Filmbotschaft ins Gegenteil verkehrt »Fight Club« bekommt in China ein neues Ende

Eigentlich geht es um Kapitalismuskritik und Anarchie. Aber nicht in China: Dort triumphiert im alternativen Ende des Films »Fight Club« ein starker Staat.
Der Erzähler (Edward Norton) kann im alternativen Ende von »Fight Club« wieder ein produktives Mitglied der Gesellschaft werden

Der Erzähler (Edward Norton) kann im alternativen Ende von »Fight Club« wieder ein produktives Mitglied der Gesellschaft werden

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ddp images / ddp

Die Musik der Pixies ertönt, während ein Bankgebäude nach dem anderen explodiert. Protagonist Edward Norton tötete zuvor sein Alter Ego Tyler Durden (Brad Pitt) und beendete damit sein bizarres Doppelleben. Diese letzten Szenen des Films »Fight Club« werden mitunter legendenhaft verehrt. Auch wenn das Ende in viele Richtungen interpretiert werden kann, scheint eine Botschaft relativ deutlich: Mit der Zerstörung der Bankenhochhäuser wird auch ein Teil der Konsumgesellschaft zerschlagen – und aus der Anarchie kann etwas Neues entstehen.

Recht und Ordnung triumphieren

Diese Botschaft kommt allerdings nicht überall gut an. Der Streamingdienst Tencent Video bietet David Finchers Film in China nun mit einem alternativen Ende an, berichtet etwa der »Guardian«. Statt Explosionen werde ein Schwarzbild mit einem Text eingeblendet. Darin heiße es, die Polizei habe den Plan durchschauen und alle Kriminellen festnehmen können. So sei auch verhindert worden, dass die Bomben explodierten. Schließlich entwickele das Statement die Handlung des Films sogar weiter: »Nach dem Gerichtsverfahren wurde Tyler in eine Psychiatrie geschickt«, heiße es dort über das eingebildete Ego des Erzählers. »Er wurde 2012 aus dem Krankenhaus entlassen.«

In dieser Darstellung ist also nicht bloß Zerstörung abgewendet, die Persönlichkeitsstörung der Erzählerfigur ist auch kuriert, sie kann also wieder ein produktives Mitglied der Gesellschaft werden. Ein Ende, das die »Fight Club«-Botschaft gewissermaßen in ihr Gegenteil verkehrt.

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Hollywood-Studios veröffentlichen immer wieder alternative Filmschnitte in der Hoffnung, die chinesischen Zensurhürden zu überwinden. Ob das alternative »Fight Club«-Ende, in dem der Staat triumphiert, durch die chinesische Regierung angeordnet wurde oder ob die Produzenten den Film für das chinesische Publikum selbst bearbeiteten, ist jedoch nicht weiter bekannt. Tencent kommentierte den Vorgang nicht.

Das neue Ende löste laut »Guardian« bei vielen chinesischen Zuschauerinnen und Zuschauern Empörung aus. Einige hatten den Film von 1999 demnach durch Raubkopien in der Originalfassung gesehen.

In der Romanvorlage von Chuck Palahniuk  wird noch ein weiteres Ende angeboten. Wegen eines Fehlers explodiert die Bombe darin nicht. Der Erzähler erschießt sich zwar, wacht allerdings in einem Krankenhaus wieder auf. Dort wird ihm suggeriert, dass sein Projekt fortgesetzt wird.

evh
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