Französische Komödie Frau Marceau trifft Herrn Schweiger

Was ist bloß aus dem französischen Esprit geworden? Die Komödie "Auf der anderen Seite des Bettes" mit Sophie Marceau ist erschütternd geistlos - und könnte hierzulande dennoch ein Erfolg werden. Die deutschen Zuschauer lachen ja auch über Til Schweigers reaktionären Geschlechterklamauk.

Von Andreas Banaski


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Französische Komödie: Rollentausch von vorgestern
Mehr als zwei Millionen Franzosen sind bereits ins Kino gerannt, um über ein gestresstes Leistungsträger-Paar beim Rollentausch abzulachen. Grund des Ehe-Experiments in "Auf der anderen Seite des Bettes": Ariane (Sophie Marceau) fühlt sich nicht recht gewürdigt. Mit Haushalt, Kindern und einer (überflüssigen, nur der Filmdramaturgie geschuldeten) Renovierung ihres ohnehin schon edlen Heims scheint sie ziemlich überfordert. Dennoch gönnt sie sich nicht, wie in diesen Besserverdienerkreisen üblich, eine Migrantenhaushilfe, sondern bindet sich noch einen Schmuckvertrieb ans Bein. Weil so eine Profession wohl genauso zu ihrem Selbstverständnis passt wie ihr rosa Kleinwagen.

Gender-reaktionäre Klamotte

Als Hugo (Dany Boon) - der ihren Nöten gegenüber ignorante Ehemann - auch noch quengelt, wird er zum Selbstversuch in ihren Alltag gepresst. Sie mischt dafür seine Baumaschinenfirma auf. Erste Amtshandlung: ein neuer Kaffeeautomat. Woran Frauen eben denken. Und wenn Frauen erst mal anfangen nachzudenken (inszeniert hat diese Gender-reaktionäre Klamotte übrigens eine Frau - Pascale Pouzadoux!), kommt es zu solch genialen Geschäftsideen: Den unpatenten, in froher Erwartung kreischenden Leidensgenossinnen werden zur Baumaschine gleich die passend knackigen Handwerker vermittelt, die ausschauen wie Chippendales-Striptänzer.

Ihr Mann wird inzwischen als "Hausfrau" enteiert, gefällt sich aber immer besser als Softie, der mit den Waffen des Weibischen am Pool schnatternden Gänsen den Schmuck seiner Frau andreht. Über das ganze Treiben stirnrunzelt dann noch Arianes Mutter (Anny Duperey), feministisch angehaucht, emotional allerdings angeknittert, müsste nur mal wieder glattgebügelt werden.

So weit, so TV-Privatsender-Comedy. Kann man/frau auch schicksalsergeben und achselzuckend drüber hinweggehen, statt sich sauertöpfisch aufzuregen. Schade nur um Dany Boon, der mit treuherzigem Blick gerade so etwas wie der neue Pierre Richard zu werden versprach. Immerhin kann er sich aber noch besser aus der Affäre ziehen als Sophie Marceau, die gesichtsentstellend grimassieren und am Ende entwürdigend zu Kreuze kriechen muss.

Kann das nun den deutschen Nerv treffen? Bestimmt. Solche Humorbomben hätten auch die Frauenversteher Mario Barth und Til Schweiger nicht explosiver zünden können.



insgesamt 22 Beiträge
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offenundehrlichgesagt 28.01.2010
1. es ist schade wie flach...
...diese filmbesprechung daher kommt. dabei haette dieser film durchaus geistig durchstiegen werden koennen. wenn man keinen oder einen anderen humor hat, mag das sein. wenn man aber der regisseurin (o-ton: "eine frau!!!") kein statement zu ihren geschlechtsgenossinnen zutrauen mag (stichwort kaffeemaschine), hat man schon ein gewaltiges problem als kritiker, der eigentlich all seine unbewusst mitgebrachten vorurteile und weltueberzeugungen moeglichst rauszuhalten hat. im uebrigen kann ein niveauloser film auch als geistige herausforderung bei der bewertung gesehen werden. millionen deutsche koennen anhand simpler dinge (auto/fussball) die welt interpretieren und erklaeren. so darf man auch gerne einmal etwas mehr in einem film sehen, als die regisseurin gemeint bzw. man ihr zugetraut hat.
zebaoth 28.01.2010
2. Gender-reaktionär
Allein der Gebrauch dieses idiotischen Ausdrucks disqualifiziert den Kritiker. Der Rest ist flach und trifft die Schwachstellen des Films nicht gut.
brdska koza, 28.01.2010
3. Danke!!
Mann, bin ich froh, auch mal eine andere Meinung im Hinblick auf die letzten in alle Höhen gelobten Filme von Til Schweiger zu lesen. Danke! Ich fand "Keinohrhasen" platt, lieblos zusammengeschustert und den guten Schauspielern nicht gerecht geworden. Und die Story war hanebüchen reaktionär. Die Beschreibung des Sophie Marceau - Films bzw. der Geschichte ebendieses scheint ja tatsächlich die selben Klischees zu bedienen... Ich werde ihn mir nicht zu Gemüte führen! Viele Grüsse
br0iler 28.01.2010
4. Humor ist wenn man trotzdem lacht
lieber Herr Banaski, Humor ist wenn man trotzdem lacht. Geschmäcker sind nunmal verschieden und nicht alles muss einen intelektuellen Hintergrund haben. Wenn der Film kurzweilig ist, dann hat er sein Ziel erreicht. Es geht darum Menschen zu unterhelten, nicht um Kritiker zufrieden zu stellen.
specchio, 28.01.2010
5. Mercedes
Frage mich oft anhand solcher Indikatoren, ob wir tatsächlich dabei sind, die Evolution negativ zu beeinflussen. Vorausgesetzt, die Heilige Evolution macht uns gescheiter, was ja eine andere Frage ist. Mal so getan. Werden wir also dümmer, obwohl wir doch gescheiter werden müssten, wenn wir die Selektion nicht behinderten? (Roland Koch, der alte Biologe, will ihr hingegen freien Lauf lassen.) Seit Jahrzehnten wird von der Eminenz der Bildung gefaselt. Klappen tut das aber so gut wie mit dem Arbeitsplätzeschaffen. Eher hat man das Gefühl, es ist wie mit der Resourcenverteilung. Arme Linien bleiben arm, dumme Linien bleiben dumm. Warum schafft es immer noch nicht fast jedes Kind auf das Gymnasium? Meinen Nachbarn müsste man attraktive Alternativen bieten zur Familienplanung, etwa eine LTur-Freikarte. Um bei den Indikatoren zu bleiben, war die Film- und Fernsehunterhaltung vor beispielsweise 30 Jahren besser? War Heinz Erhardt geistreicher als Mario Barth? Karl Valentin war es ganz bestimmt, der ist noch viel älter. War Hans Rosenthal heller als Thomas Gotttschalk, Kuhlenkampf intelektueller als Schmidt? Darüber gibt es sicher Dissertationen, mal suchen. Feststellen kann man allerdings zweifelsfrei, dass es sehr viele Doofe gibt, und die stören sich noch nicht mal daran. Aber nur solange, wie sie sichere Arbeitsplätze haben und auch sie Mercedes fahren können?
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