Filmkomödie "Shopaholic" Schnäppchen mit Deppchen

So stellt sich Hollywood also die Bewältigung der Wirtschaftskrise vor: In P. J. Hogans "Shopaholic" wird eine Kaufsüchtige zur Finanzexpertin. Doch die Rechnung geht nicht auf. Schon gar nicht für die angepeilte Zielgruppe: die Frauen.
Von Daniel Haas

Produzent Jerry Bruckheimer nannte den Film "a tale of triumph", eine Siegerstory. Eine modenärrisches Großstadt-Girl wird Wirtschaftsredakteurin, überwindet ihre Kaufsucht und kriegt einen tollen Mann. Tatsächlich ist "Shopaholic - Die Schnäppchenjägerin" ein Triumph - über alles, was einen guten chick flick eigentlich ausmacht.



Frauenfilme, mit ihrer gut vermarktbaren Mischung aus Humor und Herzschmerz, Zeitgeistgespür und Großstadtflair, gelten als sicheres Investment an der Box-Office-Börse. "Sex and the City - der Film", "Mamma Mia!" und Anfang dieses Jahres "Twilight" bescheren den Studios Einspielerfolge. Die traditionell aufs Fernsehen abonnierte Frauenzielgruppe zieht es endlich wieder ins Kino.

Doch die neuen Blockbuster für Ladys unterschätzen ihr Publikum. In den Worten von Diane Purkiss, einer Feminismusforscherin an der Universität Oxford: "Das ganze Genre verblödet." Gemeint sind Romanzen wie "Er steht einfach nicht auf dich", "Marley & Ich" und "Bride Wars - Beste Feindinnen", dessen Frauenbild Purkiss im englischen "Guardian" als das eines "besoffenen Proleten" beschrieb, "der in der Highschool kein einziges Date abbekam".

"Shopaholic" ist der Film, den sich die Lehman-Brüder ausdenken würden, sperrte man sie mit einem Pfund Haschisch und einem sexistischen Drehbuchautoren in ein Zimmer ein. Eine Shopping-abhängige New Yorkerin (Isla Fisher) will bei einem Modemagazin anheuern.

Weil sie dafür aber nicht qualifiziert ist, wird sie - Ironie des Schicksals - Redakteurin eines Wirtschaftsblatts. "Successful Saving", erfolgreich sparen heißt die Postille; die Heldin schreibt darin eine Kolumne, in der sie den Leuten "da draußen" die Finanzkrise erklärt.

Ihre eigene Shoppingsucht kriegt Rebecca Bloomwood, so der Name der Irgendwie-Journalistin, am Ende ebenso in den Griff wie ihren Chef (Hugh Dancy), der sich natürlich als Mr. Right herausstellt. Dass das Ganze als simple Erbauungsgeschichte daherkommt, ist nicht das Problem. Man kann von einem Popcorn-Movie nicht die Kulturkritik eines Autorenfilms erwarten. Dass Frauen aber als quiekende, greinende, gegen Büroglaswände laufende Blödiane verunglimpft werden, hat wenig mit Komik und rein gar nichts mit Feminismus zu tun.

Den behauptet der Film jedoch auf dreist-ordinäre Weise: Bloomwood soll eine Heroine für die Finanzcrash-Ära sein, eine Krisengewinnlerin, die im richtigen Augenblick das zu Markte trägt, was bei Frauen Mehrwert generiert: ein nettes Lächeln, ein tiefes Dekolleté.

Dazu gibt es die obligate Feier des Kleinbürgermilieus, das sich auch dieser Film als Hort von Moral und Integrität ausmalt. Rebeccas Eltern (Joan Cusack, John Goodman) sind Billigklamotten tragende, auf Flohmärkten einkaufende Gutmenschen, die ihren Urlaub im Wohnmobil verbringen. Für solche Spießer hätte selbst die leutselige Carrie Bradshaw aus "Sex and the City" nur ein mokantes Lächeln übrig gehabt.

"Shopaholic" ist also nicht der Film zum Wirtschaftscrash; er will uns nichts erzählen über den Fetisch Ware und was er in Zeiten der Rezession für uns bedeuten kann.

Dabei gibt es ein paar hübsche Gags, die auf den Zusammenhang von Kalkül und Gefühl verweisen. "Ein Mann wird dich niemals so gut behandeln wie eine Boutique", sagt Bloomwood im Angesicht edler Schaufenster-Auslagen. Das stimmt: Das Begehren lässt sich unter tauschlogischen Bedingungen viel besser organisieren als im freien Feld der Emotionen.

Darum wirkt das herbei gezwungene Happy End inklusive Paarbildung auch so reaktionär. Selbst in diesem Punkt war "Sex and the City" weiter: Die Erfüllung wurde immer aufgeschoben. Sicheren Lustgewinn brachte nur der Kauf des nächsten Paars Schuhe.

Die Plumpheit dieses Konsummärchens ist umso ärgerlicher, als die Hauptdarstellerin wirklich komisch ist. Isla Fisher, bekannt geworden als sexbesessene höhere Tochter in der Klamotte "Die Hochzeitscrasher", ist ein Slapstick- und Clownstalent. Mit ihren Vaudeville-Qualitäten kann sie noch die stumpfesten Handlungsklischees mit Ironie aufladen. So gibt es in "Shopaholic" eine Tango-Szene, in der sie den Geliebten mit herrlich verrückten Phantasie-Moves umtanzt.

Doch dafür einen ganzen Film durchsitzen? Das rechnet sich nicht.

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