Fotostrecke

Roter Teppich der Golden Globes: Women in Black

Foto: Frederick M. Brown/ AFP

Golden Globes 2018 Fast die Kurve gekriegt

Es war die Bewährungsprobe für eine Branche, die vor allem Glitzer und Selbstgerechtigkeit kann: Bei der ersten großen Preisverleihung nach #MeToo zeigte sich Hollywood angemessen nüchtern.

"Ich glaube, es ist an der Zeit, den Elefanten, der nicht im Raum ist, anzusprechen", sagte Moderator Seth Meyers, kaum dass er die 75. Verleihung der Golden Globes eröffnet hatte. Noch vor einem Jahr wäre dieser "Elefant" der frisch gewählte Präsident Donald Trump gewesen, doch 2018 war es natürlich Harvey Weinstein.

Neues Jahr, neues Feindbild? So einfach hätte es sich Hollywood wohl gewünscht. Doch was die Branche am Sonntagabend hinter sich bringen musste, war alles andere als business as slightly usual: Zum ersten Mal in ihrer Geschichte konnte sie nicht anders, als sich mit ihren eigenen Abgründen zu beschäftigen, den Jahrzehnte alten Strukturen, die Belästigung, Missbrauch und Benachteiligung von Frauen Vorschub geleistet haben. Und für eine Branche, die sich sonst vor allem durch Glitzer und Selbstgerechtigkeit hervortut, meisterte Hollywood diese neuartige Herausforderung erstaunlich gut.

Das lag nicht zuletzt an der Vorarbeit, die weibliche Stars geleistet haben: Mit der Initiative "Time's Up" haben sich einige der mächtigsten und reichsten Frauen in den USA zusammengeschlossen, um für nachhaltige Veränderungen weit über Entertainment und Kultur hinaus zu sorgen. Der schwarz-weiße "Time's Up"-Pin, den viele an diesem Abend an ihrem Revers trugen, gemahnte, dass die Anstrengungen erst begonnen haben.

Ein Jahr nach dem Women's March

Selbst die von Reese Witherspoon und anderen gestartete Aktion, zur Gala nur schwarz zu tragen, erwies sich als unaufgeregt effektvoll. Die so gut wie ausnahmslos monochrom gekleideten Stars wirkten in der Masse so, als wären sie nicht zu einer gewohnheitsmäßig eher ausgelassenen Preisverleihung gekommen, sondern zur Arbeit.

Dass diese Arbeit dann vor allem von Frauen gestemmt wurde, hatte allerdings seine widersprüchlichen Seiten. Einerseits wurde weiblichen Talenten sowohl als Preisüberreicherinnen als auch als -Empfängerinnen besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Aufmerksamkeit, die von Elisabeth Moss über Nicole Kidman bis - besonders triumphal - Oprah Winfrey genutzt wurde, um auf den historischen Umbruch, den #MeToo bedeutet, hinzuweisen.

Oprah Winfrey: "Es bricht eine neue Zeit an"

Ein knappes Jahr nach dem Women's March in Washington scheint außerdem das Bewusstsein gewachsen zu sein, für und mit Frauen aus anderen Sparten und Schichten zu kämpfen. Meryl Streep brachte etwa Ai-jen Poo, Vorsitzende der Nationalen Vertretung von Hausangestellten, als ihre Begleitung mit. An Amy Poehlers Seite saß die Rechtsanwältin Saru Jayaraman, die sich für die Rechte von Arbeiterinnen in der Gastronomie einsetzt.

Das Fernsehen muss aushelfen

Andererseits hielten sich die Männer bis auf Moderator Meyers, der auf Anhieb die richtige Balance zwischen Schärfe und Bescheidenheit fand, an diesem Abend mit Statements jenseits von schwarzen Fliegen oder Hemden auffällig zurück. Die großen Solidarisierungsgesten blieben aus, selbst die Würdigungen weiblicher Kreativität fielen arg verdruckst aus. Seine Mutter hätte es lieber gesehen, wenn Greta Gerwig den Preis für das beste Drehbuch gewonnen hätte, witzelte Martin McDonagh, als er die Auszeichnung für "Three Billboards Outside of Ebbing, Missouri" (Deutschlandstart: 25. Januar) entgegennahm.

Fotostrecke

Golden Globes: Diese Stars räumten Preise ab

Foto: LUCY NICHOLSON/ REUTERS

Direkter brachte es Natalie Portman auf den Punkt: "Hier die Liste mit den ausschließlich männlichen Nominierten", sagte sie, als es um den Preis für die beste Regie ging. Mit Patty Jenkins ("Wonder Woman") und Greta Gerwig ("Lady Bird", Start: 19. April) hätten hier zwei Frauen mit Erfolg an Kinokassen und bei Kritikern mehr als bereit gestanden. Immerhin gewann "Lady Bird" den Golden Globe als beste Komödie oder Musical und wurde Saoirse Ronan als beste Hauptdarstellerin in dem Genre ausgezeichnet. Ob die Preise nicht ein ziemlich guter Indikator für die herausragende Leistung der Regisseurin seien, mussten sich die Globes danach umso dringlicher fragen lassen.

Mit der wirklich tiefgreifenden Inklusion hakte es an diesem Abend immer wieder. Fast schon gewohnheitsmäßig wurden People of Color wieder nur aus der Fernsehbranche ausgezeichnet: Aziz Ansari ("Master of None") und Sterling K. Brown ("This Is Us") waren neben Oprah Winfrey die einzigen nicht-weißen Geehrten. Und ein Fragezeichen in Sachen Qualitätsmaßstäbe kann man auch hinter eine Gala setzen, bei der Fatih Akins halbgares Politdrama "Aus dem Nichts" gewinnt, aber herausragende Filme wie "Call Me By Your Name" (Start: 1. März), "Get Out" oder "Dunkirk" leer ausgehen.

Trotzdem markierten die 75. Golden Globes einen wichtigen Umbruch in der Geschichte der Hollywood Foreign Press Association, dem Ausrichter der Gala. Zum ersten Mal können sich die Oscars auf allen Ebenen ein Beispiel an den Globes nehmen: Wie man es noch besser bei den Nominierungen und Auszeichnungen machen kann - aber auch, wie man Preise in der Post-Weinstein-Ära mit Würde und Gewicht verleiht.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.