Griechische Regie-Legende Theodoros Angelopoulos tödlich verunglückt

Der griechische Regisseur Theodoros Angelopoulos ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Er wurde 76 Jahre alt. Angelopoulos war Stammgast bei Europas großen Festivals und wurde vielfach ausgezeichnet - für "Die Ewigkeit und ein Tag" erhielt er die Goldene Palme.
Theodoros Angelopouos: Der Regisseur drehte gerade "Das andere Meer"

Theodoros Angelopouos: Der Regisseur drehte gerade "Das andere Meer"

Foto: Orestis Panagiotou/ dpa

Piräus - Der griechische Filmregisseur Theodoros Angelopoulos ist am Dienstagabend bei einem Verkehrsunfall im Alter von 76 Jahren ums Leben gekommen. Während der Dreharbeiten an seinem Film "Das andere Meer" in Piräus wurde er kurz nach 19 Uhr beim Überqueren der Straße von einem Motorrad erfasst und fiel nach dem Aufprall in einen vier Meter tiefen Schacht. Nach Angaben eines Krankenhaussprechers wurde er schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, wo er am späten Abend seinen Verletzungen erlag.

Zu Angelopoulos wichtigsten Filmen gehören "Die Wanderschauspieler" 1975, "Die Reise nach Kythera" 1984, "Landschaft im Nebel" 1988 und "Der Blick des Odysseus" 1995.

Als Meister des poetischen Realismus mit melancholischem Grundton prägte er das anspruchsvolle, sozial engagierte Kino und wurde bei den drei wichtigsten internationalen Filmfestivals in Berlin, Cannes und Venedig mit Preisen ausgezeichnet, darunter die Goldene Palme in Cannes für "Die Ewigkeit und ein Tag" im Jahr 1998.

Der Regisseur galt für viele Griechen als der "Blick Griechenlands". Er konnte in seinen Filmen die jüngste Geschichte Griechenlands mit einer eigenartigen Atmosphäre und von seinem unverkennbaren Blickwinkel aus wiedergeben. "Theo", wie viele seiner Freunde ihn nannten, bezeichnete seine Filme als eine Art Dichtung: "Ich erwarte nicht von Dir, dass Du das verstehst, was ich mit meinen Filmen meine. Ich erwarte von Dir, dass Du das verstehst, was Deine Seele aus diesen Filmen versteht. Es ist eben wie Dichtung", sagte er immer wieder.

Angelopoulos wurde am 27. April 1935 in Athen geboren. 1941 wurde Griechenland von den Achsen-Mächten besetzt. Es folgte ein Bürgerkrieg, dessen politisch-gesellschaftliche Folgen sein Leben und das Leben von Millionen Griechen verändern sollte. Angelopoulos war fasziniert vom Kino, das damals einen Ausweg aus der Misere gab, wie er sagte.

"Ich mache Filme für mich"

Nach einem nicht abgeschlossenen Jurastudium wanderte er nach Frankreich aus. 1964 kehrte er nach Griechenland zurück. Die Anerkennung kam erst in den siebziger Jahren, als er sich in drei Filmen mit der jüngsten und schmerzhaften Geschichte seines Landes auseinandersetzte.

Für einen davon, "Alexander der Große", bekam er 1980 bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen. Für "Landschaft im Nebel" erhielt er 1988 den Silbernen Löwen. Bekannt sind auch seine Filme "Der Bienenzüchter" und "Reise nach Kythera".

In den neunziger Jahren ging es auch um Themen wie Migration. Dabei kamen Filme wie "Der schwebende Schritt des Storches" oder "Der Blick des Odysseus"

heraus, in denen er sich mit dem Zerfall des Sozialismus auseinandersetzte. Für diesen Film, der für Angelopoulos selbst als sein bestes Werk galt, bekam er 1995 in Cannes den Großen Preis der Jury - nicht aber die Goldene Palme. Er zeigte sich damals von seiner "giftigen Seite" und verkündete beleidigt: "Wenn das alles ist, was Sie für mich haben, habe ich nichts zu sagen."

Angelopoulos riss sich aber zusammen und nahm einen neuen Anlauf. 1998 bekam er endlich die Goldene Palme in Cannes für den Film "Die Ewigkeit und ein Tag" mit Bruno Ganz und Isabelle Renauld.

Angelopoulos Charaktere waren schwierig und undurchsichtig. In der Regel waren es tragische Figuren. Rückkehrer aus dem Exil, Regisseure ohne Inspiration, sterbende Schriftsteller. Er forderte den Zuschauer heraus: "Ich mache Filme für mich - nicht für die anderen", sagte er immer wieder.

bim/dapd/dpa
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