Games-Verfilmung "Warcraft" Auf ein Kämpfchen in der Pixel-Pampa

Klar, Games-Verfilmungen sind heikel. Aber Duncan Jones' Filmadaption von "World of Warcraft" ist so heillos öde, dass man sich die Orc-Zotteln raufen will.
Games-Verfilmung "Warcraft": Auf ein Kämpfchen in der Pixel-Pampa

Games-Verfilmung "Warcraft": Auf ein Kämpfchen in der Pixel-Pampa

Foto: Legendary Pictures/ Universal Pictures/ ILM

"Orcs lügen nicht", das wird in "Warcraft: The Beginning" gleich zweimal erklärt, und damit lernt man beim Kinobesuch immerhin etwas Neues. Leider ist die ethnografisch bemerkenswerte Feststellung auch schon das Originellste, was der Fantasyfilm von Regisseur und Co-Autor Duncan Jones zu bieten hat.

Jones, der zuvor mit der Science-Fiction-Elegie "Moon" (2009) und dem Zeitreisethriller "Source Code" (2011) begeisterte, scheitert an der undankbaren Aufgabe, aus Motiven und Versatzstücken der "Warcraft"-Computerspielreihe eine stimmige Erzählung zu entwickeln. Was er liefert, ist ein spannungsarmes Déjà-Vu, das ohne eigene Ideen auf abgegrasten Allgemeinplätzen des Genres verharrt.

Das wäre noch kein gravierendes Problem, würde das allzu Vertraute wenigstens mit Esprit präsentiert. Doch selten gab es einen freudloser servierten Märchen- und Mythensalat als in Azeroth, dem irgendwo zwischen Camelot, Disneyland und Mittelerde für Pauschaltouristen gelegenen Schauplatz der Handlung.

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"Warcraft"-Film: Verloren zwischen Camelot, Disneyland und Mittelerde

Foto: Legendary Pictures/ Universal Pictures/ ILM

Durch ein mit grüngiftiger Hexerei geöffnetes Portal fällt zum Auftakt eine Armee von Orcs in das Land ein. Da ihre eigene Welt unbewohnbar geworden ist, wollen sie hier eine neue Heimat finden. Innerhalb der wilden Horde rumort es indes: Während Anführer Gul'dan (Daniel Wu) einen verheerenden Feldzug gegen die Bewohner Azeroths beginnt, zweifelt der gerade Vater gewordene Orc Dorotan (Toby Kebell) zunehmend am rücksichtslosen Eroberungsplan und sieht den Feind bald in den eigenen Reihen.

Monsterdame mit sexy Unterbiss

Derweil sucht die überrumpelte Vielvölkerallianz von Azeroth nach Wegen, um der Bedrohung durch die Horde zu begegnen. Im Königreich der Menschen zählt Regent Llane Wrynn (Dominic Cooper) dabei auf Ritter Anduin Lothar (Travis Fimmel) und Magier Medivh (Ben Foster). Die potenzielle Heldenrunde komplettieren der abgebrochene Zauberlehrling Khadgar (Ben Schnetzer) sowie Garona (Paula Patton), eine ausgestoßene Orc-Kriegerin teils menschlicher Herkunft, die von einer Gefangenen zur Verbündeten wird.

Bis der Film diese Ausgangssituation etabliert und seine Grüppchenbildung abgeschlossen hat, vergeht reichlich Zeit. Nicht, dass es in Folge wirklich flotter voranginge: Anstatt endlich das lang angekündigte Abenteuer anzugehen, fliegt man bevorzugt auf großen Greifvögeln durch die Pixel-Pampa oder teleportiert sich von einem nichtssagenden Krisengespräch zum nächsten. Für ein wenig Vergnügen sorgen allein Ben Foster mit seiner exzentrischen Darstellung des Zauberzampanos (beste Aussage: "Ich baue einen Golem"), die entweder einem grundsympathischen Hang zur Subversion oder aber einer Menge Warcraft-Bieren geschuldet ist, sowie Paula Patton als engagierte Monsterdame mit sexy Unterbiss und dauerhaftem Bad Hair Day.

Kommt es dann doch mal zu einer dramatischen oder gar handfesten Konfrontation, dann chargieren die Beteiligten so konsequent aneinander vorbei, dass jegliches Interesse an ihren Konflikten verpufft. Ebenso wie die Lust auf weitere Actionsequenzen der Prägung "Herr der Ringe reloaded", die ihr Heil im digitalen Overkill suchen.

Tolkien als Einstiegshilfe

Weder der Führungsstreit in der Orc-Gemeinde, noch das vorhersehbare Ränkespiel auf menschlicher Seite bringen letztlich Dynamik in eine Geschichte, die oft und deutlich überzeugender erzählt worden ist. Es ist ein Dilemma, das allerdings vorhersehbar in der Vorlage gründet.

Denn der Mangel an erzählerischer Originalität, die dem Film vorzuwerfen ist, war für die bahnbrechenden Strategie- und Rollenspiele des "Warcraft"-Universums nie ein Problem, im Gegenteil: Sie setzen bewusst auf generische, aus Tolkien und anderen einschlägigen Quellen entliehene Szenarien, um Nutzern den Einstieg zu erleichtern. Die Innovationskraft und wahre Kunst von "Warcraft" liegt im Gameplay, in der Interaktion des Spielers mit der programmierten Umgebung. Und erst wenn sich Spieler durch ihr Handeln aktiv in die Geschichte von Atzeroth einschreiben, ist sie aufregend und wirklich von Belang.

Im Kino hingegen muss der Zuschauer tatenlos zusehen, wie sich Orcs und Menschen durch die lineare Handlung schleppen. Aber dass die singulären Qualitäten der "Warcraft"-Games in der Adaption verloren gehen, war wohl kaum von Bedeutung bei der Entscheidung für den Film, ganz im Gegensatz zum globalen Wiedererkennungseffekt und Wert der Marke. Bei kolportiert über hundert Millionen Accounts, die für das Online-Rollenspiel "World of Warcraft" seit 2004 eröffnet wurden, brauchte es sicher nicht viel Phantasie für kühne Marketingprognosen.

Ob das für einen kommerziellen Erfolg und dann unvermeidliche Fortsetzungen reicht, oder ob der langatmige Beginn zugleich das vorzeitige Ende des "Warcraft"-Filmfranchise markiert, wird sich zeigen. Zahlen, ebenso wie Orcs, lügen nicht.

Im Video: Der Trailer zu "Warcraft: The Beginning"

"Warcraft: The Beginning"

USA 2016

Regie: Duncan Jones

Drehbuch: Duncan Jones, Charles Leavitt

Darsteller: Travis Fimmel, Toby Kebbell, Paula Patton, Ben Foster, Dominic Cooper, Ben Schnetzer, Robert Kazinsky, Clanca Brown

Produktion: Atlas Entertainment, Universal Pictures, Legendary Pictures

Verleih: Universal Pictures Germany

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Start: 26. Mai 2016

"Warcraft: The Beginning" - Offizielle Website