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Rassismus-Streit: Sehen so ägyptische Götter aus?

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Rassismusdebatte in Hollywood Wie weiß darf ein ägyptischer Gott sein?

Noch vor dem Filmstart haben sich die Produzenten des Hollywood-Schinkens "Gods of Egypt" für die ethnische Fehlbesetzung der Hauptrollen entschuldigt. Der Fall reißt eine alte Debatte neu auf: Wie weiß darf die Kinowelt sein?

Das muss man erst einmal hinbekommen: Als das Filmstudio Lionsgate nach Darstellern für seinen im Februar anlaufenden Fantasy-Kracher "Gods of Egypt" suchte, fand es so gut wie niemanden, den man dafür nicht mächtig hätte schminken müssen.

Die Hauptrollen der einst im nordafrikanisch-arabischen Raum verorteten Götter sowie des menschlichen Personals besetzte die Firma mit einem Dänen, einem Schotten, einem Engländer, vier Australiern und einer Französin. Auffällig abwesend sind da Araber oder - mit nur einer Ausnahme bei den größeren Rollen - Afrikaner.

Auf die Idee, dass sich darüber jemand erregen könnte, kam man bei Lionsgate nicht. Als Hauptdarsteller kam "Game of Thrones"-Star Nikolaj Coster-Waldau unter Vertrag. Der ist trotz seines holländisch-deutschen Nachnamens Däne durch und durch und mit seinen blonden Haaren eigentlich die Idealbesetzung für Thor, den Wikingergott. In "Gods of Egypt" spielt er allerdings den altägyptischen Obergott Horus, in zeitgenössischen Darstellungen gern mit Falkenkopf gezeigt - und natürlich wohl gebräunt.

Der Konkurrent und böse Götterkollege Set (blass und blauäugig: Gerald Butler) kommt immerhin schon dunkler daher, wenn auch nur, was seine Haarfarbe angeht. Der optisch eindeutige Kontrast von Gut (gleich Blond) und Böse (gleich Schwarzhaarig) ist damit gewahrt - in uralter Hollywood-Tradition.

Denn in Wahrheit folgte Lionsgate mit seinem Besetzungs-Gau ausgetretenen Pfaden. Dass Hollywood zu sehr von Weißen dominiert sei, ist ein alter Vorwurf - und keiner, der sich von der Hand weisen lässt. Es zeigt sich in der Vergabepraxis der prestigeträchtigen Filmpreise (schwarze Oscar-Preisträger insgesamt: bisher 15), vor allem aber im "Whitewashing" der Kulturen in filmischen Welten. Denn die sind optisch wie kulturell "weißgewaschen" - der Rest der Welt dient in der Regel als "exotischer Schauplatz" im Kontrast zur weißen Normalität.

Das Star-Prinzip: Korrekt? Hauptsache bekannt!

Kritik daran wird meist mit dem Star- und Kostenargument beantwortet. Zuletzt parierte der Regisseur Ridley Scott Vorwürfe, sein "Exodus" sei ethnisch unkorrekt gecastet, mit dem Argument, dass er das Budget dafür kaum bekommen hätte, wenn das anders gewesen sei. Teure Filme besetzt man mit Stars, die dem heimischen Publikum bekannt sind - und das sind in Amerika meist Schauspieler amerikanischer oder europäischer Herkunft. Ethnische Authentizität ist da von jeher selten ein Kriterium.

Auch Elisabeth Taylor war ja eigentlich eine seltsame Kleopatra, der blonde Hüne Charlton Heston rieb sich als Moses am russischen Pharao Yul Brynner, und Hollywoods griechischster Araber war der Mexikaner Anthony Quinn. Kurzum: Die Weiß-Tünchung der Welt ist ein traditionsreicher Kino-Standard.

Schauspieler und Filmschaffende, die anderen Ethnien angehören, beklagen das seit Langem. Die Forderung, doch zumindest die Rollen, die definitiv nicht weiß sind, auch ethnisch passend zu besetzen, ist so alt wie die Filmindustrie - ohne dass viel passiert wäre.

Doch da ändert sich offenbar gerade etwas. Ist es noch akzeptabel, wenn man Kulturen verbiegt und Geschichten und Bevölkerungen anderer Länder im Film europäisiert? Wenn man bei der Besetzung von Rollen ethnische Identitäten einfach ignoriert oder bestenfalls mit Schminke nachhilft?

Immer mehr Menschen finden das nicht okay - und lassen es die Filmschaffenden wissen. Im Juni entschuldigte sich der Regisseur Cameron Crowe nach herber Kritik als einer der Ersten überhaupt für ein "ethnisch unkorrektes" Casting: Er hatte die Schauspielerin Emma Stone im Film "Aloha" als "ein Viertel asiatisch, ein Viertel hawaiianisch" besetzt. Stone hat schwedisch-amerikanische Wurzeln.

Öffentliche Abbitte eines Studios: eine Premiere

Doch was Crowe mit "Aloha" erlebte, ist nichts im Vergleich zum Shitstorm, den "Gods of Egypt" entfachte. Das katastrophale öffentliche Echo trieb Lionsgate nun zu einem außergewöhnlichen Schritt: Das Studio entschuldigte sich öffentlich für seine bisherige Casting-Praxis und gelobte Besserung.

Wörtlich heißt es in der Erklärung:

"Wir erkennen unsere Verantwortung an, mit unseren Besetzungsentscheidungen die Vielfalt der Kulturen und Zeitalter widerzuspiegeln, die wir porträtieren. In diesem Fall haben wir dabei versagt, unseren eigenen Ansprüchen (...) gerecht zu werden. Dafür entschuldigen wir uns aufrichtig."

Das, kommentierte die Regisseurin Ava DuVernay ("Selma"), sei die "Art Entschuldigung, die sonst niemals kommt - für etwas, das dauernd passiert. Ein ungewöhnliches, bemerkenswertes Ereignis."

In der Tat: Die Zeit, als man im Film jegliche Epoche und Weltgegend mit einem "ist doch nur Spiel und Spaß" weißbügeln konnte, ist offenkundig vorbei.

Für die Produzenten stellt sich allerdings die Frage nach Alternativen. Rollen allein nach dem Kriterium der "ethnischen Korrektheit" zu vergeben, ist auch nicht immer unproblematisch. Oft hieße das, auf Unbekannte statt Etablierte setzen zu müssen, zumindest auf den wichtigsten Zielmärkten. 1994 floppte Kevin Costners polynesisches Epos "Rapa Nui" auf dramatische Weise. Er hatte auf Hauptdarsteller polynesisch-chinesischer Herkunft und die Besetzung zahlreicher Nebenrollen mit Polynesiern gesetzt. Honoriert wurde es nicht - der Film scheiterte unter anderem am mangelnden "Star-Faktor".

Einfach ein Fall dummen Castings

Letztlich geht es aber ums Prinzip: Film ist gut, wenn er seine Illusionen glaubhaft verkauft. Whitewashing ist nicht glaubhaft - aber das heißt nicht, dass Rollenvergabe allein nach ethnischen Kriterien immer richtig ist. Schauspieler Graham Greene beispielsweise war Zeit seines Lebens fast völlig festgelegt auf die Darstellung amerikanischer Ureinwohner.

Was wichtiger ist, ist gutes Casting: Mitunter kann das Spiel mit dem Bruch ethnischer Klischees dann sogar Kunst sein. Don Pedro von Aragon in Shakespeares "Viel Lärm um Nichts" war eine von Denzel Washingtons besten Rollen.

Dabei war er im Grunde genauso "unrichtig" besetzt wie der Wikinger Coster-Waldorf als ägyptischer Gott. Es kommt eben darauf an, wie man mit dem Thema umgeht: Kulturen und Ethnien gedankenlos zu ignorieren, ist schlicht dumm. Da hat Lionsgate recht: Man kann und sollte das besser machen.

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