Entschieden Hannibal beißt erst ab 18

Stiftet "Hannibal" zum Kannibalismus an? Politiker distanzieren sich, Eltern sind schockiert. Jetzt wird der Film mit Anthony Hopkins erst ab 18 Jahren freigegeben.

Wiesbaden - Den US-Horrorthriller "Hannibal" mit Gruselspezialist Anthony Hopkins ("Das Schweigen der Lämmer") dürfen in Deutschland nur Erwachsene sehen. Der Berufungsausschuss der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) in Wiesbaden verweigerte dem Film am Dienstag nach heftiger interner Diskussion die Freigabe ab 16 Jahren. Die Fortsetzung von "Das Schweigen der Lämmer" kommt am Donnerstag in die deutschen Kinos.

Der Film enthalte vier "Gräuelszenen" mit sehr starken Bildern, die sich in den Köpfen emotional empfindlicher Zuschauer verselbstständigen könnten, begründete der Ausschussvorsitzende Hermann Dettbarn die Entscheidung. Außerdem werde die bösartige Hauptfigur viel zu attraktiv, als intellektuell überlegener Alleskönner beschrieben. Den Jugendlichen werde damit eine "tragfähige Distanzierung" vom kannibalistischen "Dr. Hannibal Lecter" unmöglich gemacht. Die Entscheidung sei umstritten gewesen und nicht einstimmig ausgefallen, denn ästhetisch sei der Film "mit allen Wassern gewaschen", meinte Dettbarn.

In den USA hatte er - bei Freigabe ab 17 Jahren - mit umgerechnet 122 Millionen Mark in drei Tagen einen Einspielrekord erreicht.

Anders als sein Oscar-gekrönter Vorgänger "Das Schweigen der Lämmer" von Jonathan Demme zeigt "Hannibal" explizite Gewaltszenen. War im "Schweigen" der Horror weitgehend der Fantasie des Zuschauers überlassen oder stilisiert dargestellt worden, geht es in "Hannibal" äußerst brutal zur Sache. Bayerns Innenminister Günther Beckstein nannte es in der "Bild"- Zeitung "unerträglich, dass durch solche Filme alle möglichen Psychopathen inspiriert werden". Die Vorsitzende des Bundestags- Kultur-Ausschusses, Monika Griefahn (SPD), warnte vor "Brutalität als Selbstzweck", dem "letzten Aufbäumen einer ideenlosen Macho- Generation" und auch Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) distanzierte sich von "diesen grässlichen Szenen".

Die Sperrung für Jugendliche werde wohl kaum zu Millioneneinbußen führen, meinte Dettbarn. Indizierungen brächten erfahrungsgemäß immer auch einen Werbeeffekt. Der Hamburger Medienpsychologe sagte, Jugendliche und junge Erwachsene besuchten Skandalfilme oft als regelrechte Mutprobe. "Da geht es darum: Wie lange halte ich es durch." "Hannibal"-Produzent Dino De Laurentiis äußerte sich bei der Deutschland-Premiere bei den Berliner Filmfestspielen hoch zufrieden. Mit einem derart großen Zuschauerinteresse habe er nie gerechnet. Jetzt werde schon über eine weitere Fortsetzung nachgedacht.

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