Golden Globes "Nominierungen sind Schlag ins Gesicht für Frauen"

In zwei der wichtigsten Kategorien der Golden Globes ist keine Frau nominiert. Schauspielerin Charlize Theron bezeichnet das als Skandal. Forderungen nach mehr genderspezifischen Kategorien werden laut.
Charlize Theron: Sie kritisiert das Übergehen von Regisseurinnen bei den Nominierungen

Charlize Theron: Sie kritisiert das Übergehen von Regisseurinnen bei den Nominierungen

Foto: Dimitrios Kambouris/ Getty Images

Quentin Tarantino, Bong Joon Ho, Sam Mendes, Todd Phillips, Martin Scorsese: fünf Regisseure, alle für die Golden Globes nominiert, aber keine Frau. Gleiches gilt für die Kategorie "bestes Drehbuch". Nachdem am Montag die Nominierungen für die Golden Globes 2020 bekannt gegeben worden waren, wurde Kritik laut. Charlize Theron, selbst als beste Schauspielerin nominiert, nannte es absurd, keine Regisseurin in die engere Wahl zu nehmen. Filmemacherin Alma Har'el forderte eigene Kategorien für Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen.

"Es ist offensichtlich, dass sie keinerlei Bewusstsein haben", erklärte Har'el dem Branchenblatt "Variety"  mit Blick auf die Vorentscheidung der Auslandspresse in Hollywood für die Golden Globes. Vielmehr verharrten die Verantwortlichen in dem alten Verhaltensmuster, sich in männlicher Exzellenz zu aalen und die Stimmen von Frauen und Farbigen zu ignorieren. "Sie zollen diesen neuen Stimmen keine Aufmerksamkeit und schätzen sie nicht in dem Maße, in dem sie Männer würdigen."

Alma Har'el: Im vergangenen Januar feierte ihr Film "Honey Boy" bei Sundance Festival Premiere

Alma Har'el: Im vergangenen Januar feierte ihr Film "Honey Boy" bei Sundance Festival Premiere

Foto: Kimberly White/ Getty Images

In der 77-jährigen Geschichte der Golden Globes waren bisher lediglich fünf Regisseurinnen nominiert: Barbra Streisand, Jane Campion, Sofia Coppola, Kathryn Bigelowund Ava DuVernay. Nur Streisand gewann die Trophäe für "Yentl" (1984). Die israelische Regisseurin Har'el war in diesem Jahr selbst für ihren Film "Honey Boy" selbst als Kandidatin für eine Nominierung gehandelt worden. Das autobiografische Drama erzählt von dem Aufwachsen des Schauspielers Shia LaBeoufin der Obhut eines alkohol- und drogenabhängigen Vaters. LeBeouf lieferte das Drehbuch und spielt seinen eigenen Vater.

Schauspielerin Charlize Theron bezeichnete die Nominierungen in der "Los Angeles Times"  als "frustrierend" und einen Schlag ins Gesicht für Regisseurinnen. "Wir werden weiter darauf aufmerksam machen, bis wir endlich gehört und unsere Geschichte wahrgenommen werden", kündigte sie an.

Zugleich stellte sie klar, dass die Würdigung von Frauen nicht automatisch bedeute, die Arbeit von Männern zu schmälern. Auch Männer könnten gute und wichtige Geschichten über und von Frauen erzählen, wie etwa Jay Roach mit "Bombshell". Darin spielt Theron die Journalistin Megyn Kelly, die sich mit anderen Kolleginnen mit dem damaligen Chef von Fox News, Roger Ailes, anlegte, auch weil dieser sie sexuell belästigt haben soll. Für diese Rolle ist Theron für einen Golden Globe nominiert.

Zumindest in einer Nebenkategorie können sich zwei Regisseurinnen bei der Verleihung der Golden Globes am 6. Januar Hoffnung auf eine Auszeichnung machen. "The Farewell" von Lulu Wang (deutscher Kinostart: 19. Dezember) und "Porträt einer Frau in Flammen" (lesen Sie hier eine Rezension ) von Céline Sciamma sind als beste fremdsprachige Filme nominiert.

brs