Filmprojekte Die Leni-Riefenstahl- Welle

Nach den Martial-Rockern von Rammstein finden nun auch deutsche und amerikanische Filmemacher, darunter Hollywoodstar Jodie Foster, Gefallen am Lebenswerk von Leni Riefenstahl. Inzwischen sind drei Produktionen über die umstrittene Regisseurin in Arbeit.


Leni Riefenstahl
DPA

Leni Riefenstahl

Hamburg - Neben Projekten in München und Los Angeles planen nun auch zwei Hamburger Produktionsfirmen einen Spielfilm über die umstrittene deutsche Regisseurin, die in zweieinhalb Jahren ihren 100. Geburtstag feiert. ("Triumph des Willen", "Olympia"). Der Film wolle die Karriere und das Werk Riefenstahls einer kritischen Würdigung unterziehen, teilten die Studio 1 Filmproduktion und Rainer Kommerz Film & TV Produkte am Dienstag in Hamburg mit. Geplanter Titel: "Penthesileias Persilschein"

Die Rechte an einer Verfilmung der Riefenstahl-Memoiren hatte sich zuvor die Münchner Odeon Film AG gesichert. Die Rolle Riefenstahls in der NS-Zeit und ihr abenteuerliches Leben in der Nachkriegszeit sollen dabei thematisiert werden.

Unabhängig davon will auch Hollywoodstar Jodie Foster das Leben der mittlerweile 97-jährigen Regisseurin verfilmen. Rechtliche Schwierigkeiten sieht die amerikanische Produktionsfirma Primary in Los Angeles dabei nicht: "Das kommt schon mal vor, dass es konkurrierende Filmprojekte über Figuren des öffentlichen Lebens gibt", sagte Primary-Sprecherin Gabriele Bacher. "Ich bin natürlich sehr froh darüber, dass Jodie Foster das mit uns macht." Ein Drehbuch gebe es allerdings noch nicht.

Leni Riefenstahl ist eine der umstrittensten Persönlichkeiten der deutschen Filmgeschichte. Die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen in dem 1929 gedrehten Luis-Trenker-Film "Die weiße Hölle vom Piz Palü" machten die gebürtige Berlinerin berühmt. Ab 1933 drehte sie im Auftrag Hitlers Propagandafilme mit Dokumentarcharakter, so zum Beispiel "Triumph des Willens" über den NSDAP-Reichsparteitag 1934 in Nürnberg. Filmisch hochgelobt, zugleich aber auch als indirekte Propaganda kritisiert wurde ihr "Olympia"-Film über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin, der zuletzt für das Video "Stripped" der deutschen Rockgruppe Rammstein zu neuen Ehren kam.

Nach 1945 arbeitete Riefenstahl unter anderem als Fotografin und filmte Fische und Korallen. Ihre Memoiren erschienen 1987. Zu Hitler habe sie "kein besonderes" Verhältnis gehabt, zu Propagandaminister Joseph Goebbels auch nicht, hat die Regisseurin klargestellt.



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