Offener Brief Filmschaffende mahnen Görlitz, richtig zu wählen

Görlitz in Sachsen ist ein gefragter Drehort, auch für Hollywood-Produktionen. Nun haben Filmemacher und Schauspielstars einen offenen Brief verfasst, der sich wie ein Aufruf liest, keinen AfD-Oberbürgermeister zu wählen. Die Partei ist empört.

Stadtansicht von Görlitz: "Wir lieben diese Stadt"
Torsten Becker/ imago images

Stadtansicht von Görlitz: "Wir lieben diese Stadt"


Internationale Schauspieler, Oscarpreisträger und Filmemacher haben sich vor der anstehenden Wahl zum Oberbürgermeister im sächsischen Görlitz mit einem offenen Brief an die Wähler gewandt.

"Gebt Euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin", heißt es in einem Auszug des Schreibens, das kommenden Montag veröffentlicht werden soll. Aus den Reihen der AfD wurde Kritik an der Aktion laut.

Am 16. Juni könnte der Kandidat Sebastian Wippel zum ersten AfD-Oberbürgermeister Deutschlands gewählt werden. Das sei ein "missverständliches Signal in die Welt hinaus", sagte der Initiator und Mitproduzent von "Der Vorleser", Michael Simon de Normier, der Deutschen Presse-Agentur. Görlitz sei in Hollywood durchaus ein Begriff, daher habe er mit befreundeten Schauspielern gesprochen und den Aufruf gestartet. Zuvor hatte die "Leipziger Volkszeitung" berichtet.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla aus dem Wahlkreis Görlitz kommentierte die Aktion auf Twitter: "Bevormundung, nein danke! (...) Die Görlitzer brauchen keine Wahlempfehlungen 'internationaler Stars' und Sternchen!"

Zu den Erstunterzeichnern gehören der dreimal für den Oscar nominierte Regisseur Stephen Daldry ("Billy Elliot", "The Hours", "Der Vorleser") und die Oscarpreisträgerin Brigitte Broch (für das Szenenbild von "Moulin Rouge"). Laut "Leipziger Volkszeitung" zählen auch die Schauspieler Daniel Brühl, Jana Pallaske, Burghart Klaußner und Volker Bruch zu den Unterzeichnern, sowie die Autoren Daniel Kehlmann ("Die Vermessung der Welt") und Bernhard Schlink ("Der Vorleser").

Alle haben bereits in der als "Görliwood" bekannten Neißestadt gedreht und gearbeitet. "Wir lieben diese Stadt", so Simon de Normier. Wenn die Stimmung künftig von Hass und Fremdenfeindlichkeit geprägt sei, könnte das Filmemacher davon abhalten, nach Görlitz zu kommen.

Die Stadt wirbt auf ihrer Homepage mit ihren Drehorten, Szenen aus "Inglourious Basterds", "Grand Budapest Hotel" oder "Frantz" entstanden dort. "Bitte wählt weise, wenn die Wahl an euch ist, liebe Bürgerinnen und Bürger und Freunde in Görlitz!", heißt es in dem offenen Brief.

feb/dpa/AP

Mehr zum Thema


insgesamt 287 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
msbongiovi 07.06.2019
1. DEMOKRATIE __ per VIP-Wahl FIRST____ Nicht per Volk
Da kommen VIP`s an , noch vor Bürgermeisterwahlen. Wie sieht das denn aus ? Da merkt man dass die VIP`s wie weit weg vom Volk leben- distanziert wie nur möglich in Penthouses & umzäunten Wohnvierteln, in denen sie nie in Kontakt mit Ausländern, geschweige denn mit dem "common people " kommen. => dementsprechend die derzeitige Politik Bin persönlich entsetzt über diesen "Offenen Brief" ! . . . .. . die Karrieren der Verfasser & Protagonisten sind ja aber nicht aus Stein & Stahl gegossen. Der Kunde entscheidet
syracusa 07.06.2019
2. Artikel 5 (1) GG
Ob die Görlitzer Wahlempfehlungen 'internationaler Stars' und Sternchen brauchen können oder nicht, weiß man ja erst hinterher. Tatsache ist aber, dass solche Wahlempfehlungen durch das Grundrecht der Meinungsfreiheit gedeckt sind. Anders könnte der AfD-Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla aus dem Wahlkreis Görlitz ja auch keine Wahlempfehlung für die AfD aussprechen. Liebe Görlitzer, hört lieber auf die Wahlempfehlungen internationaler Stars als auf die Chrupallas!
Gluehweintrinker 07.06.2019
3. Meinungsäußerungen sind doch legitim, oder?
Nanu! Was kann denn eine feriheitsliebende Partei wie die AfD dagegen haben, wenn mündige Bürger ihre Meinung sagen? Sie hat doch auch nichts dagegen, wenn ein fackeltragender Pöbel aus Neonazis zur Wahl der AfD aufruft. Da sieht man mal wieder, wie immer fein mit zweierlei Maß gemessen wird. Mn fühlt sich ja ach-so-wohl in der Opferrolle des "linksgrünversifften Mainstreams", was? Wenn die Görlitzer meinen einen AfD-Bürgermeister zu brauchen, dann sollten sich die Filmschaffenden dazu entscheiden, Görlitz nicht mehr zu brauchen. Denn wer würde denn als deutschtümelnder Heimatfreak freiwillig "linksgrünversifftes" Geld annehmen?
räbbi 07.06.2019
4.
"Gebt Euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin" Interessanterweise wird es - abgesehen von der Politik vielleicht - kaum ein Branche geben, in der man genau dies so leidenschaftlich tut wie im Showgeschäft.
spon-facebook-10000088998 07.06.2019
5. Görlitz wählt richtig!
Görlitz wählt richtig,egal wie die Wahl ausgeht! Demokratie heisst Freiheit in der Wahlentscheidung,das gilt für jeden Bürger! In anderen Ländern sieht man das gelassener,Deutschlands Öffentlichkeit ist links geprägt und lässt Gedanken rechts der Mitte nicht mehr zu.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.