Venedig 2012 Die Frauen sollen es richten

Frauenpower in Venedig - das wünscht sich zumindest Festivalchef Alberto Barbera. Eröffnet wird das Festival am Mittwoch mit einem Politthriller der Starregisseurin Mira Nair, was tatsächlich ein starkes weibliches Statement verspricht. Ansonsten aber bleibt die Frauen-Quote bescheiden.

Getty Images for DTFF

Venedig/Hamburg - Venedig hofiert die Frauen. Der neue, alte Leiter der Mostra internazionale d'arte cinematografica, Alberto Barbera, will femininer Filmkunst ein Podium bieten: Zur Eröffnung des 69. Filmfestivals von Venedig am Mittwochabend präsentiert er das Polit-Drama "The Reluctant Fundamentalist" der indischen Regisseurin Mira Nair.

"Die Eröffnungsnacht ist einem Film gewidmet, der viel Gedankenfutter liefert," teilte Barbera mit. "Diese Wahl zielt darauf ab, die zunehmend wichtigere Rolle weiblicher Kreativität in allen kulturellen Sphären und in der gegenwärtigen Gesellschaft hervorzuheben. Mira Nair hat eine beispielhafte Romanverfilmung vorgelegt, die sich mit dem Thema des Fundamentalismus auseinandersetzt."

In dem Film "The Reluctant Fundamentalist" (deutscher Buchtitel: "Der Fundamentalist, der keiner sein wollte") sind neben dem Briten Riz Ahmed als Titelheld die Schauspieler Kate Hudson und Kiefer Sutherland zu sehen. Der Thriller beruht auf dem Bestseller des pakistanischen Schriftstellers Mohsin Hamid.

Die Leinwandgeschichte handelt vom Leben des jungen Pakistani Changez Khan. Nach einem Studium an der US-Elite-Uni Princeton beweist er in einem Unternehmen in New York sein Talent als Wirtschaftsprüfer. Khan legt schnell eine kometenhafte Karriere hin, lernt ein nettes amerikanisches Mädchen kennen und kann sein Glück vom amerikanischen Traum kaum fassen. Doch dann greifen Terroristen 2001 das World Trade Center an - und Khans Leben bricht nach und nach auseinander. Er wird verdächtigt, in Pakistan zu den Terroristen übergelaufen zu sein. Mira Nair zeigt mit stimmungsvollen Bildern aus den gegensätzlichen Welten auch ein universelles Drama um Menschen auf der Suche nach sich selbst, nach ihrem Weg im Leben.

US-Regisseur Michael Mann leitet die Jury

Der Thriller von Mira Nair, die im Jahr 2001 mit ihrem Film "Monsoon Wedding" den Goldenen Löwen gewann und zuletzt 2004 mit "Vanity Fair" in Venedig war, ist einer von 18 Beiträgen, die ins Rennen um die wichtigste Trophäe der Festspiele gehen. Zu den Regisseuren im Wettbewerb gehören Brian De Palma, Paul Thomas Anderson, Takeshi Kitano, Terrence Malick und der Österreicher Ulrich Seidl - dessen Film "Paradies: Glaube" ist eine deutsche Koproduktion. So viele Frauen wie Leiter Barbera suggeriert sind dann doch nicht auf dem Festival vertreten: Neben Nair beteiligen sich nur vier weitere Regisseurinnen am Wettbewerb, darunter Francesca Comencini mit einem italienischen und Rama Burshtein mit einem israelischen Beitrag.

Welcher Film den Goldenen Löwen erhält, entscheidet die Jury unter dem Vorsitz des US-Regisseurs Michael Mann. Ihr gehören unter anderen die französische Schauspielerin Laetitia Casta und der italienische Filmemacher Matteo Garrone an. Wie jedes Jahr werden sich auf dem Lido wieder zahlreiche Stars drängen: Nach Angaben der Festivalleitung haben sich etwa Jeanne Moreau, Claudia Cardinale, Ben Affleck, Gérard Dépardieu, Javier Bardem und Winona Ryder angekündigt. Auch Robert Redford soll zur Mostra kommen.

Das Festival endet am 8. September. Im vergangenen Jahr gewann der russische Regisseur Alexander Sokurow mit einer monumentalen Version des Goethe-Klassikers "Faust" den Goldenen Löwen.

Im Dezember 2011 ernannte der Vorstand der Mostra Alberto Barbera zum neuen Direktor des renommierten Filmfestivals. Der 61-Jährige hat den Posten von Marco Müller übernommen, der das Filmfestival seit 2004 geleitet hatte und fortan die Festspiele in Rom führt. Barbera ist in Venedig wohlbekannt: Bereits von Dezember 1998 bis April 2002 leitete er die Biennale. Es wird von ihm erwartet, dass er die Bedeutung der Mostra im Festivalkalender Italiens stärkt.

bos/dpa/AFP



insgesamt 2 Beiträge
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pebcac 29.08.2012
1. Wenn...
Frauen so coole Filme wie Michael Mann machen, dann wird`s auch was mit der "zunehmend wichtigere[n] Rolle weiblicher Kreativität in allen kulturellen Sphären und in der gegenwärtigen Gesellschaft" ;-)
Jupiter00 02.09.2012
2. Alle Jahre wieder
Dass die Debatte nach dem Cannes Filmfestival immer noch besteht ist fraglich. Wenn der Festivalchef Frauenpower will, dann sollte er sich an einer 50 Prozent Quote richten, es werden immerhin sehr viele Filme dort eingereicht. Stellt sich dann nur die Frage ob es Qualitativ Sinn macht.
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