Erkan und Stefan Krasse Döner-Philosophen

Das Münchner Comedy-Duo hat seinen ersten Kinofilm "Erkan und Stefan" gedreht. Ein Gespräch über tiefergelegte Kameras, Goethe und überlange Sexszenen.
Von Sven Siedenberg

SPIEGEL ONLINE:

Zunächst bitte einen vollständigen Satz ohne das Wort "krass"!

Stefan: Unser neuer Kinofilm macht konkret Druck.

Erkan: Ist fett stabil.

SPIEGEL ONLINE: Warum sprecht Ihr eigentlich immer in diesem Prolo-Slang?

Erkan: Das ist halt so.

Stefan: Ist auch voll spannend. Denn Sprache tut sich zur Zeit sehr verändern. Ist beeinflusst von MTV, von HipHop, von Internet, von verschiedenen Kulturen. Das ist jetzt in Deutschland wie in Amerika, dass sich Jugendsprache entwickeln tut und deutschlandweites Phänomen ist. Unsere Sprache tut sich auch immer entwickeln.

SPIEGEL ONLINE: Tatsächlich?

Erkan: Klar. Wir haben zum Beispiel eigenes Wort erfunden.

SPIEGEL ONLINE: Welches?

Stefan: Brontal. Das ist eine Entwicklung aus Frontal, brutal und total. So sagst du praktisch drei Wörter auf einmal, bist dreimal so schnell. Das ist Wort-Tai-Chi.

Erkan: Wir werden immer schneller. Stefan Raab sagt mittlerweile auch immer "Respekt". Das tun ja nicht nur wir benutzen, das passiert zeitgleich, das ist Feeling.

SPIEGEL ONLINE: Seid Ihr die Avantgarde des Proleten-Slangs?

Stefan: Ich würd's nicht Proletenslang nennen. Das ist kein schönes Wort. Es gibt bei uns in München auch reiche Gegenden wie Solln oder Grünwald. Und die Kinder, wo die Eltern krass Ärzte oder Rechtsanwälte sind, die checken auch mit ihrem Skateboard in die Stadt und reden da auch so, weil das einfach cooler ist.

Erkan: Ist lässige Sprache. Da versteht man sich gleich. Die Leute denken immer: Oh, wie reden die, die machen die Sprache kaputt. Das stimmt nicht. Nimm ein Buch von dem Kollegen Goethe.

Stefan: Das ist der, der hat bei Monopoly auch Straße.

Erkan: Hat mir mal jemand vorgelesen, wie der geschrieben hat. Alter, das verstehst du nicht! Voll krasse Sprache. Und wenn der dich reden hört, wie du meinst, dass du mal richtig Deutsch reden tust, der schüttelt den Kopf. Ich schwör dir: In zwanzig Jahren hörst du uns reden und sagst dir: Ey, die haben doch ganz normal geredet.

SPIEGEL ONLINE: In Eurem ersten Film richtet Ihr laut Selbstauskunft, das größte Chaos an, das es seit dem Feldzug der Römer in Westeuropa gegeben hat."

Stefan: Es ist halt ein voll abgefahrener Action-Film mit tiefergelegter Kamera. Wir zentrieren ordentlich Druck auf die Leinwand, haben krasse Pyrotechnik am Start und alle Stunts selber gemacht.

Erkan: Und wir kämpfen für das Gute.

SPIEGEL ONLINE: Was für eine Geschichte erzählt Ihr denn?

Erkan: Ist Action-Bodyguard-Geschichte.

Stefan: Es geht darum: Wie schaffen es zwei Checker, krass über sich selbst hinauszuwachsen und am Schluss das Bunny zu retten.

Erkan: Und den brontalen Weltfrieden noch dazu.

Stefan: Genau.

SPIEGEL ONLINE: Hättet Ihr auf die Geschichte nicht verzichten können? Bruce-Lee-Filme kommen auch ohne Rahmenhandlung aus...

Erkan: Glaube nicht. Die Dosis ist es. 90 Minuten nur krass Laberei ohne Handlung, das hätte nicht funktioniert.

Stefan: Der Film sollte auch scharfe Sexualszenen haben.

Erkan: Die wurden rausgeschnitten wegen Überlänge.

Stefan: Aber wenn Du brauchst, ich kann dir "directors cut" besorgen.

SPIEGEL ONLINE: Danke, gerne. Nennt vorher noch schnell drei Gründe, warum man Euren super krassen Film gesehen haben muss.

Stefan: Weil es der lustigste deutsche krasse Kinofilm ist, den es seit langem gegeben hat.

Erkan: Weil unsere Sprache krass ansteckend ist und du dir mit der Sprache überall Freunde machst.

Erkan: Der dritte Grund ist, dass wir im Juni ein eigenes Bonanza-Fahrrad auf den Markt bringen.

Stefan: Und danach kommt unser Dönerführer heraus.

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