Liebeskomödie mit James Gandolfini Bist du gut genug für mich?

Zwei TV-Stars laufen in der Liebeskomödie "Genug gesagt" zu großer Form auf: James Gandolfini ("Sopranos") spielt einen tapsigen Vater, der den Glauben an die Liebe nicht aufgeben will. Julia Louis-Dreyfus ("Seinfeld") ist seine Freundin, die sich fragt, ob sie zu viele Zugeständnisse macht.

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Sie haben schon ein paar Mal miteinander geschlafen, als Albert ( James Gandolfini) dann doch nachfragen muss: "Kriegst du eigentlich genug Luft, wenn ich auf dir liege?" Neben der zierlichen Eva (Julia Louis-Dreyfus) wirkt der übergewichtige Albert noch massiger. Doch Eva winkt ab, nein, nein, alles bestens. Ihrer neuen Freundin Marianne (Catherine Keener) schwärmt sie sogar davon vor, wie toll der Sex mit Albert sei. Marianne hingegen zieht über ihren Ex-Mann her, schimpft darüber, wie unordentlich er sei, wie sehr er sich habe gehen lassen, wie nervtötend er die Guacamole mit einem Tortilla-Chip durchrühre. Erst langsam kapiert Eva, dass sie über denselben Mann sprechen. Und dann ist es plötzlich fast zu spät, dann sieht sie nur noch Alberts Fehler, findet sein Gewicht beim Sex störend - und wie er die Guacamole verunstaltet, ist tatsächlich unerträglich.

Wenige Genres wurden in den vergangenen Jahren so häufig für tot erklärt wie die Romantic Comedy. Die Hollywood-Studios haben dem einstigen Erfolgsrezept komplett abgeschworen und bedienen lieber mit Superhelden den Fanboy-Geschmack. Selbst Matthew McConaughey, der größte Star des Genres ("Wedding Planner", "Wie werde ich ihn los in 10 Tagen"), hat den Wechsel ins Charakterfach vollzogen.

In die Lücke, die sich so aufgetan hat, sind derweil clevere Filmemacher wie Marc Webb ("(500) Days of Summer") oder Jonathan Dayton und Valerie Faris ("Ruby Sparks") gerückt, die sich trauen, auch die schäbigen Momente der Liebe zu zeigen. Mit "Crazy, Stupid Love" gelang 2011 sogar eine Art Crossover-Erfolg, da hier sowohl aus Männer- als auch aus Frauen-Perspektive erzählt wurde (und Ryan Gosling mitspielte). Mit "Genug gesagt" beflügelt Autorin und Regisseurin Nicole Holofcener den kleinen RomCom-Aufschwung nun mit einer wunderbaren Geschichte über eine Liebe unter den Bedingungen des middle age.

Immer nur lustig strengt an

Albert und Eva sind beide Mitte 40, geschieden und haben jeweils eine volljährige Tochter zu Hause. Weil diese bald zum Studium wegziehen werden, wähnen sich Albert und Eva an einem Wendepunkt: Was sollen sie als Alleinstehende aus ihrem bereits gelebten Leben mitnehmen? Was suchen sie in der Zukunft? Für Albert ist klar: Auch wenn er heillos mit seiner Ex-Frau zerstritten ist, sucht er doch aktiv die Liebe. Als er Eva auf einer glamourösen Party trifft, ist er es, der später ihre Nummer in Erfahrung bringt und um ein Date bittet. Eva hingegen versteht sich zwar gut mit ihrem Ex-Mann und dessen neuer Frau. Doch den Glauben an eine perfekte Beziehung hat sie so weit aufgegeben, dass sie es fast nicht mehr schafft, auch nur an eine passable Beziehung zu glauben.

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Liebeskomödie "Genug gesagt": Zwei mit viel Geschichte
Wie ihre Figuren bringen auch die Darsteller jede Menge Geschichte mit: James Gandolfini, im Juni mit 51 Jahren viel zu früh verstorben, gibt seinem Albert die Abgeklärtheit eines Mannes mit, der ziemlich viel erlebt und nun keine Lust mehr auf Spielchen hat. Der tyrannische Mafia-Boss Tony Soprano ist dabei nur noch eine entfernte Erinnerung und dessen schwere, nasale Atmung kaum mehr als eine Anekdote ("Hab mir mehrfach die Nase gebrochen").

Auch Julia Louis-Dreyfus ist ein kleiner Seitenhieb auf die eigene Karriere gestattet: Der "Seinfeld"-Star, der soeben zwei Mal für den Golden Globe nominiert worden ist (als beste Hauptdarstellerin in einer TV-Comedy für "Veep" und als beste Hauptdarstellerin in einer Kinokomödie für "Genug gesagt"), liegt mit Gandolfini im Bett, als sie ihm ganz leise gesteht: "Ich bin es leid, immer lustig zu sein." Anderen gute Laune zu bereiten, während sie selbst so viel Frust herunterschlucken muss, kostet sie mehr Kraft, als sie wahrhaben will.

Gemeinsam geben Eva und Albert ein wunderbar wettergegerbtes Paar ab, um dessen Glück man sich ernsthaft sorgt. Doch wie bei den neueren Romantic Comedys üblich, ist das Glück nicht ohne erhebliche Kraftanstrengung zu haben. Dank Holofceners elegantem Drehbuch, dessen natürlicher Tonfall die Trickserei vergessen lässt, die hinter dem gleichzeitigen Kennenlernen von Albert und seiner Ex-Frau steckt, wirkt das nicht forciert.

Die Stärke von "Genug gesagt" liegt aber vor allem in den zwei Hauptdarstellern, die wie ihre Figuren neue Seiten an sich zeigen müssen, um zu überzeugen. Belohnt werden sie - und das Publikum - dafür auf allen Ebenen. Bei Julia Louis-Dreyfus kann man gespannt sein, was sie auf den Durchbruch als Kinodarstellerin folgen lässt. Bei James Gandolfini kriegt man einen letzten Eindruck davon, welche Rollen und Talente noch in ihm gesteckt hätten. Mit "Genug gesagt" bleibt von ihm ein großes, herzerweichendes Grinsen in Erinnerung.


Genug gesagt. Start: 19.12. Buch und Regie: Nicole Holofcener. Mit James Gandolfini, Julia Louis-Dreyfus, Catherine Keener, Toni Colette, Tavi Gevinson.



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