"Girls Club - Vorsicht bissig" Lipgloss, Labels, Teenie-Leiden

Pubertätskomödien boomen in Hollywood, weltweit vermarktet die Traumfabrik ihre Märchengeschichten, in denen hässliche Entlein zu ansehnlichen Girlies reifen. Auch Mark Waters' Komödie "Girls Club - Vorsicht bissig" präsentiert eine Adoleszenz-geplagte Heldin - zwischen noblen Outfits und edler Gesinnung.
Von Birgit Glombitza

Wenn der Hintern nicht mehr in die Jeans mit den Herzchenflicken passt, man jeden Morgen im Spiegel einen neuen Pickel begrüßen kann und man sowieso am liebsten mit dem, was man da anschauen muss, nicht verwandt wäre, dann ist man vermutlich in der Pubertät. Mit einem Körper, der seine Bewohnerinnen nicht gefragt hat, ob er hier etwas aufpolstern, da etwas abrunden darf, um sich für die Evolution und die weiblichen Reproduktionsaufgaben zu rüsten, und einem Geist, der zwischen heimlichem Harry-Potter-Schmökern und ostentativer Hesse-Lektüre kein Zuhause findet, hängt auch das Selbstvertrauen bald durch.

Frühreife Pygmalion-Geschichten

Die Identität ist in dieser Phase des ausgiebigen Selbsthasses noch eine launische Wechselwählerin. Eine falsche Bemerkung zum Mode- oder Musikgeschmack reicht bereits aus und die eigene kleine Welt ist hoffnungslos aus den Fugen. Niemand weiß das besser, als andere pubertierende Mädchen. Wer mit ihnen befreundet ist, braucht keine Feindinnen mehr. Hinterhältigkeit ist die beste Verteidigung, so will es nun einmal das Zicken-Klischee. Und das weiß wiederum niemand besser als die Hollywood-Strategen, die alljährlich ihre Highschool-Produktionen mit gut kalkulierendem Blick auf die mit-pubertierende Zielgruppe vom Band lassen.

Meist handelt es sich um hysterisch aufgeladene Plots von grauen Entlein, die noch bis zum Abschlussball Zeit haben, Zahnspange und Komplexe abzulegen, um als lange verkannte, jetzt aber herausgeputzte Schönheit den Baseballstar der Schule klar zu machen und damit den ersten nennenswerten Triumph ihres Lebens zu feiern. Frühreife Pygmalion-Geschichten, in denen sich der Geschmackskanon des weißen Mittelstandes seinen weiblichen Nachwuchs zusammenpuzzelt. Und nicht selten wirken sie in Ausstattung und Kostüm so marktorientiert, dass man dahinter ruhig subtiles Merchandising und Verträge mit diversen Teenie-Modelabels, der Sport- und Musikindustrie vermuten darf. Wirkliche Systemrenitenz sucht man hier sicher vergebens.

Kaum anarchistischer, aber pointensicher und in seinen pubertären Erniedrigungsritualen überaus vielseitig kommt jetzt "Girls Club - Vorsicht bissig!" daher, in der Amerikas derzeit populärste Heranwachsende Lindsay Lohan ("Bekenntnisse einer Highschool Diva") in der Hauptrolle zu sehen ist. Unter der Regie von Mark Waters, mit dem Lohan an der Seite von Jamie Lee Curtis bereits in der Bodyswitch-Komödie "Freaky Friday" zusammenarbeitete, spielt sie diesmal die arglose Cady Heron, die zwischen die Out- und-Insider-Fronten biestiger Highschool-Chicks gerät.

In Afrika aufgewachsen, wurde Cady bislang von ihren Eltern, zwei gutmütigen Zoologen, in beschaulichen Heimunterricht auf den Ernst des Lebens vorbereitet. Wie hart es da draußen jedoch tatsächlich zugehen kann, muss sie bitter lernen, als sie sich erstmals im öffentlichen Schul-Dschungel und seinen Hackordnungen zurechtzufinden hat. Da gibt es die Sportskanonen, die Mittelstandspunks oder die Bulimikerinnen. Und natürlich die unerreichbaren Barbies, die von ihren Eltern alle Gucci-Träume umgehend erfüllt bekommen, solange sich die gelifteten Mütter bei ihren peinlichen Anpassungsversuchen an die eigene Brut ein bisschen jugendlicher fühlen dürfen.

Zwischen Out- und Insiderfronten

Cady zieht es zunächst zu den Underdogs, die wie so oft in Hollywoods Highschool-Filmen bebrillt, dick, lesbisch oder am besten alles gleichzeitig sind, und lässt sich von ihnen auf die Barbies, die sich selbst "Plastics" nennen, und ihr intrigantes Imperium ansetzen. Sie soll ihre Machtstellung aufmischen, mit als Diät-Riegeln getarnten Dickmachern und gut lanciertem Klatsch die Moral der Truppe schwächen, und erliegt doch selbst bald den Versuchungen der Zickenverschwörungen. Mit hochgerecktem Kinn, quietschrosa Lipgloss und obligatorischem Faltenröckchen stolziert sie im Gleichschritt mit ihren neuen Freundinnen über die Flure und entscheidet mit genüsslicher Härte über Aufstieg und Niedergang anderer Schulkameradinnen.

Am Ende steht erwartungsgemäß die Bekehrung zu demokratischem Anstand und wahrer Freundschaft, fern von allem Labelterror. Der Lack des Reichen und Schönen ist zwar angekratzt. Aber es kommt zu keinem Aufstand, der sich nicht problemlos vom elterlichen Liberalismus absorbieren ließe. Ohne erwachsene Führung kommt nun einmal keine Highschool-Komödie aus. So ist es hier die Mathelehrerin Mrs. Norbury, die ihre Zöglinge ermahnt: "Jemanden fett zu nennen, wird euch kein bisschen dünner machen. Und ihr müsst aufhören, euch Schlampen und Huren zu schimpfen, denn das erlaubt es Jungs, euch so zu nennen."

Überhaupt verliert das Drehbuch, das auf Rosalind Wisemans Bestseller "Queen Bees and Wannabes: Helping Your Daughter Survive Cliques, Gossip, Boyfriends and Other Realities of Adolescence" basiert, seinen pädagogischen Auftrag nie aus den Augen. Und wenn Cady auch die meisten Schlachten selbst zu schlagen hat und die eigene Jugend als tragische Ungleichzeitigkeit von Können und Dürfen erlebt, ist sie unter diesen erzählerischen Fittichen nie wirklich gefährdet.

Denn erst im Pakt mit den Sirenen neureicher Dekadenz erkennt die wahre Demokratin ihre eigentliche Bestimmung. Und gesellt sich zur Gesinnung noch ein einträgliches Maß an Konsumfreude, ist es um die Zukunft des Landes doch ganz gut bestellt.


Girls Club - Vorsicht bissig! ("Mean Girls")
USA 2004. Regie: Mark Waters. Drehbuch: Tina Fey. Darsteller: Lindsay Lohan, Rachel McAdams, Tina Fey, Tim Meadows. Produktion: Lorne Michaels. Verleih: UIP. Länge: 97 Minuten. Start: 26. August 2004

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