Goldene Palme 2019 Südkoreanischer Thriller triumphiert in Cannes

Mit seinem vorigen Film wurde er in Cannes noch ausgebuht, nun gewinnt er den Hauptpreis: Die Goldene Palme geht an den Südkoreaner Bong Joon-ho für seine Kapitalismuskritik "Parasite". Die Preise im Überblick.

Stephane Mahe / REUTERS

Als Bong Joon-ho 2017 seinen Film "Okja" in Cannes zeigte, gab es noch Buhrufe: Nicht wegen der Qualität, sondern wegen des Verleihers Netflix, der die Satire auf die Fleischindustrie produziert hatte. 2019 endet für den Südkoreaner denkbar anders. "Parasite", seine zugespitzte Kapitalismusparabel über Verdrängung im eigenen Haus, ist mit der Goldenen Palme, dem Hauptpreis des Festivals, ausgezeichnet worden.

Nach "Shoplifters" von Kore-eda Hirokazu triumphiert damit das asiatische Kino zum zweiten Mal in Folge. Als Jurypräsident fungierte in diesem Jahr der mexikanische Regisseur Alejandro Iñarritú, ihm zur Seite standen Kelly Reichardt, Alice Rohrwacher, Pawel Pawlikowski, Yorgos Lathimos und Robin Campillo (alle Regie), der Comic-Zeicher Enki Bilal, die Schauspielerin Elle Fanning sowie die Schauspielerin und Regisseurin Maimouna N'Diaye.

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Verleihung der Goldenen Palme: Große Stars auf dem Roten Teppich

Den zweitwichtigsten Preis, den Grand Prix, konnte die Französin Mati Diop nach Hause nehmen. Ihr Film "Atlantique" war ein doppeltes Debüt: Er war sowohl der erste Film einer schwarzen Frau im Wettbewerb als auch der erste lange Spielfilm von Diop, die bis dato nur Kurzfilme gedreht hatte.

Antonio Banderas wurde für seine Darstellung des Alter Egos von Regisseur Pedro Almodóvar in "Leid und Herrlichkeit" als bester Darsteller ausgezeichnet. Er bringt sich damit auch als Anwärter für die Oscars in Stellung, so sehr begeisterte sein Spiel über die Jury hinaus. Die Britin Emily Beecham gewann als beste Darstellerin für "Little Joe". Der Film der österreichischen Regisseurin Jessica Hausner, der Elemente von Horror, Thriller und Satire mischt, war während des Festivals auf wenig Gegenliebe gestoßen. Vielleicht geht die Reise des Films nun doch noch ein wenig weiter.

Den Jury-Preis teilten sich "Les Misérables" des Franzosen Ladj Ly und "Bacurau" des Brasilianers Kleber Mendonca Filho. Beide Filme verhandeln soziale Konflikte, erster in der Pariser Banlieue, letzter in der brasilianischen Provinz, mit vielen Action-Elementen.

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Cannes 2019: Vor den Kameras, hinter den Kulissen

Für das belgische Brüderpaar Jean-Pierre und Luc Dardenne gab es keine dritte Goldene Palme, aber den Preis für die beste Regie. Ihr zurückhaltendes Drama "Young Ahmed" über einen jungen Moslem, der sich radikalisiert und seine Lehrerin zu töten versucht, galt vielen als Nebenwerk sowohl im Wettbewerb als auch im Oeuvre der Dardennes. Vielleicht war auch deshalb die Überraschung besonders freudig bei den Brüdern.

Für das beste Drehbuch wurde Céline Sciamma ausgezeichnet. Ihr Liebesfilm "Portrait de la jeune fille en feu" galt bei vielen als würdiger Palmengewinner. Dass es nur für einen Nebenpreis reichte, drückte die Stimmung im Saal merklich.

Eine besondere Erwähnung wurde der Tragikomödie "It Must Be Heaven" des palästinensischen Regisseurs Elia Suleiman zuteil.

Zu den Preisen, die bereits vorab vergeben worden waren, gehören die Auszeichnungen der offiziellen Nebenreihe "Un Certain Regard" sowie der unabhängigen Nebenreihen "Quinzaine des Réalisateurs" und "Semaine de la Critique". In "Un Certain Regard" gewann das brasilianische Melodram "A Vida Invisível de Eurídice Gusmao" von Karim Ainouz. In der "Quinzaine" setzte sich "J'ai perdu mon corps" von Jérémie Clapin durch. Die "Semaine" kürte "Alice et le maire" von Nicolas Pariser als besten europäischen Film. Damit setzten sich zwei französische Filmmacher durch.

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