Die besten Jane-Austen-Filme Hach, Mr Knightley!

Mit "Emma" kommt eine neue Jane-Austen-Adaption in die Kinos. Fans wissen: Es ist nicht die erste. Hier sind unsere liebsten.
Anya Taylor-Joy ist die neue freche, altkluge, unbequeme "Emma" - die Kinoversion des Jane-Austen-Klassikers kommt nun ins Kino - und lohnt sich sehr.

Anya Taylor-Joy ist die neue freche, altkluge, unbequeme "Emma" - die Kinoversion des Jane-Austen-Klassikers kommt nun ins Kino - und lohnt sich sehr.

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Universal Pictures

"Emma", Regie: Autumn de Wilde, 2020, jetzt im Kino

Die aktuelle Adaption: Emma (Anya Taylor-Joy) ist klug, witzig, ziemlich frech und, klar, ungewöhnlich schön. Emma weiß das. Und alle anderen wissen es auch. Weil ihr sowieso keiner das Wasser reichen kann (und weil sie reich ist, vor allem deswegen wahrscheinlich), pfeift sie darauf, sich an einen Mann zu binden: "Ich suche keinen Reichtum, kein Ansehen, keine Anstellung und keinen Haushalt." Stattdessen sucht und findet sie für andere. Das klappt leider nicht immer so gut - und auch wenn sie selbst keine Heirat anstrebt, gibt es natürlich trotzdem jemanden, in den sie sich verliebt. Ob es klappt? Jane-Austen-Fans wissen: Happy End gibt's ganz zum Schluss.

Die "Emma" von Regisseurin Autumn de Wilde darf unbequem und fehlbar sein, hart im Urteil und so scharfzüngig, dass sie immer wieder aneckt. Sehenswert ist diese "Emma" auch, weil de Wilde den Stoff nicht als Romanze inszeniert, sondern so, wie Austen ihn anlegte: als boshafte Gesellschaftssatire. Immer wieder wird vor Langeweile gegähnt und theatralisch ausgeatmet, während die Kamera in hellen, symmetrischen Bildern die unnötig riesigen Anwesen und fußballfeldgroßen Salons einfängt. Das zeigt: Ohne Besitz geht in dieser hierarchischen Gesellschaft nichts - mit aber halt auch nicht sonderlich viel.

Harriet Smith (Mia Goth) und Emma Woodhouse (Anya Taylor-Joy)

Harriet Smith (Mia Goth) und Emma Woodhouse (Anya Taylor-Joy)

Foto: Liam Daniel/ Universal Pictures

"Stolz und Vorurteil", Regie: Joe Wright, 2005

Wem Jane-Austen-Filme generell zu romantisch sind, überfrachtet mit Prunk und Bällen, der sollte sich diese Adaption des wohl populärsten Werks von Austen ansehen. Weil Joe Wright das Leben der Bennets mit viel dampfendem Nebel, Klaviermusik und Kamerafahrten über zerklüftete Landschaften gespickt hat. Weil Keira Knightley für ihre Interpretation der wilden, klugen, selbstbewussten Elizabeth Bennet eine Oscar-Nominierung erhielt. Und weil der Film deutlich zeigt, wie wenig romantisch das Leben im 18. und 19. Jahrhundert für Frauen tatsächlich war: Ökonomische Sicherheit bot nur die Ehe mit einem möglichst solventen Junggesellen, Gefühle waren (meistens) Nebensache.

Wie schmerzhaft das alles ist, erklärt eine Freundin der Bennet-Schwestern, als sie ihre Verlobung mit einem wirklich schrecklichen Typen rechtfertigt: "Nicht allen ist das Glück vergönnt, auf die Liebe setzen zu können. Mir wird ein schönes Heim geboten, und ich bin abgesichert. Ich bin 27 Jahre alt, ich habe kein Vermögen und keine Perspektiven, meinen Eltern beginne ich bereits zur Last zu fallen, und ich habe Angst."

Keira Knightley als stolze, selbstbewusste Elizabeth Bennet

Keira Knightley als stolze, selbstbewusste Elizabeth Bennet

Foto: ddp images

"Stolz und Vorurteil", BBC, Regie: Simon Langton, 1995

Ja, richtig gesehen, auf dieser Liste steht schon wieder "Stolz und Vorurteil". Schieben Sie das nicht auf eine Parteinahme durch die Autorin - es gibt einfach verdammt viele Adaptionen dieses berühmten Stoffes. Wenn die BBC urenglische Stoffe bespielt, ist das ja meistens ein Glücksgriff (siehe auch "Sturmhöhe"). Pathos wird entstaubt, Konflikte werden freigelegt. So auch in dieser Mini-Serie. Auf der Liste ist Simon Langtons Inszenierung allerdings, weil Colin Firth Darstellung des hochmütigen Mr. Darcy so populär ist wie die Erzählung selbst. Vor einigen Jahren ließen die Briten sogar ein 3,70 Meter großes Abbild Firths aus dem See des Londoner Hyde Park ragen. Warum? Weil der aus einem See steigende Firth zum Sinnbild der Austen-Erotik wurde: Er war klatschnass, behielt sein weißes Hemd aber an. Damit Sie den Hype verstehen können, sehen Sie sich diese wichtigste Szene an. Der Ausschnitt wurde auf YouTube über sieben Millionen Mal aufgerufen (nicht nur aus der SPIEGEL-Redaktion, ganz sicher).

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"Sinn und Sinnlichkeit", Regie: Ang Lee, 1995

Vermutlich kennen Sie diese Jane-Austen-Verfilmung: "Sinn und Sinnlichkeit" war sieben Mal für den Oscar nominiert, bekommen hat ihn schließlich Emma Thompson für das Drehbuch. Das galt sehr lange als nicht verfilmbar. Thompson hat die Vorlage jedoch so sensibel bearbeitet, dass sich die Annahme als Vorurteil erwies. Heute ist Ang Lees Film auch wegen des Ensembles unbedingt sehenswert: Thompson selbst spielt die kluge, zurückhaltende Elinor Dashwood, Kate Winslet ihre Schwester, die leidenschaftliche, romantische Marianne. Hugh Grant stolpert in Stiefeln als Love Interest von Thompsons Elinor durch die Täler, Alan Rickman (!!!) als der eher zurückhaltende, väterliche Retter von Winslets Marianne. Wer sich noch mal in die 1995er-Version des frühen 19. Jahrhunderts hineinversetzen will, wird bei Netflix fündig.

Edward (Hugh Grant) und Elinor (Emma Thompson) verlieben sich

Edward (Hugh Grant) und Elinor (Emma Thompson) verlieben sich

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"Stolz und Vorurteil und Zombies", Regie: Burr Steers, 2016

Die Welt von Jane Austen kann auch ziemlich langweilig sein, was es meist viel gibt: Bälle, Korsetts und öde Konversationen, wenn man sich im Salon mal wieder nichts zu berichten weiß. Außerdem ist diese Gesellschaft hierarchisch, patriarchal und ausbeuterisch gegenüber allen, die nicht weiß, männlich, heterosexuell und besitzend sind. Wer sich wünscht, dass diesen Aristokraten mal in den Allerwertesten gebissen wird, sollte "Stolz und Vorteil und Zombies" ansehen. (Lesen Sie hier eine ausführliche Kritik)

Als Zombies Bälle stürmen, müssen die fünf Bennet-Schwestern zeigen, was sie neben Tanzen, Klavier, Kunst und Konversation sonst noch so drauf haben. Gut, dass Liz (Lily James) die Kampfkunst der Shaolin beherrscht und sich weder von Männern noch von Zombies etwas sagen lässt. Wem "Stolz und Vorteil", obschon sehr feministisch für das frühere Jahrhundert, nicht revolutionär genug ist, der sollte bei Amazon Prime Video den Splatterfilm von Burr Steers ansehen. Hier trifft Jane Austen auf Quentin Tarantino.

"Lost in Austen", Regie: Dan Zeff, 2008

Amanda (Jemima Rooper) ist ein ziemlicher Jane-Austen-Fan: Hat sie Zeit, vergräbt sie sich sofort in "Stolz und Vorurteil". Ihre Welt, die Gegenwart von 2009, scheint ihr so viel profaner, die Männer so viel einfältiger. Wie schön wäre es, in dieser Romanwelt zu leben! Diesen Gedanken kennen vermutlich einige Jane-Austen-Fans. Bisher hatte bloß noch niemand die Gelegenheit, das zu überprüfen. Amanda schon: In Ihrer Badewanne steht plötzlich Elizabeth Bennet, Titelheldin aus eben jenem Roman, den sie so liebt.

Die beiden tauschen die Leben. Und plötzlich muss sich Amanda im England des 19. Jahrhunderts die Zähne mit Birkenzweigen putzen (echt, die Zahnbürste ging erst über ein Jahrhundert später in Massenproduktion). Die vierteilige Miniserie "Lost in Austen" ist bei Amazon Prime Video zu sehen. Wer schon mal davon geträumt hat, in die Austen-Welt zu fliehen, wird sich wiederfinden.

Liebt Jane Austen so sehr, bis sie selbst Teil ihrer Welt wird: Amanda (Jemima Rooper)

Liebt Jane Austen so sehr, bis sie selbst Teil ihrer Welt wird: Amanda (Jemima Rooper)

Foto: ddp images

"Geliebte Jane", Regie: Julian Jarrold, 2007

Wie war eigentlich Jane Austen selbst so drauf? Das fragen sich die Fans der Autorin vermutlich seit ziemlich langer Zeit. Julian Jarrold hat sich mit "Geliebte Jane" schließlich an einer filmischen Antwort versucht. Darin schlüpft Anne Hathaway in die Rolle der jungen Autorin, die sich verliebt, leider bloß in keinen reichen Erben (sondern in James McAvoys Mr. Lefroy). Dass das Anfang des 19. Jahrhunderts keine gute Voraussetzung für Glück war, sollte nun, siehe oben, klar sein. Jane lehnt den Antrag und die Liebe schließlich ab. Stattdessen schreibt sie, über Selbstbestimmung, Emanzipation, Gleichberechtigung in der Partnerschaft und, klar, die Liebe.

Die echte Jane Austen heiratete übrigens auch nie, einen Heiratsantrag schlug sie aus, stattdessen war sie von der Gunst ihrer Verwandten abhängig. Austen begann sehr früh mit dem Schreiben und veröffentlichte 1811 unter einem Pseudonym ihr Debüt, "Sinn und Sinnlichkeit". Wenig später folgte "Stolz und Vorurteil".

Jane (Anne Hathaway) schreibt

Jane (Anne Hathaway) schreibt

Foto: ddp images