Film Der Schauspieler Oliver Reed ist tot

Der wilde Mann des englischen Films ist vermutlich seiner Alkohoholsucht erlegen. Er brach in einer Bar auf Malta zusammen.

Es gibt kaum einen Artikel über Oliver Reed, in dem der britische Schauspieler nicht als starker Trinker bezeichnet wird. Alkoholexzesse, Schlägereien und ruinierte Talk-Shows finden immer ein mediales Echo. Süffisant bemerkte einmal die "Times" in einer Fernsehkritik: "Oliver Reed ist ein mögliches Anti-Rollenmodell für jene, die ein Leben von unauffälliger Diskretion anstreben." Doch der "wilde Mann des englischen Films" hatte auch einige gute Rollen vorzuweisen.

Oliver Reed, am 13. Februar 1938 in London geboren, soll schon als Kind "unangepaßt" gewesen sein und nicht weniger als 13 Schulen besucht haben. Mit 17 rannte er von zuhause weg und schlug sich als Rausschmeißer in Nachtclubs, als Taxifahrer und Boxer durch. Sein Onkel, der Regisseur Carol Reed, holte ihn vor die Kamera. Zunächst betätigte sich Oliver als Komparse. Einer ersten größeren Rolle in einer Kinderserie folgte 1961 die erste Hauptrolle in einem Spielfilm. In dem Horrorstreifen "Der Fluch von Siniestro" spielte Reed einen Werwolf. Mit kräftiger Statur und etwas ungeschlachter Physiognomie spielte Reed danach meist Schurkenrollen und verdiente lange mit blutrünstigen Historienfilmen sein Geld.

Allmählich wandelte er sich zu einem facettenreicheren Darsteller mit starker männlicher Ausstrahlung, der besonders in Ken Russells Filmen bekannt wurde. So spielte er den grimmigen Taschendieb in Carol Reeds Oscar-gekröntem Musical "Oliver!" (1968), einen machistischen Geschäftsmann in "Liebende Frauen" (1969) sowie einen charismatischen Priester in der Filmgroteske "Die Teufel" (1971) - neben vom Dämon besessenen Nonnen.

Seine Alkohol-Abhängigkeit beeinträchtigte Reeds Karriere in zunehmendem Maße. 1995 gab der Darsteller selbst zu, die in ihn gesetzten Erwartungen nicht zu erfüllen. Aber er meinte auch: "Wenn ich so viel trinken würde, wie Zeitungen behaupten, hätte ich schon längst tot sein müssen."

In den letzten Jahren interessierte sich das Publikum weniger für sein filmisches Wirken (diverse Rollen in mittelmäßigen Low-Budget-Filmen), als vielmehr für "Olly's" skandalgewürzte Auftritte in der Öffentlichkeit. Böse Bemerkungen über Feministinnen führten etwa dazu, daß eine Talk-Show mit ihm unterbrochen wurde. Ein Streit mit dem US-Star Geena Davis, bei dem er angeblich seine Hosen runterließ, soll ihn eine Rolle in "Cut Throat Island" gekostet haben. Und kurz vor seinem 60. Geburtstag verbrachte Reed nach einer Schlägerei die Nacht in einer Londoner Polizeizelle.

Oliver Reed starb am Sonntag im Alter von 61 Jahren auf Malta. Dort drehte er gerade den Film "The Gladiator". Wie ein Sprecher der maltesischen Polizei bekanntgab, habe Reed mit Freunden in einer Bar in La Valetta getrunken und plötzlich über Unwohlsein geklagt. Eine Viertelstunde später ist er auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben.