Filmförderung Eine neue Chance für den deutschen Film?

Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin ist zu Recht besorgt um den heimischen Marktanteil deutscher Kinoproduktionen. Um noch mehr Fördergelder herauszuschlagen, will er sogar die Ticketpreise erhöhen.


Teurer Spaß: Kinotickets bald über 20 Mark?
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Teurer Spaß: Kinotickets bald über 20 Mark?

Berlin - Geht es nach den Vorstellungen von Nida-Rümelin (SPD), sollen die Eintrittskarten zu Gunsten einer stärkeren Förderung des deutschen Films geringfügig verteuert werden. Einen entsprechenden Vorschlag unterbreitete er am Mittwoch unmittelbar im Anschluss an eine Sitzung des Kulturausschusses des Bundestages, der Nida-Rümelin breite Rückendeckung für eine umfassende Reform der Filmförderung in der Bundesrepublik gab. Das weitere Vorgehen soll jetzt auf dem nächsten Treffen des Branchen-"Bündnisses für den Film" am 7. Dezember erörtert werden.

Eine Anhebung der Kinokartenabgabe, die zurzeit bei 2,3 Prozent liegt, um nur wenige Prozent würde die Preise der Kinokarten nach den Worten Nida-Rümelins nicht merklich verändern, aber die Finanzierungssituation deutscher Filmproduktionen deutlich verbessern. "Eine Erhöhung der jetzt schon geregelten gesetzlichen Abgabe an die Filmförderungsanstalt um nur einen Prozentpunkt würde die Mittel zu Gunsten des deutschen Films um ein Drittel erhöhen", sagte der Staatsminister.

Staatsminister Nida-Rümelin: "Um ein Drittel erhöhen"
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Staatsminister Nida-Rümelin: "Um ein Drittel erhöhen"

"Das wäre gleichzeitig auch eine indirekte Subvention des deutschen Films durch die dominierenden US-Filme auf dem deutschen Markt. Das macht wirtschaftlich Sinn." Rolf Bähr vom Vorstand der Filmförderungsanstalt (FFA) hält allerdings wenig von diesem Vorhaben, solange nicht die Fernsehanstalten ihre Beiträge deutlich erhöhten. Die Kinobesitzer hätten es schwer genug, sagte Bähr. Auch Nida-Rümelin sieht hier Handlungsbedarf. "Aus diesen Quellen könnte es durchaus reichlicher fließen", sagte er.

Der Bund will jedoch seinen Spielraum "voll ausschöpfen" und sich gleichzeitig mit den einzelnen Länderförderungen eng abstimmen. Der Kulturausschuss erhofft sich von dem "tief greifenden Strukturwandel" der deutschen Filmwirtschaft eine neue Chance für den deutschen Film, um ihn im In- und Ausland aufzuwerten, wie die Ausschuss-Vorsitzende Monika Griefahn (SPD) betonte. "Wir werden noch viel zu tun haben, um den Marktanteil von unter 20 Prozent in Deutschland wie in Frankreich auf rund 50 Prozent zu steigern", sagte Griefahn. Die Novelle des Filmförderungsgesetzes steht aber ohnehin erst im Jahr 2003 an, so dass noch ausreichend Zeit für Diskussionen bleibe, betonte auch Nida-Rümelin.



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