"Femme Fatale" Rebecca Romijn-Stamos "Verführung ist ein verdammt mächtiges Instrument"

Hollywood statt Hochglanz: Nach erfolgreichem Einsatz als Mutantin Mystique in "X-Men" spielt das Ex-Model Rebecca Romijn-Stamos, 30, die Hauptrolle in Brian De Palmas Erotik-Thriller "Femme Fatale". Mit SPIEGEL ONLINE sprach sie über Nacktheit auf der Leinwand, Sex als Waffe und Eskapismus in Disneyland.




Schauspielerin Romijn-Stamos: "Mein Mann und ich sind besessen von Disneyland"
DPA

Schauspielerin Romijn-Stamos: "Mein Mann und ich sind besessen von Disneyland"

SPIEGEL ONLINE:

Ms. Romijn-Stamos, Sie spielen die Titelfigur in Brian De Palmas erotischem Thriller "Femme Fatale", ein sehr attraktives Model, das versucht ihrer Vergangenheit als mörderischer Vamp zu entkommen und dabei viele Männer um den kleinen Finger wickelt. Eine Traumrolle?

Rebecca Romijn-Stamos: Natürlich, es ist phantastisch, sich ein bisschen in die dunkle Seite hineinzubewegen. Jeder von uns hat diese Seite. Noch faszinierender war aber die Duplizität - neben der Düsteren auch die Weiche zu spielen. Brian de Palma sagte immer, wenn ich die sanfte Lily spielte: "Du bist so eine Teufelin!" Nicht, als ich die Böse war, sondern die Nette! Er sagte: "Dein Mann hat keine Ahnung, wen er da geheiratet hat. Du bist ein Monster."

SPIEGEL ONLINE: Was hat Ihr Mann, der Schauspieler und Produzent John Stamos, zu Ihren erotischen Tanzszenen gesagt?

Romijn-Stamos: (lacht) Na ja, ich habe ein bisschen vor seinen Augen dafür geübt, also war er ganz glücklich. Ich musste das üben, so etwas hatte ich noch nie gemacht. Es war die schwierigste Szene im Film für mich - ich hatte große Angst davor.

SPIEGEL ONLINE: Warum denn das?

Romijn-Stamos: Wenn man eine Liebesszene dreht, kann man mit jemand anderem interagieren. Etwas ganz anderes ist es, wenn man gesagt bekommt: So, und jetzt sei mal sehr sexy! Diese Tanz-Szene war eigentlich neun Minuten lang, und ich musste sie sieben oder acht mal spielen - in einem Raum voller fremder Männer, die sagten: Okay, wir machen die Musik an, dann mal los, wir schauen zu. Ich brauchte eine ganze Menge Tequila, sonst hätte ich's nicht gekonnt.

Romijn-Stamos als "Femme Fatale": "Ich brauchte eine ganze Menge Tequila"
Solo Film

Romijn-Stamos als "Femme Fatale": "Ich brauchte eine ganze Menge Tequila"

SPIEGEL ONLINE: Das war schwieriger als die Szene, in der Sie eine Frau auf einer Toilette verführen?

Romijn-Stamos: Ohne Frage. Diese Frau ist eine meiner besten Freundinnen, ich selbst habe sie Brian vorgestellt. Wir kennen uns seit vielen Jahren, und das hat die Sache sehr erleichtert. Aber fragen Sie jetzt nicht, ob ich lesbisch veranlagt bin. Habe ich etwa die Veranlagung, Leute zu ermorden? Nein, der Spaß an der Schauspielerei ist, Dinge zu tun, die man sonst eben nicht macht.

SPIEGEL ONLINE: Was ist für Sie sexy?

Romijn-Stamos: Nun, das ist eine sehr persönliche Sache. Es könnte ein Geruch sein - mir ist es schon passiert, dass ein bestimmter Geruch mich sehr erregte. Aber ich bin auch schon von Geräuschen erregt worden, von bestimmten Oberflächen, Fell zum Beispiel, oder dem Gefühl, dass mich etwas ganz leicht streift. Man weiß nie vorher, was es sein wird. Aber ich bin sehr leicht erregbar.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben sich inzwischen so oft hüllenlos gezeigt, dass man Sie bald angezogen gar nicht mehr erkennen könnte.

Romijn-Stamos: Sie werden es nicht glauben, aber genau genommen ist dies das erste Mal gewesen. Bei meiner Rolle als Mystique in "X-Men" ist der Effekt, dass ich nackt aussehe, aber in Wirklichkeit mit Schichten über Schichten von Farbe und Silikonschuppen bedeckt bin, so dass ich mich alles andere als nackt fühlte. Ich habe mich noch nie zuvor nackt vor der Kamera gezeigt. Ich bin sogar das einzige Model, das das noch nie getan hat. Und hier tat ich es nur, weil ich diese Unterwasseraufnahme wunderschön fand, und Brian die Entscheidung mir überließ, ob ich etwas tragen wollte oder nicht.

Romijn-Stamos als Mystique in "X-Men": "Ich habe mich noch nie zuvor nackt vor der Kamera gezeigt"
20th Century Fox

Romijn-Stamos als Mystique in "X-Men": "Ich habe mich noch nie zuvor nackt vor der Kamera gezeigt"

SPIEGEL ONLINE: Ihre "Femme Fatale" nutzt ihre körperlichen Reize gekonnt zur Manipulation männlicher Artgenossen. Wie legitim ist der Einsatz von Sex als Waffe?

Romijn-Stamos: Ich finde das ziemlich gemein, um ehrlich zu sein. Weil Verführung ein verdammt mächtiges Instrument ist, das zu Missbrauch reizt. Obwohl ich zugeben muss, dass auch ich verführerisches Auftreten schon eingesetzt habe, um zu bekommen, was ich haben möchte. Wie viele Frauen.

SPIEGEL ONLINE: Dann sind Sie sich Ihrer Reize also durchaus bewusst. War das schon immer so?

Romijn-Stamos: Nun, in zehnjähriger Arbeit als Model drückt man auch schon mal ein bisschen auf die Tube. Aber ich bin in Berkeley in Kalifornien aufgewachsen, in einer sehr intellektuell geprägten Familie. Meine Eltern stammen aus Holland und sind eher pragmatisch veranlagt - wo ich herkomme, macht man sich keine Gedanken über sein Aussehen, da hat man nicht über Sexyness nachzudenken oder sich mit Äußerlichkeiten durchzuschummeln. Erst als ich zu modeln anfing, wurde mir plötzlich bewusst, welche Macht in Schönheit und verführerischem Auftreten steckt. Das war so was wie eine sexuelle Erweckungserfahrung: Aha, es ist okay, sexy zu wirken? Lasst mich das mal ein bisschen erforschen...

SPIEGEL ONLINE: Kommt man da nicht normalerweise spätestens mit 14 drauf?

Romijn-Stamos: Ich habe mir nie große Gedanken um mein Aussehen gemacht. Aber meine Freunde scherzten ab und zu, dass ich Modeln sollte, und als ich irgendwann an der Uni unruhig wurde und kein Geld hatte dachte ich, vielleicht solltest du's wirklich mal drauf ankommen lassen... Na ja, am Anfang war das ziemlich hart. Ich tauchte in Paris als strubbeliges Monster auf, mit langem, struppigem Haar, zerrissenen Jeans und Birkenstock-Sandalen - um mich herum lauter Frauen, von Kopf bis Fuß wie aus dem Ei gepellt, die in ihren schwarzen Uniformen auf zehn Zentimeter hohen Stilettos über Kopfsteinpflasterstraßen stöckelten. Ich fühlte mich wie ein Reh im Lichtkegel eines heranrasenden LKW.

SPIEGEL ONLINE: Inzwischen sind Sie seit fast zehn Jahren verheiratet. Schmälert das Ihre Wirkung auf die Männerwelt?

"Femme Fatale"-Stars Banderas, Romijn-Stamos: "Bei manchen Szenen halte ich meinen Eltern die Augen zu"
Solo Film

"Femme Fatale"-Stars Banderas, Romijn-Stamos: "Bei manchen Szenen halte ich meinen Eltern die Augen zu"

Romijn-Stamos: Es ist toll: Ich kann ohne Begleitung zu großen Veranstaltungen gehen, und der Ring an meinem Finger signalisiert allen: Sorry, nicht mehr verfügbar! Ich kann mich also entspannt hinsetzen und mit Menschen reden.

SPIEGEL ONLINE: Angeblich verbringen Sie fast Ihre gesamte Freizeit in Disneyland - das Mickymaus-Paradies soll Ihr geheimer Rückzugsort sein. Stimmt das?

Romijn-Stamos: Ja, ich weiß, das klingt ein bisschen blöd, aber mein Mann und ich lieben das. Wir sind geradezu besessen davon. Mein Mann ist fünf Minuten von Disneyland entfernt aufgewachsen und hing immer nach der Schule dort herum. Wir hatten sogar unser erstes Date in Disneyland. Es ist mir ja irgendwie peinlich, aber es ist einfach unsere große Leidenschaft...

SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie dort? Fahren Sie den ganzen Tag Achterbahn und Karussell?

Romijn-Stamos: Es ist der fröhlichste Ort der Welt - zumindest sagen sie einem das am Eingang. Nein, für mich ist es das Erlebnis, wieder Kind zu sein, wie in einem Märchen. Aber bitte, lassen Sie uns das Thema wechseln, ich komme mir wirklich vor wie die letzte Peinlichkeit!

SPIEGEL ONLINE: Okay: Was halten Ihre intellektuellen Eltern von Ihrer Rolle als "Femme Fatale"?

Romijn-Stamos: Sie finden es toll, dass ich nicht mehr so viel modele, und sie finden es toll, dass ich mein Geld als Schauspielerin verdiene. Ich halte ihnen natürlich bei einigen Szenen die Augen zu, weil ich eben irgendwie doch ziemlich prüde bin.

Das Interview führte Nina Rehfeld



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