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Bernd Eichinger: Ganz großes Kino

Foto: Krafft Angerer/ Getty Images

Filmlegende Produzent Bernd Eichinger gestorben

Er hat den deutschen Film geprägt, stand hinter Erfolgen wie "Der Name der Rose", "Das Parfum" oder "Der Untergang". Jetzt ist Bernd Eichinger überraschend gestorben. Der Produzent erlag in Los Angeles einem Herzinfarkt. Er wurde 61 Jahre alt.

Bernd Eichinger

Berlin/Los Angeles - Filmproduzent ist mit 61 Jahren überraschend gestorben. Das teilte Eichingers Produktionsfirma Constantin Film am Dienstag mit. Er erlitt demnach bereits am Montagabend während eines Essens im Freundes- und Familienkreis in Los Angeles einen Herzinfarkt. Der Münchner hatte einen zweiten Wohnsitz in Hollywood.

Eichinger habe mehr als 30 Jahre lang die Filmindustrie "national wie international" geprägt, hieß es in einer Mitteilung von Constantin Film. Eichinger war zeitweise Chef der Firma, die 1999 an die Börse ging. "Mit Bernd verlieren wir einen Freund und Weggefährten, unsere Trauer und den Schmerz kann man nicht in Worte fassen", hieß es weiter. "Wir alle sind geschockt von dieser unfassbaren Nachricht und fühlen mit der Familie und den Angehörigen, denen unsere tiefe Anteilnahme und herzliches Beileid gilt."

Eichinger hinterlässt seine Ehefrau Katja und eine Tochter. Die 29 Jahre alte TV-Moderatorin Nina Eichinger wurde einem breiten Publikum als Jurorin der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" bekannt.

Bernd Eichinger war einer der bedeutendsten deutschen, auch international erfolgreichen Filmproduzenten. Seinen letzten großen Erfolg feierte er mit "Der Baader Meinhof Komplex", in den Jahren zuvor waren seine Produktionen "Das Parfum", "Elementarteilchen" und "Der Untergang" in den Kinos zu sehen.

Seit seinem großen Durchbruch mit "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" im Jahr 1979 produzierte Eichinger Dutzende Filme, die vielfach auch internationale Erfolge waren. Spätestens 1984 wurde er mit der Michael-Ende-Verfilmung "Die unendliche Geschichte" (Regie: Wolfgang Petersen) zu einer internationalen Größe im Filmgeschäft.

Oscar für den besten fremdsprachigen Film

Der von ihm produzierte Film "Nirgendwo in Afrika" gewann 2003 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. Im vergangenen Jahr erhielt Eichinger die Ehrenauszeichnung beim Deutschen Filmpreis.

Die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin reagierte bestürzt auf die Todesnachricht. "Bernd Eichinger war vielleicht der größte und originellste Filmemacher der deutschen Nachkriegsgeschichte - vielleicht der einzige von wirklichem Weltformat", sagte Akademiedirektor Jan Schütte. Eichinger habe seine Karriere als Regisseur begonnen und deshalb auch als Produzent immer den richtigen Blick für und auf die Regisseure gehabt. "Mit ihm verliert die deutsche Filmwelt nicht nur einen Produzenten, sondern auch eine eigene Stimme", so Schütte.

Er sei "filmsüchtig", sagte Eichinger einst über sich selbst. Zwei, drei Filme pro Nacht anschauen, das sei kein Problem. Seine Obsession prägte sein Leben seit den frühen siebziger Jahren, als der Junge aus dem Bayerischen Wald zum Studium an die Münchner Hochschule für Fernsehen und Film kam. Seitdem war er Produzent, Drehbuchschreiber und Regisseur.

"Film, das war mein Leben"

Wer Eichinger begegnete, erlebte einen Filmbesessenen. In 30 Jahren produzierte er mehr als 70 Filme. Dass er so erfolgreich werden konnte, lag nicht zuletzt an seinem feinen Gespür für gute Stoffe und an seiner Leidenschaft. "Film, das war mein Leben", sagte Eichinger einmal in einem Interview.

"Er hat etwas Maßloses", charakterisierte ihn sein guter Freund und Regisseur Uli Edel. Eine Eigenschaft, die die Arbeit mit ihm nicht immer leicht machte, denn die Rolle des reinen Geldbeschaffers behagte ihm nicht. Er wollte künstlerisch mitarbeiten, den Filmen seinen Stempel aufdrücken, schrieb gerne selber an Drehbüchern mit, beteiligte sich an der Rollenbesetzung und war auch beim Filmschnitt dabei.

30 Jahre war Eichinger alt, als er die damals finanziell angeschlagene Verleihfirma Constantin Film übernahm. Innerhalb weniger Jahre sanierte er das Unternehmen, durchlitt Höhen und Tiefen, hatte immer aber auch Zeit für die künstlerischen Aspekte seiner Arbeit. 2006 gab Eichinger seine Anteile endgültig ab, blieb Constantin aber weiter als Produzent erhalten.

Entdecker und Förderer

Eichinger entdeckte Schauspieler wie Til Schweiger und förderte Jungregisseure wie Nico Hofmann. 2005 gab er sein Debüt als Opernregisseur mit Richard Wagners "Parsifal" an der Staatsoper Berlin. Allerdings erntete er damit überwiegend negative Kritiken im deutschen Feuilleton.

Wie leidenschaftlich Eichinger bei seinen Filmen war, zeigte vor allem "Der Baader Meinhof Komplex", bei dem Uli Edel Regie führte. "Ich hätte nicht gedacht, dass mich dieser Film so mitnehmen, so angreifen würde", sagte Eichinger in einem Interview. Die Beschäftigung mit dem Stoff habe ihn plötzlich sehr traurig gemacht, er sei in eine regelrechte Depression verfallen. Doch dieses Tief habe ihn gestärkt. Auch sein nächstes Projekt wäre harte Kost geworden: Er wollte 2012 die Geschichte des österreichischen Entführungsopfers Natascha Kampusch ins Kino bringen.

Öffentlich gab sich Eichinger oft geheimnisvoll. Zwar ließ er sich auch gerne auf dem roten Teppich bei einer Filmpremiere blicken, gleichzeitig war er jedoch zurückhaltend und ließ nur wenig Einblick in sein Privatleben zu. Trotzdem umgab ihn immer eine Aura des Glamours - die Schauspielerinnen Hannelore Elsner, Barbara Rudnik, Katja Flint oder Corinna Harfouch standen ihm nahe.

Mit Eichingers Tod hat Deutschland einen seiner berühmtesten Filmschaffenden verloren.

suc/wit/AFP/dpa
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