Überraschung beim Filmfest Locarno Goldener Leopard geht an Spielfilm »Regra 34« aus Brasilien

Regel 34 besagt: Zu allem, was sich im Internet finden lässt, gibt es Pornografie. Der gleichnamige Film hat den Hauptpreis beim Locarno Film Festival erhalten. Das deutsche Kino ging bei den Jury-Preisen leer aus.
Foto mit Leopard: Regisseurin Júlia Murat (2.v.l.) mit Sol Miranda, Tatiana Leite, Isabella Mariotto und Lucas Andrade

Foto mit Leopard: Regisseurin Júlia Murat (2.v.l.) mit Sol Miranda, Tatiana Leite, Isabella Mariotto und Lucas Andrade

Foto: Urs Flueeler / EPA

Zum Finale des 75. Internationalen Locarno Film Festivals hat der Spielfilm »Regra 34« der brasilianischen Regisseurin Júlia Murat den Goldenen Leoparden gewonnen. Der Titel der brasilianisch-französischen Koproduktion bezieht sich auf die sogenannte Regel 34, nach der im Internet zu allem, was dort existiert, pornografisches Material zu finden sei. Im Zentrum des Spielfilms steht eine Jurastudentin. Sie lebt im Internet, und nicht nur dort, verschiedene sexuelle Fantasien aus.

Mit der Vergabe des Hauptpreises und mit einigen anderen Entscheidungen haben die Jurys überrascht. Die beiden deutschen Beiträge »Human Flowers of Flesh« und »Piaffe« sowie andere ebenfalls weithin favorisierte Filme gingen leer aus. Im Experimentalfilm-Wettbewerb »Pardi di domani« bekam der Kurzspielfilm »Madar tamame rooz doa mikhanad« (»Mütter beten den ganzen Tag«) von der aus Iran stammenden Berliner Filmemacherin und Grafikdesignerin Hoda Taheri eine lobende Erwähnung. In der »Semaine de la critique« ging der Hauptpreis an die polnisch-deutsche Koproduktion »The Hamlet Syndrome« (»Das Hamlet-Syndrom«).

Die Jury des Hauptwettbewerbs um den Goldenen Leoparden hat auch mit der Vergabe der zweitwichtigsten Auszeichnung, des Spezialpreises, verblüfft. Er ging an die Komödie »Gigi la legge« (»Gigi, das Gesetz«) vom italienischen Regisseur Alessandro Comodin. Darin wird in einer dialoglastigen Szenenflut der ländliche Alltag des Verkehrspolizisten Gigi beobachtet.

226 Filme in 471 Vorstellungen

Gleich drei Preise, für beste Regie, beste Schauspielerin (Daniela Marín Navarro) und besten Schauspieler (Reinaldo Amien Gutiérrez) gingen an »Tengo sueños eléctricos« (»Ich habe elektrische Träume«) von der aus Costa Rica stammenden Regisseurin Valentina Maurel. Sie beobachtet mit großer Sensibilität das schwierige Erwachsenwerden der sechzehnjährigen Eva.

Drei Preise für »Tengo sueños eléctricos«: Reinaldo Amien Gutiérrez, Daniela Marín Navarro, Valentina Maurel

Drei Preise für »Tengo sueños eléctricos«: Reinaldo Amien Gutiérrez, Daniela Marín Navarro, Valentina Maurel

Foto: URS FLUEELER / EPA

Alle Gewinnerinnen und Gewinner der Preise sollen am Samstagabend in einer Gala auf der Piazza Grande des malerischen Urlaubsortes am Schweizer Ufer des Lago Maggiore dem Publikum vorgestellt werden. Im internationalen Wettbewerb liefen 17 Filme aus aller Welt. Insgesamt wurden an den elf Festivaltagen 226 Kurz-, Experimental-, Dokumentar- und Spielfilme in 471 Vorstellungen gezeigt.

sak/dpa
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