Filmbranche in der Coronakrise Den Kinos in Deutschland fehlen rund 80 Millionen Besucher

Kinos leiden unter den Lockdown-Maßnahmen in der Corona-Pandemie besonders hart. Nun liegen zu den Verlusten der deutschen Filmbranche erste Zahlen vor – die Insolvenzwelle steht aber wohl noch bevor.
Kleiner Saal im »Palatin« in Mainz: Die Zukunft der Kinos ist ungewiss

Kleiner Saal im »Palatin« in Mainz: Die Zukunft der Kinos ist ungewiss

Foto: Fredrik von Erichsen/ picture alliance / dpa

Alle lieben Filme, aber durch die Beschränkungen während der Corona-Pandemie bleiben die deutschen Kinosäle leer. Nun gibt es dazu auch Zahlen: Im Vergleich zum Vorjahr kamen im Jahr 2020 etwa 80,5 Millionen Besucher weniger. Das entspricht einem Rückgang von rund 68 Prozent.

Laut einer Analyse der Filmförderungsanstalt (FFA) wurden im vergangenen Jahr nur rund 38,1 Millionen Kinotickets verkauft. Das liegt vor allem an den Komplettschließungen im Frühjahr und seit November 2020. Dazwischen durften wegen der Abstandsregeln auch im Sommer und Herbst deutlich weniger Besucher in die Kinos. Auch der Umsatz der Kinos brach entsprechend ein, er lag bei 318 Millionen Euro, etwa 69 Prozent weniger als im Jahr 2019.

Die Zahl der Kinounternehmen hat sich laut FFA-Statistik im Jahresvergleich bisher nicht verändert. Bei den Spielstätten gibt es unterm Strich sechs weniger als ein Jahr zuvor – insgesamt sind es 1728 im Land. Die Zahl der Kinosäle sank um 35 auf insgesamt 4926. Die Analyse verweist aber auch darauf, dass die Dunkelziffer der zahlungsunfähigen Kinos weitaus höher sein könnte. Grund ist die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht: Die Bundesregierung hatte im vergangenen Frühjahr beschlossen, die Meldepflichten für Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit vorerst außer Kraft zu setzen.

Vergleichsweise mehr Besucher in deutschen Filmen

In den Phasen der Öffnung fanden Blockbuster den größten Anklang. Die Auswahl allerdings blieb klein, denn viele internationale Produktionen wurden wegen der Pandemie verschoben – es fehlten die Filme, um die Zuschauer zurückzuholen. So wartet der neue »James Bond« immer noch auf seinen Start, nach jetziger Planung ist Herbst 2021 vorgesehen. Einige Szenen von »Keine Zeit zu sterben« müssen bis dahin wohl neu gedreht werden, weil Werbepartner auf ihre neuesten Produkte bestehen.

Warten auf 007: Nach jetziger Planung kommt der neue »James Bond«-Film im Herbst 2021 ins Kino, vielleicht

Warten auf 007: Nach jetziger Planung kommt der neue »James Bond«-Film im Herbst 2021 ins Kino, vielleicht

Foto: Francois Duhamel/ AP

Die meisten Zuschauer hatten 2020 drei große Hollywoodproduktionen. Hoffnung bei den Ticketverkäufen machten die Actionkomödie »Bad Boys for Life« mit Will Smith, der Thriller »Tenet« und der »Star Wars«-Film »Der Aufstieg Skywalkers«. Auf dem vierten Platz landete die deutsche Komödie »Nightlife« mit Elyas M’Barek und Palina Rojinski (hier im Interview). Besonders die kleinen und mittelgroßen Filme, die sonst im Schatten der Blockbuster stehen, mussten arg zurückstecken. Ihnen fehlten die Festivals, durch die sie größeres Publikum hätten erreichen können.

Dass diesmal vergleichsweise viele Kinobesuche auf deutsche Filme fielen (etwa 35 Prozent), ist wohl auch der Tatsache geschuldet, dass wegen der Pandemie weniger internationale Produktionen anliefen. Global organisierte Kinostarts werden wohl auch in Jahr 2021 pandemiebedingt eine Seltenheit bleiben. Das wiederum ist schlecht fürs Geschäft: Ein globaler Start ist bislang integraler Bestandteil des Geschäftsmodells von Filmen mit einem Budget von 100 Millionen Dollar und mehr, weil so Werbekampagnen die größte Wirkung haben.

Insgesamt beurteilte die FFA die Zahlen als erwartbares »sehr schlechtes Ergebnis«. Trotz Förderungen des Bundes und der Länder und anderen Hilfsprogrammen der Bundesregierung bleibe die Lage für die Branche sehr schwierig.

cpa/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.