Star des deutschen Heimatfilms Sonja Ziemann ist tot

Ob "Schwarzwaldmädel" oder "Grün ist die Heide": Mit viel Heimattümelei wurde Sonja Ziemann zum Inbegriff des westdeutschen Nachkriegskinos – bis sie versuchte, mit diesem Image zu brechen. Nun ist sie mit 94 Jahren gestorben.
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Zwei Filmtitel, deren Titel geradezu sinnbildlich für den Geist der Fünfzigerjahre stehen, sind "Schwarzwaldmädel" und "Grün ist die Heide". Beide sind eng mit der Schauspielerin Sonja Ziemann verknüpft – sie stieg mit ihnen zum größten Star des westdeutschen Films auf. Bis Anfang der Siebzigerjahre trat Ziemann in zahlreichen Kinofilmen und TV-Serien auf. Am Montag verstarb sie im Alter von 94 Jahren, wie ihr Bruder bestätigte.

Sonja Ziemann begann ihre künstlerische Karriere als Tänzerin, ab 1941 trat sie als Ballerina auf. Nach der Ausbildung an der Ufa-Schauspielschule folgten noch während des Zweiten Weltkriegs erste Auftritte in Spielfilmen. Ihr Leinwand-Debüt feierte Ziemann in einer Nebenrolle in dem Drama "Ein Windstoß". Ab 1949 war sie eine gefragte Darstellerin. Allein in diesem Jahr drehte sie fünf Filme, bevor 1950 der große Durchbruch mit der Operettenverfilmung "Schwarzwaldmädel" folgte. Den Film sahen 15 Millionen Zuschauer, überall in der Bundesrepublik gründeten sich Fanklubs des Traumpaars Sonja Ziemann und Rudolf Prack - auch wenn es damals hieß, die beiden könnten sich privat nicht ausstehen.

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Sonja Ziemann: Heimatfilm-Star, aber nicht nur

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Der SPIEGEL lästerte etwa, das Filmpaar schaffe es zuverlässig, "hölzern aneinander vorbei zu spielen". Ihrer Popularität tat das aber keinen Abbruch. Im Gegenteil: Ziemann galt gerade wegen ihrer Mischung aus Naivität, guter Laune und Unkompliziertheit als beliebtester Filmstar. 1950 wurde sie gemeinsam mit Prack mit einem Bambi ausgezeichnet, ein Jahr später legten die beiden mit "Grün ist die Heide" nach.

Der Erfolg der Filme trat eine Welle restaurativer Liebes-Dramen los, die einen Rückzug ins Private, heile Welt und den Fortbestand von Traditionen betonten. Daraus entstand schließlich ein eigenes Genre, der Heimatfilm, der noch bis in die Sechzigerjahre hinein bestimmend für das deutsche Filmschaffen blieb. Sonja Ziemann drehte bis zum Ende des Jahrzehnts 44 Filme, wobei sie sich schließlich von Rollen in Heimatfilmen abzusetzen versuchte. In der deutsch-polnischen Koproduktion "Der achte Wochentag" spielte sie etwa eine junge Frau, die im zerstörten Warschau einen Platz für sich und ihren Liebhaber sucht. Den Autor der literarischen Vorlage, Marek Hlasko, heiratete Ziemann kurz darauf.

Das pessimistische Sozialdrama läutete eine neue Karrierephase für die Schauspielerin ein. Sie war in den Folgejahren in dem Kriegsfilm "Hunde, wollt ihr ewig leben" zu sehen, 1959 gehörte sie neben O.W. Fischer und Heinz Rühmann zur Star-Riege des Dramas "Menschen im Hotel". Ende der Sechzigerjahre spielte Ziemann in der internationalen Großproduktion "Die Brücke von Remagen", bevor ihre Filmkarriere in den Siebzigern mit Fernsehserien ("Das Messer", "Der Kommissar") langsam ausklang. Ihren letzten Auftritt hatte sie nach langer Pause 1997 in der Sat.1-Vorabendserie "Park Hotel Stern".

2011 war sie noch einmal in der Talkshow "Beckmann" zu sehen, danach zog sich Ziemann aus der Öffentlichkeit zurück. Zuletzt lebte sie in einem Seniorenstift in München.

kae/dpa
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