Lesbisch-schwule Filmpreise "Moonlight" und "Transparent" triumphieren

Seltene Übereinstimmung: Nach den Oscars hat "Moonlight" auch bei den lesbisch-schwulen Filmpreisen GLAAD abgeräumt. Bei den Comedys setzte sich wie erwartet "Transparent" durch, eine Überraschung gab es bei den TV-Dramen.

Szene aus "Transparent"
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Szene aus "Transparent"


Bei den Oscars war der Sieg noch eine Überraschung, hier gewiss nicht: Bei den 28. GLAAD Media Awards ist Barry Jenkins' Drama "Moonlight" als bester Film ausgezeichnet worden. Mit dem Preis zeichnet die Non-Profit-Organisation Gay and Lesbian Alliance Against Defamation (schwule und lesbische Allianz gegen Diffamierung) Film- und Fernsehproduktionen aus, die eine faire, korrekte und inklusive Darstellung der LGBTQ-Gemeinschaft aufweisen. Die Preise wurden am Samstagabend in Los Angeles verliehen.

"Moonlight" erzählt das Leben eines jungen schwarzen Schwulen in Miami in drei Kapiteln, von seiner Kindheit bis zum Erwachsenen. Im Februar gewann der Film bereits drei Oscars, neben dem Preis für den besten Nebendarsteller und das beste adaptierte Drehbuch auch den Hauptpreis für den besten Film - allerdings unter denkwürdigen Bedingungen. Neben "Moonlight" war in diesem Jahr nur ein einziger weiterer Spielfilm als beste bundesweite Veröffentlichung ("wide release") nominiert: Das Actionabenteuer "Star Trek: Beyond", in dem Captain Sulu (John Cho) erstmalig als schwul gezeigt wird, samt Ehemann und Kind.

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"Moonlight": Liberty City Blues

Diese Neudeutung wurde allerdings unter anderem vom ursprünglichen Schauspieler der Rolle, dem Schwulenaktivisten George Takei, kritisiert. Er hätte sich eine Figur gewünscht, die von vornherein als homosexuell eingeführt sei, statt eine bestehende umzudeuten. Außerdem wurde ein Kuss zwischen Sulu und seinem Ehemann aus der endgültigen Kinofassung wieder herausgeschnitten.

Gewidmet der toten Schwester

Als bester Film mit einem begrenzten Kinostart ("limited release") wurde "Other People" von Chris Kelly ausgezeichnet. Jesse Plemons ("Fargo", Staffel 2) spielt darin einen Comedydrehbuchautor, dessen Familie seine Homosexualität nicht akzeptieren will. in dieser Rubrik war die Konkurrenz deutlich stärker: Unter anderem war auch Park Chan-wooks lesbischer Erotikthriller "Die Taschendiebin" nominiert.

Im Fernsehbereich wurde Jill Soloways Serie "Transparent" über eine ältere Transgender-Frau und ihre neurotische Familie als beste Comedy ausgezeichnet. Sie setzte sich unter anderem gegen "Modern Family" und "Crazy Ex-Girlfriend" durch. Der Preis für das beste Drama ging an die Fantasyserie "Shadowhunters", in der auserwählte Schattenjäger gegen böse Märchengestalten kämpfen, in ihren Reihen aber homosexuelle Mitstreiter nur zögerlich tolerieren. Das Nachsehen in dieser Kategorie hatten dabei so prominente Shows wie "Grey's Anatomy" oder "Orphan Black".

Für ihr Lebenswerk wurde bei den GLAAD Awards die Schauspielerin Patricia Arquette gewürdigt. Unter Tränen widmete sie die Auszeichnung ihrer Transgender-Schwester Alexis, die 2016 an den Spätfolgen von HIV verstarb.

Im Video: Die Rezension zu "Moonlight"



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