Nach Kritik an mangelnder Repräsentation Golden-Globes-Organisatoren wollen rein weiße Jury um Schwarze erweitern

Über hundert PR-Firmen haben angekündigt, zukünftig keine Klienten zu Events wie der Golden-Globes-Gala zu schicken – wenn sich der veranstaltende Verband nicht ändert. Der reagiert nun.
Ali Sar, Präsident der Hollywood Foreign Press Association, die die Golden Globes verleiht

Ali Sar, Präsident der Hollywood Foreign Press Association, die die Golden Globes verleiht

Foto: HFPA / HANDOUT / EPA

Für die Auswahl der Preisträger – unter ihnen schwarze Schauspieler wie der verstorbene Chadwick Boseman und Daniel Kaluuya oder die in China geborene Regisseurin Chloé Zhao – kassierten die Golden Globe Awards 2021 einiges Lob. Das war deshalb so bemerkenswert, weil die Besetzung der Organisation, die diese Preise für Filme und Fernsehsendungen vergibt, so stark in der Kritik war wie nie zuvor.

Eine Recherche der »Los Angeles Times« hatte unter anderem ergeben, dass sich unter den 87 ausländischen Journalistinnen und Journalisten, die sich in der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) vereinigt haben, nicht ein einziges schwarzes Mitglied befindet. Dieser Mangel an Repräsentation blieb auch bei der Globes-Gala nicht unkommentiert, Preisträger Sacha Baron-Cohen (»Borat«) dankte »der ausschließlich weißen Hollywood Foreign Press Association«.

Doch mit der Vergabe der Golden Globes an eine diverse Preisträgerschaft ist die Sache für die Mitglieder des exklusiven Klubs, der für die nach den Oscars öffentlichkeitswirksamste Preisverleihung Hollywoods steht, natürlich noch nicht ausgestanden. Einige Tage nach der Preisverleihung, am 9. März, kündigte die HFPA an, unter Unterstützung durch die Akademikerin Shaun Harper, Gründerin des Race and Equity Center an der University of Southern California, an einer neuen, auf mehrere Jahre angelegten Strategie für mehr »Diversität, Gerechtigkeit und Inklusion« zu arbeiten.

Mit einer Vertagung der Thematik nach dem Motto »Wenn man nicht mehr weiterweiß, gründet man 'nen Arbeitskreis« mochten sich aber manche im Umfeld der Film- und Fernsehindustrie nicht mehr zufriedengeben. Schon die wolkige Ankündigung wurde von der Initiative »Time's Up« mit öffentlichen Empfehlungen für konkretere Maßnahmen beantwortet .

Am Montag dann erreichte die HFPA ein Brief , der von über hundert PR-Agenturen unterzeichnet ist. Sie fordern von der Auslandspresse-Vereinigung »transparenten und bedeutsamen Wandel«. Würden dafür keine konkreten Pläne und Zeithorizonte dargelegt, wollen die Publicity-Firmen ihren Klientinnen und Klienten nicht mehr empfehlen, an von der HFPA ausgerichteten Veranstaltungen teilzunehmen.

Diese Drohung verfehlte offenbar ihre Wirkung nicht. Noch am selben Tag, so berichtet es das Fachblatt »Variety« , gelobte der Beirat der Hollywood-Auslandspresse, mindestens 13 schwarze Mitglieder aufnehmen zu wollen. Damit würde die Mitgliederzahl auf 100 anwachsen. Der Anteil von 13 Prozent schwarzen Journalistinnen und Journalisten in dem Gremium, den es dann gäbe, leitet sich offenbar ab von dem Prozentsatz an der Gesamtbevölkerung der USA. »Wir hätten mehr tun müssen – und früher«, bekannte die Organisation.

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