Zum Inhalt springen

Sexismus in Doku Kulturministerin nennt Depardieus Verhalten »Schande für Frankreich«

Ein Dokumentarfilm über Gérard Depardieu hat in Frankreich für Aufsehen gesorgt. Er zeigte sexistische Gesten und Äußerungen des Schauspielers. Nun hat sich Frankreichs Kulturministerin Abdul Malak »schockiert« gezeigt.
Schauspieler Depardieu (2015 in Cannes): Filmtitel »Der Fall des Ogers«

Schauspieler Depardieu (2015 in Cannes): Filmtitel »Der Fall des Ogers«

Foto:

Ben A. Pruchnie / Getty Images

Der Stern des bislang als Superstar geltenden Schauspielers Gérard Depardieu sinkt weiter: Die französische Kulturministerin Rima Abdul Malak bezeichnete das Verhalten des Schauspielers gegenüber Frauen am Freitag als eine »Schande für Frankreich«. »Seine absolut schockierenden Kommentare lassen es nicht mehr zu, dass wir ihn feiern«, sagte die Ministerin mit Blick auf einen kürzlich von France 2 ausgestrahlten Dokumentarfilm, der Depardieus rüpelhaften und sexistischen Umgang mit Frauen belegt.

Depardieu wird am 27. Dezember 75 Jahre alt, doch angesichts zahlreicher Vorwürfe sexueller Übergriffe und eines laufenden Verfahrens wegen Vergewaltigung macht er derzeit nicht mit künstlerischen Ambitionen Schlagzeilen. »Ich habe nicht den Eindruck, dass er derzeit viele Angebote erhält«, sagte die Kulturministerin.

Ministerin Rima Abdul Malak: »Keine Anweisungen an Regisseure«

Ministerin Rima Abdul Malak: »Keine Anweisungen an Regisseure«

Foto: Bertrand Guay / AFP

In dem Dokumentarfilm war Depardieu zu sehen, wie er auf einer Drehreise in Nordkorea zahlreiche vulgäre Kommentare zu seiner jungen Übersetzerin macht. »Ich wiege 124 Kilo, mit Erektion 126«, sagte er. Über ein etwa zehn Jahre altes Mädchen auf einem Pferd sagte er öffentlich: »Wenn es galoppiert, dann bekommt sie einen Orgasmus.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von X.com, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

In der vergangenen Woche hatte die Schauspielerin Hélène Darras Depardieu wegen sexueller Übergriffe bei Dreharbeiten 2007 angezeigt. Die Schauspielerin Charlotte Arnould hatte ihn bereits 2018 wegen Vergewaltigung angezeigt. Depardieu weist sämtliche Vorwürfe zurück. Arnould habe sich ihm freiwillig hingegeben, erklärte er. Ein gutes Dutzend weitere Frauen warfen Depardieu in Medien sexuelle Übergriffe vor, erstatten bislang jedoch keine Anzeige. Im Oktober hatte Depardieu in einem offenen Brief  an die Zeitung »Le Figaro« beteuert, er habe niemals eine Frau vergewaltigt.

»In der französischen Kinowelt war das problematische Verhalten von Gérard Depardieu sehr wohl bekannt«, sagte der Chef der Produzentengewerkschaft, Marc Missionnier, in dem Dokumentarfilm.

Depardieu arbeitete mit den bekanntesten Regisseuren und Schauspielerinnen Frankreichs zusammen und kommt auf mehr als 200 Filme. Darin verkörperte er den wortstarken Cyrano de Bergerac ebenso wie einen abgehalfterten Schlagersänger, einen Schlachthofarbeiter oder einen Alzheimer-Patienten. Im Gedächtnis bleiben nicht zuletzt seine Auftritte als Obelix, die wegen seiner Körperform perfekt zu ihm passten.

Nach den jüngsten Äußerungen, die von Depardieu dokumentiert wurden, entschloss sich die frankofone kanadische Provinz Québec, Depardieu ihren Nationalorden abzuerkennen .

feb/AFP