Komödie "Everybody Wants Some!!" Brauchen Sie diese Filmkritik?

Als Kritikerin kann Hannah Pilarczyk eine Menge über Richard Linklaters Film "Everybody Want Some!!" sagen. Aber vor allem möchte sie wissen, was das bringt. Eine Frage an die Leser.
Komödie "Everybody Wants Some!!": Brauchen Sie diese Filmkritik?

Komödie "Everybody Wants Some!!": Brauchen Sie diese Filmkritik?

Foto: DDP/ Capital Pictures

Was lässt sich alles über "Everybody Wants Some!!" schreiben. Dass Richard Linklater einen Film gemacht hat, der mit dem direkten Vorläufer, dem epochalen "Boyhood", überhaupt nichts zu tun hat. Dass er dafür aber in engem Dialog mit anderen Filmen aus seiner langen Werkgeschichte steht. Dass er eine Art Fortsetzung im Geiste von Linklaters Durchbruchsfilm "Dazed and Confused" von 1993 ist.

Dass es sich wieder um einen Ensemblefilm handelt, der in der Vergangenheit angesiedelt ist und sich um eine entscheidende Phase im Leben junger Erwachsener in den USA statt in den Siebzigern jetzt eben in den Achtzigern und am Wochenende vor Uni-Beginn statt am letzten Tag vor den Sommerschulferien dreht.

Dass im Mittelpunkt des Ensembles der junge Jake (Blake Jenner) steht, der es wegen eines Baseball-Stipendiums an die Uni geschafft hat und nun in ein Haus voller anderer Baseball-Spieler zieht. Dass Linklater damit wieder eine autobiografische Begebenheit aufnimmt, da er selbst mit einem Baseball-Stipendium an die Uni kam und erst wegen eines Herzfehlers den Sport aufgab und sich der Literatur und dem Kino zuwendete.

Dass seine Hauptfigur Blake eine ähnliche Wandlung durchläuft, weil er sich nach einem Party- und Wettkampf-reichen Wochenende mit den WG-Genossen seiner neuen Freundin Beverly (Zoey Deutch) zuwendet, die ihm als Schauspielstudentin eine Welt jenseits männlichen Konkurrenzgebarens eröffnet.

Und was ließe sich, wenn man ins Detail und in die Analyse gehen wollte, noch Weiteres über "Everybody Wants Some!!" schreiben. Dass Linklater einen Bildungsroman in Form eines Erstsemesterpartywochenendes erzählt. Dass er sich damit wieder als das Bindeglied zwischen europäischem Autoren- und amerikanischem Independent-Kino erweist.

Dass er mit der Einheit von Zeit und Ort spielt, wie er es bereits in seinen meistbeachteten Filmen "Boyhood" und der "Before"-Trilogie getan hat. Dass er hier jedoch mit einer besonderen Konzentrierung der Geschichte auf nicht einmal drei Tage im Leben seiner Hauptfigur arbeitet.

Dass er die Künstlichkeit dieses Erzählansatzes kenntlich macht, indem er die Kostüme und Frisuren seiner Darsteller übertrieben prototypisch nach frühen Achtzigern aussehen lässt. Dass er selbiges auf der Ebene des Soundtracks wiederholt, indem er lauter Hits wie "My Sharona" von The Knack oder "Every 1's A Winner" von Hot Chocolate wie eine Best-of-Platte abspielt.

Fotostrecke

Feelgood-Komödie "Everybody Want Some!!": Was willst du?

Foto: DDP/ interTOPICS/ Entertainment Pictures/ eyevine

Das alles kann man schreiben. Allein: Der Film hat mir keine Freude bereitet. Ich habe das alles erkannt und dennoch nicht gelacht. Mich der Hauptfigur nicht nahe gefühlt. Ihre Konflikte nicht interessant gefunden. Die Ausstattung als plump und den Soundtrack als nervig empfunden.

Stattdessen hat mich dieser Film dazu gebracht, ganz grundlegend über die Aufgabe einer Filmkritik nachzudenken. Das soeben Angeführte ist die Summe des Wissen, das ich als halbwegs erfahrene Kritikerin und gut Vertraute mit dem Kino Richard Linklaters in den Film mitgebracht habe sowie die Erkenntnisse, die ich im Verlauf der Sichtung aus ihm gewonnen habe. Doch was nutzt das genau?

Einen ähnlichen Kenntnisstand kann man bei der durchschnittlichen Kinobesucherin, beim durchschnittlichen Kinobesucher nicht voraussetzen. Muss ich ihn als Kritikerin deshalb liefern? Auch wenn er nur das Wissen über den Film vergrößert, aber nicht den Spaß daran?

Hilft das Niederschreiben dieses ganzen Wissens dem Zuschauer dabei, den Film besser zu verstehen? Oder entsteht etwa der Eindruck, dass man einen Film nur als Experte richtig genießen kann - weil es so viel zu sehen, zu verstehen und zu interpretieren gibt?

Ich habe keine abgeschlossene Meinung dazu und würde mich sehr freuen, Ihre Gedanken, liebe Leserin, lieber Leser, dazu in den Kommentaren zu erfahren.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.