Filmfestival in Locarno Zwei deutsche Filme ausgezeichnet

Überraschung beim Filmfestival in Locarno: Ein französischer Low-Budget-Film mit Laiendarstellern hat den Goldenen Leoparden gewonnen. Den Jury-Preis bekam die amerikanische Produktion "Somebody Up There Likes Me". Auch zwei deutsche Beiträge wurden prämiert.

Der französische Regisseur Jean-Claude Brisseau: Er bekam den Goldenen Leoparden
DPA

Der französische Regisseur Jean-Claude Brisseau: Er bekam den Goldenen Leoparden


Locarno - Die Jury des 65. Internationalen Filmfestival in Locarno hat sich für die Einfachheit und gegen Firlefanz entschieden. Der französischen Film "La Fille de Nulle Parte" ("Das Mädchen von Nirgendwo") wurde mit dem Goldenen Leoparden ausgezeichnet. Gedreht wurde die Low-Budget-Produktion von Regisseur Jean-Claude Brisseau in dessen eigener Wohnung - mit sich selbst als Hauptdarsteller und Leintuch-Gespenstern als Special Effects.

Das Kammerspiel um eine junge Frau und einen alten Mann habe besonders durch eine geradezu magische Bildgestaltung beeindruckt, so die Begründung der Jury. Regisseur Jean-Claude Brisseau spiegelt in der Geschichte auf kunstvolle Art die Schwierigkeiten Einzelner in einer immer unübersichtlicheren Welt, den eigenen Lebensweg zu gestalten, hieß es weiter.

Jury-Präsident Apichatpong Weerasethakul sagte zur Preisvergabe: "Uns hat die Vielzahl an Filmen gefallen, die sich den verschiedenen Krisen in unserer Welt auf höchst unterschiedliche Weise annehmen." Sein kanadischer Mit-Juror Roger Avery, Drehbuchautor und Regisseur in den USA, sagte: "Wir haben die Filme geehrt, die uns inhaltlich und formal derart überrascht haben, dass wir sie uns immer und immer wieder ansehen könnten." Das Schweizer Filmfest am Lago Maggiore zählt hinter Cannes, Berlin und Venedig zu den wichtigsten europäischen Festivals.

Das deutsche Kino erhielt den Hauptpreis in der "Woche der Kritik" für die Dokumentation "Vergiss mein nicht". Regisseur David Sieveking porträtiert hierin mit schonungsloser Offenheit seine an Demenz leidende Mutter. Der deutsche Film galt von Anfang an als Favorit in der "Woche der Kritik".

Das Anti-Kriegsdrama "Lore" wurde mit dem Preis für den besten Film im Freiluftprogramm auf der Piazza Grande ausgezeichnet. Der Streifen zeigt das Schicksal elternloser Kinder am Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland. Regisseurin Cate Shortland hat den Film als deutsch-australisch-britische Koproduktion umgesetzt.

Der Spezialpreis der Jury ging an die US-amerikanische Komödie "Somebody Up There Likes Me". Regisseur Bob Byington zeigt hierin stilistisch die lebenslange Suche eines Mannes nach sich selbst.

Der Preis für die beste Regie wurde dem Chinesen Ying Liang für das Drama "Wo Hai You Hua Yao Shuo" ("When Night Falls") verliehen. Das Werk besticht durch die fast dokumentarisch wirkende Inszenierung eines auf Tatsachen beruhenden Dramas um einen Justizmord in Shanghai.

Insgesamt liefen in den vergangenen elf Tagen auf dem Filmfestival von Locarno rund 300 Filme in verschiedenen Sektionen. Im Internationalen Wettbewerb um den Goldenen Leoparden konkurrierten 19 Dokumentar- und Kurzfilme aus aller Welt.

lei/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.