Filmfirma Pixar Wer hat's erfunden? Steve nicht

"Toy Story", "Findet Nemo", "Oben" - Pixar produziert Filme nach dem Steve-Jobs-Rezept: genial einfach, aber perfekt bis ins Detail. Der Apple-Gründer gilt als Schöpfer der Animationsfilm-Firma. Doch das ist ein Mythos.

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Lee Unkrich war sichtlich gerührt. Der Regisseur hatte gerade den Animationsfilm-Oscar für "Toy Story 3" gewonnen. Dabei war das eigentlich keine echte Überraschung. Neun Mal wurde der Preis zuvor verliehen, fünf dieser Academy Awards räumten Pixar-Filme ab. Aufgeregt erklärte er: "Ich wäre nicht hier, wenn nicht drei Männer eine Vision gehabt hätten." Dann nannte er drei Namen: John Lassetter, Ed Catmull - und Steve Jobs. "Die Gründer der Pixar Animation Studios", nannte er das Trio.

Pixar, ein weiterer Geniestreich von Steve Jobs. Irgendwie hat es sich so in den Köpfen festgesetzt. Die Filmfirma passt ja auch perfekt in sein Portfolio. Nicht nur weil Pixar, ebenso wie Apple, eine grandiose Erfolgsgeschichte ist. Werke wie "Toy Story", "Findet Nemo" oder "Oben" folgen wie iPhone und iPad dem Jobs-Rezept: Sie sind genial einfach und doch perfekt bis ins Detail. Ihre Oberfläche ist so universell verständlich und intuitiv konsumierbar, dass sie einen den ungeheuren technischen Aufwand, der sie am Laufen hält, vergessen lässt. Oder anders: Wenn es Pixar nicht gäbe, Jobs hätte das Unternehmen erfinden müssen.

Einer, der am Abend der Oscar-Verleihungen nicht ins Kodak Theatre eingeladen war, ärgerte sich dennoch mächtig über die Worte des "Toy Story 3"-Regisseurs: Es war Alvy Ray Smith, der Mitbegründer von Pixar. "Es stimmt nicht, dass Jobs Pixar gegründet hat", erklärt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, "das waren Ed Catmull und ich. Jobs war nur der Geldgeber."

Aber warum taucht Smiths Name auf der Internetseite des Unternehmens nirgendwo auf? Als Smith dies entdeckte, habe ihn das verwirrt und verärgert, aber nicht besonders überrascht. "Steve Jobs und ich", erklärt er, "hatten nie ein besonders gutes Verhältnis." Er vermutet, dass Jobs dafür verantwortlich war, dass er aus der Geschichte von Pixar ausradiert wurde, und schreibt es dem Marketing-Verständnis des Apple-Gründers zu: "Gib ihnen eine einfache Botschaft, die sie sich leicht merken können." Ein Gründer, der später wieder ausgestiegen ist, um sich neuen Aufgaben zu widmen, passt einfach nicht dazu.

Die Technik war einfach noch nicht reif

Obwohl Smith Pixar Anfang der neunziger Jahre verlassen hat, ist es ihm wichtig, sich wieder in die Firmengeschichte einzuschreiben. Er ist im Besitz der Verträge, die am 30. Januar 1986 zwischen der bereits gegründeten Firma Pixar und Steve Jobs geschlossen wurden. "Pixar Inc." steht auf der einen Seite des Vertrags", Steve Jobs hat auf der anderen Seite unterschrieben, auf der Linie unter "Investor". Auf seiner Website zeigt Alvy Ray Smith sogar Scans dieser Verträge.

Auch mit der Idee, abendfüllende Computeranimationsfilme zu drehen, hatte Jobs herzlich wenig zu tun. Der Traum vom ersten Trickfilm aus dem Rechner wurde bereits 1975 geboren. In diesem Jahr vertrieb der 20-jährige Steve Jobs noch eine von Steve Wozniak entwickelte Kiste, die mit einem Trick kostenlose Ferngespräche ermöglichte.

Ed Catmull und Alvy Ray Smith studierten zu dieser Zeit gemeinsam am New York Institute of Technology, das heute als Wiege der 3D-Animation gilt. "Wir wussten damals aber, dass die Technik noch lange nicht reif dafür ist, einen abendfüllenden Film zu berechnen", erinnert sich Smith. "Wir warteten also darauf, dass die Computer leistungsfähig genug wurden."

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Steve Jobs: Sie nannten ihn iGod
Und während Jobs Apple aufbaute, heuerten Catmull und Smith bei George Lucas' Spezieleffektefirma Industrial Lights & Magic an, um dort mit Computeranimationen und rechnergesteuerten Technologien bei Filmen wie "Star Trek II" und "Krieg der Sterne" Pionierarbeit zu leisten. Ihrer Vision vom Kinofilm aus dem Computer kamen sie dabei allerdings kaum näher. George Lucas war damals vollauf mit seiner "Star Wars"-Saga beschäftigt und hatte kein Interesse an den digitalen Luftschlössern der beiden.

So machten sie sich 1985 auf die Suche nach einem Geldgeber - und fanden Jobs. Der Apple-Gründer war gerade aus seinem Unternehmen verdrängt worden und dabei, mit Next Computer eine neue Firma aufzubauen, als er von Pixar hörte.

Großspurig genug für einen Visionär

Während in den Wohnzimmern auf Heimcomputern wie dem Atari ST und dem C64 Textadventures und Klötzchengrafikspiele von 5-1/4-Zoll-Disketten geladen wurden, schien der Plan, einen ganzen Film aus dem Computer auf die Leinwand zu zaubern, wohl großspurig genug für den Visionär Jobs zu sein. Er investierte zehn Millionen Dollar.

War Jobs also wirklich nicht mehr als die Geldquelle von Pixar? Nicht ganz, auch wenn er keinen großen künstlerischen Einfluss nahm. Pixars "Toy Story", der erste abendfüllende Computeranimationsfilm, wäre ohne den Apple-Gründer wahrscheinlich niemals entstanden. Denn bei der Investition in Pixar setzte Steve Jobs alle seine Talente ein. Zum einen verstand er sofort, wie sinnvoll es war, das aufwendige Verfahren, in dem Zeichentrickfilme entstanden, nämlich Bild für Bild auf dem Zeichentisch, irgendwann durch Computer zu erleichtern. Zum anderen kannte er sich wie das Duo Catmull/Smith mit großen Träumen aus. Und ahnte vermutlich auch damals schon, dass diese manchmal große Summen verschlingen.

Zehn Jahre sollte es von der Gründung Pixars bis zur Verwirklichung ihres gemeinsamen Traums dauern. Eine Dekade voller Erfolge wie dem bahnbrechenden Kurzfilm "Luxo Jr.", in dem der Regisseur John Lassetter 1986 zwei Schreibtischlampen Leben einhauchte, oder dem Oscar für den Kurzfilm "Tin Toy" von 1989. Aber auch voller banger Momente. Denn Geld machte das Unternehmen kaum, und Steve Jobs musste über die Jahre weitere 50 Millionen nachschießen.

Am Ende sollte er seine Investition nicht bereuen. Mit "Toy Story" schrieb Pixar 1995 Filmgeschichte, der steile Aufstieg des Unternehmens begann. Insofern hatte "Toy Story 3"-Regisseur Lee Unkrich bei den Oscars wohl doch recht damit, dass er ohne Jobs, ob nun Gründer oder nicht, keine Trophäe bekommen hätte - weil es die Firma ohne das Durchhaltevermögen des Apple-Gründers vielleicht gar nicht mehr geben würde.

Und Alvy Ray Smith? Der Computerpionier hegt keinen Groll gegen Pixar. "Ich lebe heute in Berkeley, nur ein paar Blocks vom Pixar-Hauptquartier entfernt." Lasseter und Catmull würde er immer noch regelmäßig treffen. Nur Steve Jobs ist er seit damals aus dem Weg gegangen. "Vor einigen Jahren waren wir beide auf einer Party im Museum of Modern Art", erinnert er sich. "Mehrere Leute waren schwer damit beschäftigt, dass wir uns nicht über den Weg laufen."

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insgesamt 51 Beiträge
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M. Michaelis 06.10.2011
1. ...
Es geht überhaupt darum wer etwas erfunden hat, sondern darum wer etwas aussergewöhnliches und erfolgreiches daraus gemacht hat. Und das konnte Jobs nicht nur bei Apple, sondern auch bei PIXAR. Was nützt eine Erfindung wenn nichts daraus gemacht wird oder sie unter ihren Möglichkeiten und kaum beachtet bleibt.
Laura82, 06.10.2011
2. Warum Spiegel Online Mythen aufklärt
Weil es diese Mythen selber in die Welt setzt.
PeteLustig, 06.10.2011
3. .
Ein nichtssagender Artikel. Dass Jobs als Geldgeber Pixars fungierte, war jedem wikipediakundigem Interessierten bereits seit Jahren klar. Die Gründe für seine Verstimmung Jobs gegenüber werden nicht einmal ansatzweise erwähnt oder erläutert. Verschenkte Zeit. PS: Toy Story 1 war der schlechteste und langweiligste Pixar-Film ever. Ich weiß noch wie heute, dass ich unendlich enttäuscht und gelangweilt aus der Vorstellung kam.
Izmir.Übül 06.10.2011
4. Für alle was dabei
Zitat von sysop"Toy Story", "Findet Nemo", "Oben" - Pixar produziert Filme nach dem Steve-Jobs-Rezept: genial einfach, aber perfekt bis ins Detail. Der Apple-Gründer gilt als Schöpfer der Animationsfilm-Firma. Doch das ist ein Mythos. http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,790377,00.html
Werden jetzt nach den euphorischen, posthumen Lobpreisungen die kritischen Artikel nachgeschoben? Hier ist ja auch schon einer: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,790325,00.html
Haio Forler 06.10.2011
5. .
Zitat von M. MichaelisEs geht überhaupt darum wer etwas erfunden hat, sondern darum wer etwas aussergewöhnliches und erfolgreiches daraus gemacht hat. Und das konnte Jobs nicht nur bei Apple, sondern auch bei PIXAR. Was nützt eine Erfindung wenn nichts daraus gemacht wird oder sie unter ihren Möglichkeiten und kaum beachtet bleibt.
Gut, dann ist er baer nciht der "Weltverbesserer" oder der größte "praktische Philosoph", sondern der größte "Geldgeber". Nur: das steht nirgendwo ... Und damit in einer Reihe mit Bill Gates. Aber ob es das war, was Apple-Produkte so interessant gemacht hat? Denke nicht ;)))
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