Film-Festival Goldene Palme für Dardenne-Brüder

Die Goldene Palme von Cannes geht in diesem Jahr an die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne für den Film „L'Enfant". Nicht ausgezeichnet wurde Wim Wenders – er erhielt dennoch 20 Minuten Standing Ovations.


Cannes- Der Preis wurde am Samstagabend überreicht von den Oscar-gekrönten Schauspielern Hilary Swank und Morgan Freeman. Es war bereits das zweite Mal, dass die beiden Brüder die begehrte Goldene Palme für den besten Film gewannen. Vor sechs Jahren wurden sie für ihr Teenager-Drama "Rosetta" mit dem Hauptpreis von Cannes ausgezeichnet.

Die Brüder Dardenne, 54 und 51 Jahre alt, zeigten sich erneut als Meister extrem wirklichkeitsnaher, packender Alltagsdramen aus dem Leben am Rande der Gesellschaft. "L'Enfant" schildert das Leben eines mittellosen Paares in einer namen- und seelenlosen Stadt. Der Hauptdarsteller Bruno, gespielt von Jeremie Renier, verkauft seinen neugeborenen Sohn, um an Geld zu kommen. Später bereut er die Entscheidung und versucht, das Kind zurückzubekommen. Der Film wurde überwiegend mit kleinen Handkameras gedreht und gewinnt dadurch einen deutlich dokumentarischen Charakter. "Wir hätten diesen Preis nicht ohne unsere fantastischen Schauspieler bekommen. Sie machen erst möglich, dass unser Kino so echt rüberkommt", sagte Jean-Pierre Dardenne.

Der deutsche Regisseur Wim Wenders, der für "Don't Come Knocking" nominiert war, ging leer aus. Er hatte die Goldene Palme 1984 mit seinem Film "Paris, Texas" gewonnen.

Als bester Schauspieler wurde in Cannes diesmal Tommy Lee Jones für seine Arbeit in "The Three Burials of Melquiades Estrada" geehrt. Der Film gewann auch den Preis für das beste Drehbuch, geschrieben von dem Mexikaner Guillermo Arriaga. Beste Schauspielerin wurde Hanna Laslo für "Free Zone", den Film des israelischen Regisseurs Amos Gitai. Als bester Regisseur wurde der Österreicher Michael Haneke für "Hidden" ausgezeichnet. Der Große Preis ging an den Amerikaner Jim Jarmusch für "Broken Flowers", den Preis der Jury erhielt der chinesische Film "Shanghai Dreams". Die Goldene Kamera für das beste Debüt eines Regisseurs teilten sich die Amerikanerin Miranda July und Vimukthi Jayasundara aus Sri Lanka.

Die Preisverleihung verlief in diesem Jahr deutlich weniger spektakulär als 2004. Damals hatte der amerikanische Regisseur Michael Moore die Goldene Palme für seinen umstrittenen Dokumentarfilm "Fahrenheit 9/11" erhalten, einer scharfen Kritik an der US-Regierung von Präsident George W. Bush.

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