Frauen im Film Ihr habt nichts zu sagen

Ach Hollywood, du bist ja so männlich! Datenanalysten haben 2000 Drehbücher analysiert und zeigen: Schon in Disney-Filmen für Kinder sprechen meistens Männer - selbst wenn die Hauptfigur weiblich ist.
Mulan-Filmszene

Mulan-Filmszene

Foto: DDP/ Camera Press/ Disney

Die Diskussion um die Dominanz der weißen Männer in Hollywood brodelt schon länger. Nun haben zwei Datenanalysten des Projekts "Polygraph" Zahlen zu 2000 Filmdrehbüchern vorgelegt , die die Diskussion um die Darstellung von Frauen auf der Leinwand neu befeuern dürfte. "Es gibt viel Gerede, aber keine Daten", begründen die Autoren ihre Arbeit; sie sprechen von der "vermutlich bisher umfangreichsten Drehbuchanalyse".

Die Ergebnisse: Schon in Filmen für die Jüngsten haben Frauen wenig zu sagen. In 22 von 30 untersuchten Disney-Filmen hatten Männer und männliche Figuren die meisten Sprechanteile. Bei "Dschungelbuch" und "Toy Story" sind das über 90 Prozent.

Das Missverhältnis gibt es sogar in Filmen, in denen eine Frau oder ein Mädchen die Protagonistin ist. Im Film "Mulan" etwa hat ihr Berater-Drache Mushu Redeanteile, die die von Mulan um 50 Prozent übersteigen. Damit bestätigen die beiden Autoren des Berichts die Ergebnisse einer Studie aus dem Januar . Die hatte damals unter anderem "Die kleine Mehrjungfrau" kritisiert. Nur bei wenigen Ausnahmen, zum Beispiel bei "Maleficent" mit Angelina Jolie, sind es überwiegend Frauen, die sprechen.

"Polygraph"-Grafik zu Disney-Filmen

"Polygraph"-Grafik zu Disney-Filmen

Foto: Polygraph

Die "Polygraph"-Analyse ergibt außerdem: Quer durch alle Genres, egal ob Comedy oder Schnulze, sprechen Männer mehr. Je älter eine Schauspielerin wird, desto weiter schrumpft ihr Redebeitrag. Für männliche Schauspieler lässt sich dieser Zusammenhang nicht nachweisen. Nur bei 22 Prozent der untersuchten Filme gab es eine weibliche Hauptrolle, die tatsächlich auch am meisten sprach.

Die Methodik hat ihre Grenzen

Die Autoren der Analyse gehen auch auf Probleme ihres Vorgehens ein: Natürlich kann es in einem Film auch um eine Frau gehen, selbst wenn sie nicht spricht.

Außerdem verändern sich Filme im Schnitt oder während des Drehs noch mal enorm. Die Datenanalysten haben ihre Ergebnisse aber aufgrund von online verfügbaren Drehbüchern erstellt - die könnten mitunter deutlich vom fertigen Film abweichen. "Wir glauben trotzdem, dass die Ergebnisse von der Richtung her stimmen, auch wenn es für einzelne Filme Fehler geben dürfte", schreiben die Autoren. Sie haben ihre Rohdaten aus Transparenzgründen online gestellt , soweit möglich.

Die "Polygraph"-Macher haben in der Vergangenheit auch schon Filme auf Basis des sogenannten Bechdel-Tests analysiert . Der Test wird häufig genannt, wenn es um die Frage geht, wie präsent Frauen auf der Leinwand sind. Er wurde von einer Comiczeichnerin entwickelt und soll dabei helfen, abzuschätzen, ob ein Film traditionelle Rollenklischees bedient und Frauen nur die Nebenrolle spielen im Plot. Ein Film besteht den Bechdel-Test, wenn er drei Punkte erfüllt:

  • Es muss mindestens zwei weibliche Charaktere mit Namen geben.
  • Die Frauen müssen miteinander sprechen.
  • Die Frauen müssen über etwas anderes als Männer sprechen.

An solch einfachen Kriterien scheitern schon Filme wie "Harry Potter" oder "Gravity", obwohl Datenjournalisten das Vorurteil längst widerlegt haben, dass Filme mit weiblichen Hauptrollen weniger Geld einspielen.

In einem Punkt aber sind Frauen überdurchschnittlich repräsentiert, zeigt der aktuelle "Report on the Status of Women and Girls in California": Frauen sind in Hollywoodfilmen wesentlich häufiger nackt oder halbnackt zu sehen als Männer.

gru
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