"Hellboy" Teufelskerl mit Herz

Wenn Teufel Gutes tun: Regisseur Guillermo del Toro verfilmte den Untergrund-Comic "Hellboy" als burleske Tragikomödie mit viel Sinn für Humor. Hauptdarsteller Ron Perlman begeistert als lakonischer Held mit Hörnern.

Von Oliver Hüttmann


Monsterjäger Hellboy (Ron Perlman): Muskeln wie Magma
Columbia TriStar

Monsterjäger Hellboy (Ron Perlman): Muskeln wie Magma

Es ist einfach nicht sein Tag. Erst wurde er von einem glibberigen Ungeheuer vermöbelt, dann macht auch noch ein schmächtiger Typ seiner Freundin Liz den Hof. Wehleidig knurrend hockt der kantige Koloss mit hängenden Schultern auf einem Dach, während das Pärchen unter ihm auf einer Parkbank turtelt. Die Szene erinnert an die romantische Komik aus Disneys Zeichentrickfilm "Aristocats".

Wie passend, denn Hellboy liebt Katzen. Dutzende stromern in seinem Wohnzimmer herum, das in der unterirdischen Zentrale des Bureau for Paranormal Research and Defense (B.P.R.D.) hinter einer Stahltür liegt, mit der man locker Fort Knox sichern könnte. Eine Bedrohung für die Welt ist der feuerrote Hüne indes nicht, obwohl er direkt aus der Hölle stammt: Nazis haben ihn mit freundlicher Unterstützung des legendären russischen Wunderheilers Rasputin in der Endphase des Zweiten Weltkriegs geschaffen, um Hitlers Untergang mit schwarzer Magie abzuwenden. Leider kann die höllische Kreatur zunächst nicht mal einen Trupp amerikanischer Soldaten erschrecken, der die Satanisten bei ihrem Ritual stört: Hellboy kommt als Knabe auf unsere Welt, niedlich wie ein Tigerbaby und gefräßiger als ein Tamagotchi. Der junge Wissenschaftler Brutenholm macht ihn sich mit Schokoriegeln gefügig und adoptiert den feuerroten Knirps als seinen Ziehsohn.

Hellboy (Ron Perlman) und Liz (Selma Blair): Liebenswerte Außenseiter
Columbia TriStar

Hellboy (Ron Perlman) und Liz (Selma Blair): Liebenswerte Außenseiter

60 Jahre später leitet der greise Professor (John Hurt) das B.P.R.D.. Und Hellboy (Ron Perlman) ist noch immer hungrig. Er futtert tonnenweise fette Sachen, schmaucht dicke Zigarren und schleift sich Funken sprühend die Teufelshörner ab, um menschlicher zu wirken. Brutenholm hat die Ausgeburt der Hölle im Dienste des Guten erzogen. Er wird als eine Art Feuerwehrmann losgeschickt, wenn irgendwo auf der Welt paranormale Wesen zündeln. Das Problem: Auch der schurkische Papa Rasputin, frisch von den Toten auferstanden, benötigt Hellboys Dienste. Denn der granitharte Hammer an der linken Hand seines Geschöpfs dient dazu, die Pforte zum Fegefeuer zu öffnen und Luzifers Schergen auf die Erde holen. Der Red Adair der Alienbekämpfung muss sich folglich zwischen seiner wahren Bestimmung und dem Dienst an der Menschheit entscheiden.

Das alles klingt reichlich krude und kauzig, ist aber dennoch ein köstlicher Spaß. Regisseur Guillermo del Toro hat mit "Hellboy" eine Comicfigur von Mike Mignola zum Leben erweckt, die nicht aus dem Superhelden-Fundus von Marvel oder DC kommt, sondern bei dem Kult-Label Dark Horse veröffentlicht wird. Schon mit den Filmen "Mimic", "Blade II" und "The Devil's Backbone" zeigte del Toro ein Gespür für abstrusen Horror, der sich stets einen Hauch von Underground bewahrt. Die alberne Kirmesatmosphäre der "Batman"-Reihe hat er nicht im Sinn, gleichzeitig reicht "Hellboy" trotz effektvoller Actionszenen aber auch nicht an die digitale Eleganz von Sam Raimis "Spider-Man" heran. Eher gemahnt del Toros charmant-groteske Comic-Verfilmung in Stil und Stimmung an Raimis frühe Filme wie "Tanz der Teufel".

Hellboy (Ron Perlman) im Einsatz: Zigarrenstumpen mit dem Stromkabel anzünden
Columbia TriStar

Hellboy (Ron Perlman) im Einsatz: Zigarrenstumpen mit dem Stromkabel anzünden

Den Reiz von "Hellboy" macht aber vor allem Hauptdarsteller Ron Perlman aus. Trotz roter Ganzkörpermaske und Muskeln, die wie flüssiges Magma wirken, verleiht er dem Teufelskerl ein menschliches Antlitz. Eigentlich hat Hellboy nie so richtig Bock auf seinen Job, denn seine übermenschliche Kraft bewahrt ihn nicht davor, ständig ordentlich Prügel einstecken zu müssen. Beim Kampf in einer U-Bahnstation schleudert ihn ein Monster gleich durch mehrere Mauern. Als ihm nach all dem Schutt auch noch ein einzelner kleiner Stein auf den Kopf fällt, zieht er fluchend eine zerknirschte Miene. Unter den Supermännern des Fantasy-Kinos ist Hellboy der John McClane, der lakonische, im Grunde aber gutmütige, von Bruce Willis verkörperte Cop in "Stirb langsam". Erst als sein Gegner ein Kätzchen bedroht, macht er ihm wütend den Garaus.

Bei aller Selbstironie ist Hellboy aber auch ein tragikomischer Held, was sich vor allem in seiner Romanze mit der übersinnlich begabten Liz (Selma Blair) zeigt. Sie verfügt über pyrokinetische Fähigkeiten, wurde darüber allerdings depressiv und in die Psychiatrie eingewiesen. Hellboy, der sich seinen Zigarrenstumpen schon mal mit einem armdicken Stromkabel anzündet, buhlt mit einer so anrührenden Aufrichtigkeit um die Gunst des gebrochenen Mädchens, dass man Feuer und Flamme für die beiden Außenseiter ist.


Hellboy


USA 2004. Regie: Guillermo del Toro. Drehbuch: Guillermo del Toro, Peter Briggs. Darsteller: Ron Perlman, Selma Blair, John Hurt, Rupert Evans, Karel Roden. Produktion: Revolution Studios, Dark Horse Entertainment. Verleih: Columbia TrisStar. Länge: 125 Minuten. Start: 16. September 2004



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