Star-Latina Eva Mendes "Ich will raus aus der Glamour-Kiste"

Edles Make-up. Teure Kleider. Und Modeljobs für Calvin Klein. Eva Mendes will weg vom Kleiderständer-Image. Nun spielt sie eine junge Mutter in "The Place Beyond the Pines". Im Interview erzählt sie von Latina-Klischees, Bad Boys und Amerikas armen Seelen.

Studiocanal

SPIEGEL ONLINE: Mrs. Mendes, in "The Place Beyond the Pines" spielen Sie eine Kleinstadt-Kellnerin, die auf den falschen Mann hereinfällt. Ziemlich unglamourös. War das ein bewusster Bruch mit Ihrem Image?

Eva Mendes: Ich staune immer wieder, wie viele Leute bei mir an Glamour denken. Mag sein, dass ich durch meine Werbekampagnen nicht ganz unschuldig bin an diesem Bild. Doch ich habe auch in vielen Filmen mitgespielt, in denen ich ohne Make-up vor der Kamera stand. "Training Day", um nur einen zu nennen. Außerdem suche ich immer auch nach Figuren, die anders sind als all die, die ich zuvor gespielt habe. Ich will raus aus der Glamour-Kiste.

SPIEGEL ONLINE: Und wie macht man das?

Mendes: Ich gehe schon seit Jahren nicht mehr zu Castings. Aber immer, wenn mich ein Film umhaut, will ich mit dem Regisseur zusammenarbeiten. Und als ich Derek Cianfrances "Blue Valentine" sah, wusste ich: Das ist dein Mann! Natürlich muss es auch eine passende Rolle geben. Als mich Derek um Probeaufnahmen bat, zögerte ich keine Sekunde.

SPIEGEL ONLINE: Wie lief es an?

Mendes: Derek besetzt nicht nach prominenten Namen, sondern verbringt erst mal viel Zeit mit potentiellen Schauspielern. Er will Vertrauen zu ihnen aufbauen. Wir sind ein paar Stunden durch Los Angeles gefahren, um uns besser kennenzulernen. Ich habe ihm die Gegend gezeigt, in der ich aufgewachsen bin und die Restaurants, in denen ich kellnerte. Derek lässt Schauspielern viel Freiheit.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Mendes: Er gibt dir alles, um deine Rolle auszufüllen. Als es etwa an der Zeit war, meine Mutter im Film zu besetzen, überließ er mir die Entscheidung. Ich fuhr also nach New York und arbeitete einen Tag mit den Bewerberinnen. Derek wollte die Aufnahmen von der Schauspielerin, für die ich mich entschieden hatte, nicht mal sehen. Er lernte die Frau erst am Drehtag kennen. Ganz ehrlich, so was hatte ich vorher aus ganz Hollywood noch nicht gehört.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben früher über Besetzungsklischees von Latina-Schauspielerinnen geklagt. Stoßen Sie heute noch an Grenzen?

Mendes: Inzwischen erkenne ich, ob bloße Dekoration gebraucht wird. Mit der sich verändernden demografischen Struktur in Amerika hat sich auch das Rollenspektrum verbreitert. Heute ist nichts mehr exotisch daran, eine Mexikanerin oder eine Kubanerin wie mich in Hauptrollen zu sehen. Trotzdem bleibt Qualität rar gesät.

SPIEGEL ONLINE: Als nächstes arbeiten Sie mit Ihrem Lebenspartner und "Pines"-Kollegen Ryan Gosling, der als Regisseur seinen Debütfilm dreht. Warum wechseln meist nur männliche Kollegen hinter die Kamera?

Mendes: Gute Frage. Ich selbst habe Projekte produziert und fühle mich in allen Bereichen des Filmemachens zu Hause. Doch es ist sehr schwer zu inszenieren. Auch Ryan hat im Stillen erst Jahre auf seinen Film hingearbeitet. Sollte es für Frauen eine unsichtbare Barriere geben, glaube ich, dass sie langsam fällt. Jodie Foster hat den Wechsel längst geschafft. Als Regisseurin ist Kathryn Bigelow für alle ein Vorbild. Ich schließe es auch nicht aus, selbst einmal hinter der Kamera zu stehen. Aber ich habe Zeit und muss noch mehr lernen. Ich bin ja überhaupt erst mit 23 Jahren zum Film gekommen. Bis heute nehme ich manchmal Schauspielunterricht, um mich nicht auf dem Erreichten auszuruhen.

SPIEGEL ONLINE: "The Place Beyond the Pines" erzählt von einem Mann, der sein Geld auf dem Jahrmarkt verdient. Warum lässt sich Ihre Figur als junge Mutter auf einen Drifter wie Goslings Figur ein? Sind Bad Boys tatsächlich unwiderstehlich?

Mendes: Ja, warum lässt sie diesen Motorrad-Typen in ihr Leben, nachdem er sie ein Jahr zuvor als Durchreisender geschwängert hat? Ich dachte, dass sie ihn doch sicher abwehren würde. Ein Schutzinstinkt als Mutter. Ich habe keine Kinder und habe deswegen einige Mütter befragt. Die meisten sagten mir, dass sie dem biologischen Vater eine Chance für eine Familie gegeben hätten. Allen Zweifeln zum Trotz. Es ist, als ob da ein natürliches Gesetz greift: Viele Frauen versuchen in dem Fall alles, um es mit dem Kindsvater zu schaffen.

SPIEGEL ONLINE: Im Film wird der Vater zum Bankräuber, um die Familie versorgen zu können. Wie weit würden Sie gehen?

Mendes: Es gibt theoretisch nichts, das ich nicht täte, um meine Mutter und Geschwister zu schützen. Und dass jemand in existentieller wirtschaftlicher Not auf kriminelle Ideen kommen kann, ist nur zu menschlich. Doch man muss verstehen, dass Verzweiflungstaten meist nur zu noch mehr Verzweiflung führen. Dramen wie in "The Place Beyond the Pines" finden täglich irgendwo in Amerika statt. Menschen bleiben auf der Strecke und schaffen es nicht mal als Meldung in die Zeitung. Da bleibt es auch in Hollywood Aufgabe des Kinos, überall in der Gesellschaft genauer hinzusehen.

Das Interview führte Roland Huschke



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js89 12.06.2013
1.
Guter Zweck und Peta. Denken Schauspieler eigentlich nicht nach, wenn Sie sich für Fotos, außerhalb vom Playboy, ausziehen?
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