Filmfestival Cannes 2012 Kristen Stewart unter Beatniks

"Twilight"-Stars bei David Cronenberg und in einer Jack-Kerouac-Verfilmung, ein Eröffnungsfilm von Wes Anderson - das nordamerikanische Kino ist stark vertreten auf den 65. Filmfestspielen von Cannes. Ein deutscher Regisseur tritt dagegen nur ganz am Rande des Festivals an.

Schauspielerin Kristen Stewart: Von "Twilight" zu Jack Kerouac
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Schauspielerin Kristen Stewart: Von "Twilight" zu Jack Kerouac


Hamburg/Paris - Zur Eröffnung läuft Wes Andersons "Moonrise Kingdom". Die Komödie spielt in einem kleinen amerikanischen Ort in den sechziger Jahren und erzählt die Geschichte zweier frühreifer Kinder, die während eines Unwetters zusammen weglaufen und den örtlichen Sheriff und die restliche Gemeinde in Aufruhr halten. Anderson, der vor allem durch seine Regiearbeit in "Die Royal Tenenbaums" oder im oscarnommierten "Der Fantastische Mr. Fox" bekannt wurde, konnte für seinen neuen Film Bill Murray, Bruce Willis, Tilda Swinton und Edward Norton gewinnen - sie alle werden höchstwahrscheinlich am 16. Mai mit Anderson auf dem roten Teppich des Festivals stehen.

Am Donnerstag verkündete Festivalchef Thierry Fremaux alle Wettbewerbsbeiträge 2012. Die Auswahl des Eröffnungsfilms verdeutlicht eine wesentliche Ausrichtung des diesjährigen Festivals. Das Programm habe 2012 einen starken amerikanischen Schwerpunkt, sagte Fremaux am Donnerstag in Paris: "Das US-Kino ist wieder zu Kräften gekommen."

Im Wettbewerb um die Goldene Palme steht unter anderem David Cronenberg mit "Cosmopolis". Die Verfilmung des Romans des amerikanischen Bestsellerautors Don DeLillo erzählt die Geschichte eines Mitte 20-jährigen Milliardärs, der sich in seiner Stretchlimousine auf eine Odyssee durch New York City macht - Gewalt, Sex und radikale Bilder garantiert. Überraschend ist hier die Darstellung des Protagonisten durch Robert Pattinson, der sich mit der verstörenden Rolle endgültig vom weichgespülten Teenie-Vampir-Image lösen dürfte.

Kristen Stewart on the road

Ein weiterer "Twilight"-Star erwartet die Jury in Walter Salles Literaturverfilmung von Jack Kerouacs "On The Road". An der Seite von Sam Riley und Viggo Mortensen spielt Kristen Stewart in dem Drama, das die Geschichte von Sal Paradise (Riley) und seinem Road-Trip auf der Suche nach Menschlichkeit und der Identität Amerikas erzählt. Der Oscarprämierte brasilianische Regisseur Salles war bereits zweimal für eine Goldene Palme nominiert. 2008 bekam Sandra Corveloni die Auszeichnung für ihre Darstellung in Salles "Linha de Passe".

Der britische Arthouse-Regisseur und Palmen-Preisträger Ken Loach schickt mit "The Angel's Share" eine süß-saure Komödie mit sozialem Fokus ins Rennen. Die Satire mit Paul Brannigan und John Henshaw erzählt die Geschichte eines jungen Vaters mit kriminellen Hintergrund, dem der Weg Richtung Resozialisierung sichtlich schwer fällt. Bei einem Besuch einer Whiskeydestillerie kommt ihm und drei Leidensgenossen die Idee vom großen, finanziellen Geschäft.

Ganz viel "Liebe" tragen die Wettbewerbsteilnehmer aus Österreich zum Festival bei: Wie die Festivalleitung aus Cannes am Donnerstag mitteilte, gehen Michael Haneke mit "Amour" und Ulrich Seidl mit "Paradies: Liebe" ins Rennen. Haneke konnte bereits 2009 in Cannes mit "Das weiße Band" triumphieren.

Fatih Akin außer Konkurrenz

Auch der französische Altmeister Alain Resnais steht beim diesjährigen Festival mit seinem Film "Vous n'avez encore rien vu" im Wettbewerb, ebenso wie der dänische Dogma-Regisseur Thomas Vinterberg, der mit seinem neuen Film "Jagten" ins Rennen geht. Vinterberg wurde bereits 1998 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

Außer Konkurrenz läuft im Festival der neue Film vom italienischen Starregisseur Bernardo Bertoluccis "Io E Te". Die Verfilmung von Niccolo Ammanitis Roman erzählt von dem einsamen 14-jährigen Lorenzo Cuni, der sich vor einem Schulausflug drückt und in einem Keller versteckt. Zur Konfrontation mit einem älteren Mädchen kommt es, als sie ihn zwingen will, sich dem Leben zu stellen.

Der einzige deutsche Regisseur, der seinen Film auf dem Festival präsentieren kann, ist Fatih Akin mit der Dokumentation "Der Müll im Garten Eden". Doch auch dieser Beitrag läuft im Wettbewerb außer Konkurrenz und wird im Rahmen von Spezialvorführungen gezeigt. Ansonsten beschränken sich die deutschen Beiträge an den Wettbewerbsfilmen auf Co-Produktionen. So entstand beispielsweise das Kriegsdrama "Im Nebel" vom russischen Regisseur Sergei Loznitsa unter der Co-Produktion einer Leipziger Produktionsfirma.

Bereits am Mittwoch gab die Festivalleitung den Abschlussfilm bekannt: Zu Ehren des am 4. April im Alter von 70 Jahren verstorbenen französischen Regisseur Claude Miller wird am 27.Mai sein letzter Film "Therese Desqueyroux" mit Audrey Toautou das Festival außer Konkurrenz schließen. Miller starb kurz vor Vollendung des Schnitts.

Zwischen dem 16. und dem 27. Mai werden in Cannes insgesamt 22 Filme im Wettbewerb um eine "Goldene Palme "antreten - nach wie vor stammen die meisten der Filme aus dem Bereich des Autorenkinos. Jurychef ist der italienische Regisseur Nanni Morreti.

tre/AP/dapd/dpa



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