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14. Dezember 2010, 15:29 Uhr

Golden Globes

Donnersmarcks "Tourist" dreimal nominiert

Gerade noch von der Kritik zerrissen, nun dreimal für die Golden Globes nominiert, dem zweitwichtigsten amerikanischen Filmpreis: Das Schicksal von Florian Henckel von Donnersmarcks Hollywood-Debüt "The Tourist" scheint sich zu wenden. Die meisten Nominierungen bekam aber ein Monarchendrama.

Los Angeles/Hamburg - Mit sieben Nominierungen für die Golden Globes geht "The King's Speech" als großer Favorit in die beginnende Awards-Saison. Das Historiendrama um den britischen König Georg VI., Vater der heutigen Queen, kämpft in der Kategorie "Bestes Drama" um den Sieg mit dem Ballett-Thriller "Black Swan" (insgesamt vier Nominierungen), dem Boxfilm "The Fighter" (sechs Nominierungen), dem Science-Fiction-Rätsel " Inception" (vier Nominierungen) und dem Facebook-Film " The Social Network" (sechs Nominierungen). Überraschenderweise komplett leer aus ging "True Grit", der Film der Coen-Brüder, der 2011 die Berlinale eröffnen wird.

Auch Florian Henckel von Donnersmarcks Hollywood-Debüt " The Tourist" hat seinen Platz unter den Nominierten gefunden - allerdings in der Kategorie "Beste Komödie oder Musical". Die Konkurrenz: Die Disney-Verfilmung von " Alice im Wunderland", das Musical "Burlesque", der Lesben-Familienfilm " The Kids Are All Right" und die Comic-Verfilmung " R.E.D." - die ebenfalls von einem deutschen Regisseur inszeniert wurde: Robert Schwentke.

Donnersmarck ist zwar nicht für die beste Regie nominiert, wird sich aber freuen, dass seine Stars Angelina Jolie und Johnny Depp in den jeweiligen Hauptrollenkategorien für "The Tourist" im Rennen sind - wobei Depp gegen sich selber antritt: Er ist auch für seine Rolle in "Alice im Wunderland" nominiert. Neben dem doppelten Depp können sich die Juroren auch für Paul Giamatti, Jake Gyllenhaal oder Kevin Spacey als besten Komödienschauspieler entscheiden. Angelina Jolie misst sich mit dem "The Kids Are All Right"-Paar Annette Bening und Julianne Moore, sowie mit Anne Hathaway und Emma Stone.

Für die beste Hauptrolle im Drama-Fach sind bei den Frauen nominiert: Halle Berry, Nicole Kidman, Jennifer Lawrence, Natalie Portman und Michelle Williams. Die Vorauswahl für den besten Hauptdarsteller im Drama umfasst Jesse Eisenberg, Colin Firth, James Franco, Ryan Gosling und Mark Wahlberg.

Pech hatten die deutschen Filmschaffenden im Rennen um die Trophäe für den besten fremdsprachigen Film. Im vorigen Januar hatte Michael Haneke mit dem Schwarz-Weiß-Film "Das weiße Band" den Golden Globe nach Deutschland geholt. Diesmal ist Deutschland in der Ausland-Sparte nicht vertreten. Stattdessen stellte der Verband Beiträge aus Italien, Mexiko, Frankreich, Russland und Dänemark auf. Das deutsche Ehrenmord-Drama "Die Fremde" von Feo Aladag wurde nicht nominiert.

Dafür hat der deutsche Oscar-Preisträger Hans Zimmer Chancen auf einen weiteren wichtigen Filmpreis: Der 53 Jahre alte Komponist könnte im Januar den Golden Globe für die beste Filmmusik gewinnen. Der gebürtige Frankfurter wurde für die Vertonung des Films "Inception" von Regisseur Christopher Nolan nominiert. Dies ist Zimmers neunte Nominierung, eine goldene Weltkugel hatte er bereits für "Der König der Löwen" gewonnen (1995). Christina Aguilera, die für ihr Schauspieldebüt in "Burlesque" leer ausging, kann sich mit einer Nominierung für das von ihr gesungene und mitgeschriebene "Bound To You" als bestes Lied trösten.

Ehrenpreis für Robert DeNiro

In den Fernsehkategorien räumte die Musical-Serie "Glee" mit fünf Nominierungen groß ab. Dreimal nominiert wurden unter anderem die auch in Deutschland ausgestrahlten Serien "30 Rock", "Dexter", "The Good Wife", "Mad Men", die Miniserie "Die Säulen der Erde" und die von Martin Scorsese mitproduzierte Serie "Boardwalk Empire". Hugh Laurie wurde für seinen "Dr. House" als bester Dramadarsteller nominiert neben Steve Buscemi, Bryan Cranston ("Breaking Bad"), Michael C. Hall und Jon Hamm. Die Filmbiografie des Terroristen "Carlos", die hierzulande als Spielfilm lief, wurde in ihrer Langform für die Kategorie "Beste Miniserie" nominiert.

Bereits als Preisträger feststeht Robert DeNiro: Der einstige Golden-Globe-Gewinner (für "Wie ein wilder Stier") bekommt einen Preis für sein Lebenswerk.

Die nach den Oscars wichtigsten US-Filmtrophäen werden in 25 Film- und Fernsehkategorien ausgehändigt. Der kleine Verband der Auslandspresse (Hollywood Foreign Press Association) vergibt den Preis zum 68. Mal. Die Golden Globes werden am 16. Januar bei einer Gala-Show im Beverly Hilton Hotel vergeben. Der britische Komiker Ricky Gervais steht zum zweiten Mal als Moderator auf der Bühne. Über die Gewinner entscheidet eine Gruppe von 84 internationalen Journalisten, die seit langem in Hollywood arbeiten.

Die Trophäen in Form einer Weltkugel gelten immer noch als Oscar-Vorbote, obwohl in den vergangenen sechs Jahren nur ein Film, "Slumdog Millionaire" im Jahre 2008, nach dem Golden Globe auch noch den Oscar als bester Film gewann.

feb/dpa/AP

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