ehrlich gesagt, das mir anzuschauen im Film würds bei mir Ekel hervorrufen. Habe wirklich nichts gegen Schwule und toleriere das auch, aber das geht schon zu weit. Warum versucht man mit allen Mitteln Homosexualität Salonfähig zu machen, was steckt wohl dahinter? Ein Schelm def...
nofreemen 31.05.2019
4.
Warum homosexualität als "Liebe" dargestellt wird ist mir ein Rätsel. Liebe hat mit Sex wenig zu tun. Insofern ist die Russische Zensur vertretbar. Privat kann ja jeder machen was er will und das ist gut so.
eichenbohle 01.06.2019
5. Wo ist das Problem?
Weil es hier mal öffentlich die Russen sind, die Sequenzen bzw. Szenen zensieren? Gehört doch zum Alltag in vielen Ländern. Die Amis schnippeln besonders gern auch solche Sexszenen in US Filmen für den US Markt heraus und verkaufen die ungestutzten Versionen ins Ausland. Und je nach dem, in welchem Land man mit Inhalten, politischen, religiösen, moralischen,... Aussagen kollidiert, wird rausgeschnitten. Manchmal, wie in D, wird entschärfend oder fälschend synchronisiert. Sogar nachträglich, obwohl der Film schon vorher jahrelang in D gelaufen ist. "Diese führen einen nicht autorisierten Artillerie-Angriff mit chemischen Waffen (Nowitschok – seit Sommer/Herbst 2018 in deutscher Übersetzung; in Original sowie in deutscher Übersetzung vor Sommer/Herbst 2018 war Nowitschok nicht erwähnt) auf die tschetschenische Hauptstadt Grosny durch." https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Anschlag_(2002) Nazifilme stehen seit 70-80 Jahre bis heute auf dem Index, als wenn die Nachkriegsgenerationen zu dämlich währen die Filme geschichtlich einzuordnen. Ostblockfilme, Dokumentationen und Reportagen, besonders aus der DDR kamen in den Giftschrank und liegen dort bis heute. Manches konnte man sich Jahrzehnte später in kleinen Studiokinos ansehen. http://www.bpb.de/apuz/32270/zensur-von-defa-filmen-in-der-bundesrepublik?p=all Und bei vielen Filmen und sogenannten Blockbustern gibt es in D geschnittene (privat TV) 20:15 Uhr Versionen und etwas längere Nachtversionen - aber immer noch kürzer als Kino oder DVD Versionen. Und hätten Kritiker gern komplettverboten gesehen - aus religiösen Gründen - nein, nicht in Saudi-Arabien sonder in Europa, wie "Das Leben des Brain" oder "Die Passion Christi". Nur als kurze Beispiele.
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