Produktplatzierungen im Kino Laf ju Orangina

Eine Burger-Filiale am Strand und ein Limonade-süchtiger Lehrer: Im neuen Blockbuster "Fack ju Göhte 2" sind gleich mehrere Marken und Produkte auffallend prominent platziert. Ist das eigentlich erlaubt?

Szene aus "Fack Ju Göhte 2": Die Limonade in der Mitte.
Constantin

Szene aus "Fack Ju Göhte 2": Die Limonade in der Mitte.

Von


Als Zeki Müller aufwacht, genehmigt er sich erst einmal einen Schluck Orangina. Zeki Müller ist der von Elyas M'Barek gespielte knackige Ex-Knacki und Aushilfslehrer in "Fack ju Göhte 2" - und Elyas M'Barek wirbt schon seit Längerem auf Plakaten für die Limonade.

Dass Zeki Müller Orangina trinkt, ergibt also Sinn. Zwar nicht im Film, aber in der Logik des Limonadenherstellers. Natürlich hänge die Produktplatzierung mit dem Engagement M'Bareks zusammen, teilt der Konzern auf Anfrage mit. Man habe eine Vereinbarung getroffen, das Produkt an solchen Stellen im Film zu platzieren, wo es passend und glaubwürdig sei. Die Kooperation sei von beiden Seiten initiiert worden, so der Konzern.

Wirklich passend und glaubwürdig ist der plötzliche Durst des Lehrers nach eine Limonade in der Aufwach-Szene aber nicht. Zeki Müller nimmt auf dem Flug nach Thailand versehentlich zu viele Schlaftabletten. Als er schließlich im Fußraum eines abgeranzten Busses aufwacht, sind seine Schüler längst ins Bangkoker Nachtleben verschwunden. Darauf erst mal eine Limo?

Burger-Restaurant am Traumstrand

Später im Film transportiert "Fuck ju Göhte 2" die Markenbotschaft eines weiteren Konzerns: McDonald's. Eine thailändische Waisenkinderbande hilft Zeki Müller beim Bergen seiner Diamantenbeute, weil er ihnen Gutscheine für das Fast-Food-Restaurant verspricht.

Dem Einlösen dieses Versprechens wird gar eine eigene Szene gewidmet. In einer malerischen McDonald's-Filiale am Traumstrand kommen die Waisenkinder an ihr McMenü - und die Proll-Schüler auf großherzige Gedanken. Ob man nicht mit einem Teil der Diamanten ein Waisenhaus finanzieren könnte? Selbst der sonst so harte Zeki Müller wirkt berührt. Emotionaler Höhepunkt: Ein Waisenkind reicht dem Ex-Knacki ein Chicken McNugget.

Unsere Rezension zu "Fack ju Göhte 2"
Constantin Film arbeitet seit einigen Jahren immer wieder mit McDonald's zusammen, auch beim ersten Teil von "Fack ju Göhte". Im Gegenzug für Produktplatzierungen wirbt die Fastfood-Kette für die Filme - zum Beispiel auf Tablett-Auflegern oder mit Facebook-Postings.

Ob und inwiefern die Marketingkooperationen das Drehbuch beeinflussen, wollte Constantin Film auf Anfrage nicht kommentieren. Man gehe in einigen wenigen Fällen Kooperationen ein, veröffentliche aber nicht, welche Konditionen im Einzelfall vereinbart wurden, teilte die Produktionsfirma mit.

Ein Bier für Herrn Lehmann

Verboten ist Produktplatzierung im Kino nicht, solange sie redaktionell und dramaturgisch zu rechtfertigen ist. In der Praxis wird das großzügig ausgelegt, weil Firmen und Markennamen in der Realität vorkommen - man denke nur beispielsweise an Herr Lehmann, der im gleichnamigen Film jede Menge Beck's-Bier trank. Neben Requisiten soll die Filmcrew seinerzeit lediglich 40 Kisten Pils vom Unternehmen erhalten haben.

Zwischen Markennennungen aus Werbezwecken und solchen, die aus dramaturgischen Gründen vorkommen, zu unterscheiden, ist oft fast unmöglich. So auch bei "Fack ju Göthe 2": Neben Orangina und McDonald's wird etwa auch YouTube genannt und gezeigt, außerdem wedelt eine Schülerin mit einem Absolut Vodka. Doch beide Unternehmen sagen auf Anfrage, sie hätten keine Werbeverträge mit Constantin Film geschlossen.

Die Filmförderungsanstalt FFA, die "Fack ju Göthe 2" unterstützt hat, sieht in der zusätzlichen Finanzierung von Filmen durch Werbedeals keinen Grund, Fördermittel zu kürzen. Der Beschluss, welche Filme gefördert werden, sei eine Gremienentscheidung. Dabei spiele die Frage etwaiger Produktplatzierungen keine Rolle, teilt ein Sprecher mit.

Am Ende bleibt es also die Entscheidung der Kinobesucher, wie viel Produktplatzierungen sie akzeptieren.

Fotostrecke

10  Bilder
"Fack ju Göhte 2": Pingpongbälle im Unterleib

Mehr zum Thema
Newsletter
Neu im Kino: Tops und Flops


insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
j.w.pepper 11.09.2015
1. Product Placement in Maßen...
...finde ich immer noch besser als die zeitweise in den 70ern/80ern?) im Fernsehen grassierende Unsitte, tatsächliche Markenzeichen etwa in Fernsehspielen absolut stümperhaft mit Papier abzukleben, um dem Vorwurf der "Schleichwerbung" zu entgehen. Das aber deshalb, weil es die Szene unglaubwürdig macht. Markenprodukte gibt es nun mal im wirklichen Leben, überklebte nicht. Umgekehrt gilt das aber auch, wenn das Product Placement übertrieben wird. Wenn z.B. in manchen Bond-Filmen über 90 % der vorkommenden Autos die neuesten Produkte des jeweiligen Sponsors sind, stört das schon die notwendige "suspension of disbelief".
Joe_Average 11.09.2015
2. @ j.w.pepper
Wieso denn in den 70/80ern? Das wird heutzutage im öffentlich rechtlichen Fernsehen immer noch so praktiziert, seit den Tatort-Skandalen erst recht. Aus Google wird Looked, aus dem angebissenen Apfel wird eine angebissene Birne, usw.
NoXcuses 11.09.2015
3. Besser Offensichtlich...
... als durch die Hintertür. Filme machen wenigstens keinen hehl daraus von wem sie gesponsert werden. Politiker sollten sich daran ein Beispiel nehmen. So kann man persönlich wenigstens eine klare, informierte Entscheidung treffen ob man den Film/Politiker mag.
überdramatisieren 11.09.2015
4. Besonders penetrant
...war es schon in Teil 1 (weiss auch nicht mehr wie ich da reingeraten bin), wo an jeder Ecke auf einen Schokoriegel hingewiesen wurde, den ich allein deswegen jetzt nicht mehr essen würde.
-su- 11.09.2015
5.
Zitat von überdramatisieren...war es schon in Teil 1 (weiss auch nicht mehr wie ich da reingeraten bin), wo an jeder Ecke auf einen Schokoriegel hingewiesen wurde, den ich allein deswegen jetzt nicht mehr essen würde.
So ist es. Wundert mich, dass das beim Teil 1 nicht mehr thematisiert wurde. Da habe ich Filmkritiken zu anderen Filmen gelesen, da wurde ein Verriss über den Film geschrieben, weil der Kritiker der Meinung war, dass da zu viel Product Placement vorkommt. Bei Fack ju Göhte war das aber nicht der Fall und da war es doch sehr aufdringlich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.