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Filmdrama "Ayla": "Brigitte" und High Heels

Foto: Zorro Film

Filmdrama "Ayla" Gute Türkin, böser Türke

Eine deutsch-türkische Identitätssuche in München, dazu eine romantische Liebesbeziehung im Fotostudio und ein drohender Ehrenmord: "Ayla" von Su Turhan verspricht großes Kino, hätte aber besser ins Fernsehen gepasst.
Von Felix Meschede

Da kann Ayla doch nur laut lachen: türkische Hochzeitspaare vor rosa-orange-farbiger Sonnenuntergangstapete, dazu ein Korb voll Rosen. Nichts liegt ihr ferner, als so eine kitschige Fotoinszenierung nach türkischer Tradition.

Aber ans Heiraten denkt die junge Frau auch noch gar nicht. Sie hat ihr eigenes Leben. Tagsüber jobbt sie als Aushilfe in verschiedenen Kindergärten, nachts steht sie mit silbernen High Heels und blonder Kurzhaar-Perücke hinter der Garderobe einer Münchener Discothek.

Das bricht ihrem Vater fast das Herz. Er würde seine hübsche Tochter gerne in den Ehehafen überführen und leitet die Heiratsanträge aus der Türkei gleich kistenweise weiter. Vergeblich, denn Ayla findet Gefallen an dem Fotografen Ayhan, nachdem dieser sie erst mit dem Auto anfährt, um sie gleich darauf auf einen Tee zu sich ins Studio einzuladen.

Nach romantischen Augenblicken in der Dunkelkammer könnte eigentlich alles gut werden, doch Ayhan ereilt plötzlich der väterliche Auftrag, die eigene Familienehre mit Waffengewalt wieder herzustellen. Seine Schwester Hatice hat nämlich mit ihrer Tochter Reißaus genommen, weil sie die Nase voll hat vom Ehemann am Bosporus. In ihrer Not findet sie ausgerechnet bei Ayla Unterschlupf. Die weiß aber noch nicht, dass der pflichtbewusste Bruder der Gesuchten ihr geliebter Ayhan ist. Eine komplizierte Dreiecksgeschichte nimmt ihren Lauf.

Kratzen an der Oberfläche

Das klingt nach einer spannenden Sozialstudie, doch Regisseur Su Turhan bleibt mit seiner Adaption der Romeo-und-Julia-Geschichte dann doch hinter den Möglichkeiten, die das Sujet bietet, zurück. Statt in die Tiefe zu gehen, kratzt sein Spielfilmdebüt "Ayla" eher an einer stereotypen Oberfläche.

Das mag im Fernsehen funktionieren, ist fürs Kino allerdings zu wenig. Als müsste die progressive Natur der Ayla erst bewiesen werden, überzeichnet Turhan die Figur mit Holzschnittmethode. So trägt die junge Türkin lieber bunte Kontaktlinsen als ihr Kopftuch, liest lieber die "Brigitte" als den Koran und wirft das Wechselgeld vom Kioskeinkauf großzügig dem nächsten Obdachlosen in den Becher. Deutlicher geht es kaum.

Die hörigen Söhne der erzkonservativen Nachbarsfamilie bilden da den erwartbaren Gegenentwurf. Damit es auch der letzte Zuschauer versteht, rekapituliert Kindergärtnerin Iris noch mal ihr gängiges Bild der türkischen Männerschaft: "Vögeln tun sie die Deutschen und geheiratet werden die eigenen Jungfrauen, und zur Not werden sie halt eingeflogen aus der Türkei und eingesperrt, damit sie keine dummen Sachen machen."

Auch ästhetisch passt der Film eher zur Mattscheibe. Nur selten entwickelt die Kamera von Florian Schilling ihre eigene Sprache. Das Motiv der unendlichen Bahnschienen, die sich kreuzen und wieder verlieren und so den Lebensweg der beiden Charaktere auf die Straße zeichnen, erschöpft sich in endloser Wiederholung.

Langweilig ist der Film allerdings nicht, und das ist in erster Linie den zwei Hauptdarstellern Pegah Ferydoni ("Türkisch für Anfänger") und Mehdi Moinzadeh ("Tatort" Kiel) zu verdanken. Locker trotzen die beiden der Klischeewelt um sie herum und machen aus ihren Figuren ein glaubhaftes Liebespaar.

Besonders Ferydoni nimmt man die fortschrittliche Türkin jederzeit ab. Dazu hätte man ihr nicht mal die "Brigitte" in die Hand drücken müssen.

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