"Fifty Shades of Grey" im Kino Der kleine Eros möchte in der Bettenabteilung abgeholt werden

Jetzt kommt "50 Shades of Grey" ins Kino. Sie wollen mitreden, ohne sich in diese Hollywood-Schmonzette prügeln zu müssen? Wir hätten da was vorbereitet.
"Fifty Shades of Grey" im Kino: Der kleine Eros möchte in der Bettenabteilung abgeholt werden

"Fifty Shades of Grey" im Kino: Der kleine Eros möchte in der Bettenabteilung abgeholt werden

Foto: ddp images/intertopics/Lmkmedia

Fangen wir doch gleich mal mit einer Erregung an: Zu wenig Blockbuster mit Frauen in Hauptrollen! Zu wenig Filme von Regisseurinnen und Autorinnen! So in etwa lautet der beharrliche Protest von Filmemacherinnen, auch gerade auf der Berlinale wieder.

Und nun hat man mit "50 Shades of Grey" einen Film unter Softpornoverdacht, der auf dem Buch einer Autorin basiert, deren Trilogie weltweit mehr als 70 Millionen Mal verkauft wurde. Eine Frau führte Regie, eine Frau schrieb das Drehbuch, eine Frau spielt die Hauptrolle.

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"50 Shades of Grey": Stöhn, peitsch, doppelstöhn

Foto: Universal Pictures

Allein am ersten Wochenende soll er 90 Millionen US-Dollar  in den USA und Kanada einspielen. Ausgerechnet im als so züchtig geltenden "Bible Belt" der USA, mit Staaten, in denen es bis heute illegal ist, Sexspielzeug zu verkaufen , schießen die Ticketvorverkäufe durch die Decke. Und erst die Kohle für die ganzen Luxusschlitten, die durchs Bild fahren!

Tja. Aber was hilft das alles der Emanzipierung, wenn der Held der Story mit seiner Psychomacke nur eines will: Dass sich die Frau ihm mit Haar und vor allem Haut unterwirft? Doch der Reihe nach.

Hier die wichtigsten Antworten für alle, die schamlos mitreden wollen, ohne den Streifen sehen zu müssen.

Ich habe unter einem Stein gelebt. Worum geht's nochmal?

Und jetzt ruhig Blut: Der Film, der auf E. L. James' Buchfiguren Anastasia Steele (Dakota Johnson) und Christian Grey (Jamie Dornan) basiert, ist wirklich nur eine weitere Hollywood-Schmonzette mit Märchenstory. Gut, und Peitsche.

Gebaut nach Schema F wie "Fick Dich, Feminismus": Jungfrau wird von stinkreichem, 27-jährigen Geschäftsmann aus brotlosem Literaturstudium, naja, "gerettet". Er zeigt ihr seinen Hubschrauber (also den Phallus-Ersatz, nicht was Sie denken), spielt nachts postkoitale Preludien auf dem Flügel. Und ist ein totaler Kontrollfreak. Wegen seiner Kindheit. Daraufhin will sie ihn retten. Wovon Frauen von heute halt so träumen, ne. Dagegen ist "Pretty Woman" oscarverdächtig komplex. Zum Grundkurs geht's hier.

Und? Knistert's?

Da ist jede Kondompackung lauter. Alles, wirklich alles, ist mit Kuschelrock VI zugegossen (Frank Sinatra, Annie Lennox, Sia, Beyoncé, Richard Clayderm - ach nee, verhört). Wenn eine Szene prickeln soll, setzen die Violinen ein; es folgt ein Schwenk auf ein Ölbild von stürmischer See, sie beißt sich kokett auf die Lippe. Der kleine Eros möchte bitte in der Bettenabteilung abgeholt werden!

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Fifty Shades of Grey: Bilder der Premiere

Foto: HANNIBAL HANSCHKE/ REUTERS

Zur Sache, Schätzchen. Wieviel Sex gibt's wirklich?

Definitionssache. In Lars von Triers "Nymphomaniac" war mehr Lametta. Ok, Fakten: Blümchensex etwa acht Minuten. Sie gefesselt, ausgepeitscht, sich aufbäumend: etwa 15 Minuten von den zwei Stunden. Will sagen: Im Vergleich zum Buch ist Sex nur in Spuren vorhanden. Er trägt untenrum Jeans, dafür ist sie meist splitterfasernackt, aber mehr als den Schamhaaransatz sieht man nicht, für US-Verhältnisse ganz schön verrucht. Hm, vielleicht doch eher ein Männerfilm?

Aber im Buch...

Im Buch, im Buch. Da gab es statt Handlung nur ein Ineinanderfließen von "Stellen". Drehbuchautorin Kelly Marcel und Regisseurin Sam Taylor-Johnson haben das Ding mit eisernem Griff entweidet. Die Sache mit dem Tampon - flog raus. Im Film beschwört Ana weder ihre "innere Göttin", noch führt sie prüde innere Monologe rund um ihr "Geschlechtsteil", auch bei den Dialogen muss man etwas weniger winseln. Vor Schmerz.

Apropos: Ist das jetzt ein Sadomasofilm?

Einerseits: Ja, da hängen Peitschen für alle Lebenslagen, Ledermanschetten, bordellrote Seile samt ausgefuchsten Knoten, Metallgestänge und Ösen. Andererseits: Die Szenen sind eher soft als Softporno. Vor allem aber: BDSMlern geht es um einvernehmliche Kontrollspiele - der Film vermittelt den Eindruck, Angst gehört zwingend dazu. Grey hat einfach gepflegt einen an der Klatsche. Und dass er Anastasias alten VW-Käfer verscherbelt, ist wirklich reine Folter.

Sätze für die Ewigkeit:

Sie: "Es gibt also einen Grund, dass Du mir etwas antun willst?". Er: "Bitte hasse mich nicht!"

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Was gibt's sonst zu sehen?

Greys Hochhaus-Loft mit Blick über Seattle, voller Neureichen-Kitsch. Stellen Sie sich das Berliner Einkaufszentrum Alexa als Inspiration vor - und Harald Glööckler als Styleberater. Dezent ist hier nichts, nicht mal die Schleichwerbung.

Wer ist eigentlich die Regisseurin?

Eigentlich ist Sam Taylor-Johnson Fotografin, durchaus mit Renommee: 1998 war die Britin für den in der Kunstszene heißbegehrten Turner-Preis nominiert. Nach "Nowhere Boy", ihrem zarten Debütfilm über die Jugend von John Lennon, kam gleich "Shades of Grey". Dass sie nun den Rest der Trilogie verfilmt, ist wohl schon geritzt.

Johnson - heißt die Hauptdarstellerin nicht auch so?

Jepp, aber nicht verwandt. Vater: Don Johnson, Mutter: Melanie Griffith, Großmutter: Tippi Hedren. Echter Hollywoodadel. In der Tat schaut man der 25-jährigen Dakota ganz gerne zu. Sie schafft, dass ihre Figur, diese schablonenhafte Fanfiction-Fantasie, richtig nahbar wirkt. Dass sie im Anschluss einen Actionfilm mit, Achtung: Benedict Cumberbatch, Johnny Depp, Sienna Miller, Kevin Bacon und Peter Sarsgaard abgedreht hat ("Black Mass"), überrascht nicht die Bohne. Die wird was.

Und die anderen?

Jamie Dornan (für die Klatschfraktion: der Ex von Keira Knightley) wollte sich offenbar am liebsten wegbeamen, so leer wirkt er als Christian auf der Leinwand. Derzeit übrigens auch in der gefeierten BBC-Krimiserie "The Fall" neben Akte-X-Ikone Gillian Anderson - als Serienkiller. 50 Runden Name-Dropping gefällig? Die Sängerin Rita Ora spielt seine Schwester, die auf Nebenrollen abonnierte Marcia Gay Harden (zuletzt in Woody Allens "Magic in the Moonlight") seine Mutter. Ups, schon fertig. Die D-Promi-Besetzungsliste zeigt eben auch: Der Rest hat sich gedrückt. Wer diesen Fake-Trailer geschnitten hat , wusste: Steve Buscemi hätte die Chose gerettet.

Mist. Gibt's Alternativen für Valentinstag?

Echt jetzt? Valentinstag? Na gut: Wir sagen nur "Butter", Marlon Brando, "Letzter Tango in Paris". Ach, doch lieber mit Zaumzeug? Gehen Sie in den nächsten Baumarkt, nach Kabelbindern, Klebeband und Seil fragen - da ist sicher schon was vorbereitet.