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Gestorben Françoise Arnoul, 90

aus DER SPIEGEL 30/2021
Foto:

Mario De Biasi / ddp

Als ihr zweiter Film ins Kino kam, war die in Algerien geborene Schauspielerin gerade 18 Jahre alt – und sorgte für Aufsehen mit gewagten Szenen, wie man sie 1949 noch nicht gewohnt war. Die Rolle der skrupellosen Verführerin und freizügigen Frau blieb jahrelang an ihr haften. Erst mit ihrem berühmtesten Film, dem Musikfilm »French Can Can« von Jean Renoir (1955), befreite sie sich vom Image der Femme fatale. Neben Jean Gabin spielte Françoise Arnoul damals die Rolle der jungen Wäscherin Nini, die im Pariser Montmartre-Viertel lebt und als Tänzerin im Varieté »Moulin Rouge« zum Star wird. Arnoul nahm die Dinge gern selbst in die Hand: Sie war es, die den Filmproduzenten Henri Deutschmeister, der das aufwendige Werk finanzierte, mit Regisseur Jean Renoir zusammengebracht hatte. Von nun an wurden die Filmangebote für sie vielfältiger, die Schauspielerin suchte nicht strategisch aus, was ihre Karriere beförderte, sondern drehte, was ihr gefiel und Spaß machte. Als sie 1957 mit Roger Vadim arbeitete, warnte sie ihn, er solle in ihr auf keinen Fall eine zweite Brigitte Bardot suchen, die sei sie nicht. Arnoul engagierte sich später auch politisch, produzierte Werke des linken griechisch-französischen Regisseurs Costa-Gavras, unterstützte die Gewerkschaftsbewegung und unterzeichnete 1971 das »Manifeste des 343 salopes«, in dem viele prominente Französinnen das Recht auf Abtreibung einforderten. In mehr als 90 Film- und Fernsehproduktionen war sie zu sehen. Françoise Arnoul starb am 20. Juli in Paris.

bsa
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