Europäischer Filmpreis Triumph für "Dancer In The Dark"

Die Medien zeigten sich ignorant und vom Glamour einer "Oscar-Verleihung" konnte immer noch keine Rede sein: Bei der 13. Filmpreis-Verleihung in Paris feierte sich das europäische Kino wieder einmal selbst.

Paris - Großer Gewinner bei der Vergabe der diesjährigen Europäischen Filmpreise in Paris war der dänische Regisseur Lars von Trier. Bei einer Gala am Eiffelturm wurde sein Musical-Melodram "Dancer in the Dark" als bester Film des Jahres mit dem Europäischen Filmpreis 2000 ausgezeichnet. Der 44-Jährige und seine Hauptdarstellerin, die isländische Sängerin Björk, 35, gewannen auch die Publikumspreise. Björk wurde zudem als beste europäische Schauspielerin geehrt, ihr Landsmann Ingvar E. Sigurdsson bekam den Publikumspreis als bester Schauspieler.

Die deutschen Nominierten - die Schauspielerin Bibiana Beglau, die Regisseure Veit Helmer und Vanessa Jopp sowie Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase - gingen allesamt leer aus.

Von Trier - der ebenso wie Björk bei der Gala nicht anwesend war - gewann mit seiner unverwechselbaren Filmtechnik schon zum zweiten Mal den Europäischen Filmpreis. Der Initiator der "Dogma"-Schule hatte die Trophäe bereits 1996 für seinen dramatischen Liebesfilm "Breaking The Waves" bekommen. "Dancer in the Dark" hatte auch im vergangenen Mai die Goldene Palme beim Filmfestival in Cannes gewonnen.

Als bester europäischer Schauspieler wurde der Spanier Sergi López für seine Rolle in dem französischen Film "Harry, un ami qui vous veut du bien" ("Harry meint es gut mit dir") prämiert. Einen Preis für sein Lebenswerk erhielt der in Irland geborene Schauspieler Richard Harris, 67. Harris wurde mit lang anhaltendem Applaus vom Publikum bedacht. Er sorgte mit einer etwas konfus wirkenden Rede allerdings für Verwirrung, als er ankündigte, sich kurz halten zu müssen, da er dringend auf die Toilette müsste.

Für ihren "europäischen Beitrag zum Weltkino" wurden der italienische Oscar-Preisträger Roberto Benigni, 48, ("Das Leben ist schön") und der Franzose Jean Reno, 52, geehrt. Den Fassbinder-Preis für die "Europäische Entdeckung des Jahres" erhielt der Franzose Laurent Cantet für seinen Streifen "Ressources Humaines". Für das beste Drehbuch wurden die Franzosen Agnes Jaoui und Jean-Pierre Bacri für "Le gout des autres" ("Lust auf Anderes") ausgezeichnet. Den Kamerapreis gewann der Spanier Vittorio Storaro für "Goya en Burdeos" ("Goya in Bordeaux"). Den Europäischen Preis der Filmkritik erhielt der türkische Streifen "Mayis Sikintisi" ("Wolken im Mai") von Nuri Bilge Ceylan. Bester nichteuropäischer Film wurde "In The Mood For Love" des Hongkong-Regisseurs Wong Kar-wai.

Die Gala im Chaillot-Theater war von dem deutschen Regisseur Wim Wenders als Präsidenten der Europäischen Filmakademie (Berlin) und Frankreichs Kulturministerin Catherine Tasca eröffnet worden. Die Veranstaltung - die sich als Europas Antwort auf Hollywoods "Oscar"-Filmpreise versteht - litt nicht nur unter dem Fehlen der wichtigsten Preisträger. Mit Ausnahme des französischen Pay-TV-Senders Canal plus, der die Veranstaltung live übertrug, ignorierten die meisten großen Medien in Frankreich das Ereignis am Wochenende oder äußerten sich negativ. In Deutschland wurde die Gala am Samstag überhaupt nicht übertragen.

Die Zeitung "Le Parisien" tat die Verleihung als "belanglos" ab und monierte, die Stimmung bei der Gala sei so lustig wie in einem Mausoleum gewesen. "Sie wollte ein Schlaglicht auf die kulturelle Unterschiedlichkeit des europäischen Kinos werfen, hat sie aber schlicht und einfach zum Erlöschen gebracht. Die nicht immer von gutem Geschmack rührenden Einspritzer an Humor haben dabei nicht geholfen." Bei der Gala sollte die Vielschichtigkeit des europäischen Films unter anderem mit Szenen aus Sex-Filmen belegt werden.

Ralf E. Krüger, dpa