Neuauflage von "Robin Hood" In die Gegenwart geballert

Gefechte wie im Irakkrieg, Jungstar Taron Egerton in der Titelrolle: Die Neuauflage von "Robin Hood" gibt sich große Mühe, die Geschichte vom edlen Räuber an die Jetztzeit anzudocken. Klappt das?

Studiocanal

Am Anfang von Otto Bathursts "Robin Hood" hält eine Erzählstimme in schnoddrigem Tonfall fest, dass man nicht vorhabe, uns mit der historischen Wahrheit zu langweilen. Es ist ein Satz, der wie eine programmatische Ansage klingt: Der Film will es mit der Realität nicht allzu genau nehmen, schließlich gilt es, eine mitreißende Geschichte zu erzählen.

Aber schon bald merkt man, dass der Satz in Wahrheit reine Koketterie ist. Denn an nichts klammert sich "Robin Hood" so manisch wie an den tatsächlichen Lauf der Geschichte. Historisch ist der Film zwar im englischen Mittelalter angesiedelt, aber der Bezugsrahmen ist das frühe 21. Jahrhundert.

Wie jede Neuauflage einer schon oft erzählten Geschichte muss "Robin Hood" sein Thema nicht nur präsentieren, sondern gleichzeitig auch variieren: Aus der Abwandlung erhält die Neuauflage ihre Daseinsberechtigung - und Bathursts Film sucht diese sinnstiftende Abwandlung vor allem in permanenten Verweisen auf unsere Gegenwart.

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"Robin Hood": Agitator mit Pfeil und Bogen

Es ist zwar eine etwas schematische Strategie, doch sie erzeugt zumindest im ersten Drittel des Films ein paar interessante Reibungen. Nachdem der reiche Gutsherrensohn Robin von Loxley (Taron Egerton, "Kingsman") per Order des Sherriffs von Nottingham (Ben Mendelsohn) zu den Kreuzzügen abkommandiert wurde, findet er sich in den umkämpften Gassen einer arabischen Stadt wieder.

Kämpfe wie in Falludscha

Das anschließende Feuergefecht inszeniert Bathurst, als handele es sich um die Schlacht von Falludscha aus dem letzten Irakkrieg: Staubbedeckte Einsatztruppen eilen zielstrebig durch die Ruinen, Pfeil und Bogen im Anschlag wie ein modernes Sturmgewehr. Versteckte Scharfschützen lauern in den eingestürzten Häusern und die Steinbrocken, die von Katapulten durch die Luft gejagt werden, explodieren beim Aufschlag wie Mörser.


"Robin Hood"
USA 2018
Regie: Otto Bathurst
Drehbuch: Ben Chandler, David James Kelly
Darsteller: Taron Egerton, Jamie Foxx, Jamie Dornan, Ben Mendelsohn, Eve Hewson, Tim Minchin
Produktion: Universal Pictures, Imagine Entertainment
Verleih: Studiocanal
Länge: 116 Minuten
FSK: Ab 12 Jahren
Start: 10. Januar 2019


Der Film scheint in dieser Szene keinerlei Angst zu haben, ins Absurde und Lächerliche zu kippen, er nivelliert kurzerhand den Unterschied von einem knappen Jahrtausend und verschränkt auf Teufel komm raus zwei Bilderebenen, die nicht wirklich zueinander passen. Die Anreicherung der Vergangenheit mit Gegenwartsbezügen geschieht hier auf einer rein visuellen Ebene - und bewahrt sich gerade dadurch eine spannende, dynamische Offenheit.

Mit dieser Dynamik ist es leider vorbei, sobald Loxley ins bewölkte und auch ansonsten sehr eintönige England zurückkehrt. Zusammen mit einem heimlich eingewanderten arabischen Krieger (Jamie Foxx), der sich den Namen "Little John" gibt, macht er sich daran, als "Robin Hood" die Schatzkammern von Nottingham auszurauben, um so die Finanzierung der Kreuzzüge auszuhebeln.

Wofür steht dieser Robin Hood?

Dieser heimliche Feldzug entspinnt sich als eine Serie von Action- und Überfallssequenzen, die sich vor allem durch den zunehmend wahllosen Einsatz extremer Zeitlupe auszeichnen. Wie einen zähen Teig zerdehnt der Film dann einzelne Bewegungen, in der verzweifelten Hoffnung, vielleicht irgendwo etwas Schmackhaftes zu finden - und läuft dabei dann doch immer nur ins Leere.

Auch die Rückkopplungen an unsere Gegenwart werden im Laufe des Films immer verkrampfter und vollziehen sich auch größtenteils nicht mehr auf bildlicher, sondern nur mehr auf sprachlicher Ebene, als bloße Zitate, die wie Fremdkörper in der Abenteuerhandlung schwimmen. Wie um diese zunehmende Hilflosigkeit zu kaschieren, betont der Film lauthals den symbolhaften Charakter der Figur "Robin Hood" - ist sich aber der Widersprüchlichkeit dieses Symbols überhaupt nicht bewusst. Steht "Robin Hood" für die Einsetzung einer neuen politischen Ordnung oder für die Wiederherstellung einer alten? Ist er ein Kämpfer für soziale Gerechtigkeit oder gegen einen allzu steuerhungrigen Staat?

Diese Mehrdeutigkeiten könnte "Robin Hood" für sich nutzen, denn gerade hier ließe sich jene tagesaktuelle Relevanz herstellen, die der Film an anderer Stelle auf Biegen und Brechen unter Beweis stellen will. Doch Bathursts Film tut so, als würde er ganz genau wissen, wofür seine Hauptfigur steht - und macht sie genau dadurch komplett uninteressant.



insgesamt 13 Beiträge
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Fuxx81 09.01.2019
1. Nicht mein Fall
Ist visuell eine seltsame Mishung aus Moderne und Mittelalter, der ich überhaupt nichts abgewinnen kann. Entweder, oder.
gehdoch 09.01.2019
2. Ach Du meine Güte...
das ist ja wirklich nur noch gruselig anzusehen... Sollte jemand Interesse an mittelalterlicher Action haben, die sich wenigstens den ANSTRICH von Realität gibt, dem empfehle ich die Netflix Serie "Das letzte Königreich" Das basiert immerhin auf den Büchern von Bernard Cornwell und der schreibt m.E. mit die besten Bücher aus der Zeit und verdammt gut recherchiert. Immerhin ist der Mann auch Historiker. Dichter dran am mittelalterlichen Leben in England als "Vikings"... ok, das ist auch nicht so schwer Beste Robin Hood Verfilmung ist sowieso die mit Erol Flynn ;)
Atheist_Crusader 09.01.2019
3.
Ich gebe dem Film eine 50% Chance, dass Prinz Richard oder der Sherriff von Nottingham an irgendeiner Stelle ankündigt, er werde "make England great again". Das ist gerade Trend unter faulen Schreiberlingen.
Violator 09.01.2019
4. Bild 4
ist ja sowas von Eggsy vs. Krennic ^^
teichenstetter@gmail.com 09.01.2019
5. Da haben
die sich aber ausgerechnet einen ziemlich blassen Schauspieler dafür ausgesucht. In Kingsman war er schon sehr ärgerlich, wie allerdings der ganze Film.
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