Fotoserie "Kino-Magie" Vorhang auf zum Abschied

Bye-bye Nostalgie-Kino! Mit dem prächtigen Bildband "Kino-Magie" verabschiedet sich die Fotografin Christine Kisorsy vom Zoo Palast Berlin, der in diesem Jahr wohl zum letzten Mal die Berlinale beherbergen wird - und protestiert damit zugleich gegen die Massenabfertigung der Multiplexe.

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Zoo Palast Berlin: Magisches Kino
Die Hollywood-Stars kommen schon seit zehn Jahren nicht mehr hierher, nun könnte die laufende 60. Berlinale die letzte sein: Seit Donnerstag laufen im denkmalgeschützten Berliner Zoo Palast die Filme der Sparten "Panorama" und "Generation". Das Hauptprogramm der Festspiele mit Wettbewerbsfilmen und Weltpremieren findet aber seit 2000 am glitzernden Potsdamer Platz statt, dort liefen auch Regie-Meister Martin Scorsese und "Titanic"-Star Leonardo DiCaprio über den Roten Teppich.

Ende 2010 soll der Umbau des Zoo Palasts beginnen, mindestens zwei Jahre bleibt der Filmtempel geschlossen, der von 1957 bis 1998 den glamourösen Mittelpunkt der Berlinale bildete. Es heißt also Abschied nehmen vom "einst schönsten Kino Deutschlands", wie es Festival-Chef Dieter Kosslick nennt.

In dem nostalgischen und faszinierenden Bildband "Kino-Magie" zeigt die Fotografin Christine Kisorsy die schönsten Seiten des Schmuckstücks Zoo Palast; natürlich den großen Saal mit seinen 1074 roséfarbenen Sesseln und das darunter liegende Atelier. Aber auch die vielen kleinen Details, die den Palast vom Standard-Multiplex unterscheiden, finden ihren Platz: die Mahagoni-Wandvertäfelungen, die ovale Decke, die dank der Punktleuchten wie ein Sternenhimmel daherkommt oder der antiquiert-urige Fahrstuhl, Baujahr 1957.

Sechs Jahre hat Kisorsy den Zoo Palast fotografiert, ihr Buch ist ein Plädoyer für den Erhalt des Traditionskinos. Auf Bilder mit Publikum verzichtet die Künstlerin dabei, die leeren Kinosäle wirken wie ein stummer Protest gegen die Massenabfertigung der Multiplexe. Immerhin: Entgegen erster Pläne bleibt dem neuen Zoo Palast zumindest der große Saal erhalten - wenn auch mit 200 Plätzen weniger. Klar ist aber schon, dass die sieben kleinen, sogenannten Schachtelkinos ersetzt werden sollen, voraussichtlich durch drei moderne Kinosäle.

Wehmut ist auch bei Festivalchef Kosslick zu spüren, der das Vorwort für den Bildband beigesteuert hat: Er nennt den Palast das "Flaggschiff der Berlinale", das nicht nur "geniale Architektur" sei, sondern auch den Optimismus der fünfziger Jahre widerspiegele.

Nun ist es dem Niedergang geweiht.


Christine Kisorsy: "Kino-Magie. Zoo Palast Berlin", erschienen im Bertz+Fischer Verlag, 72 Seiten, 17,90 Euro.



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